Neunkirchen RHEINPFALZ Plus Artikel Kohlhof-Mitarbeiter fassungslos: Bald keine Geburtshilfe und Kindermedizin mehr?

Die Kohlhof-Kinderklinik in Neunkirchen (Foto) könnte zusammen mit der Geburtshilfe und der Frauenheilkunde nach St. Wendel verl
Die Kohlhof-Kinderklinik in Neunkirchen (Foto) könnte zusammen mit der Geburtshilfe und der Frauenheilkunde nach St. Wendel verlagert werden.

Die Geburtshilfe, die Kinder- und Jugendmedizin und die Frauenheilkunde könnten bald vom Kohlhof verschwinden. Was geplant ist. Die Mitarbeiter wollen dagegen kämpfen.

„Es ist hier Gesprächsthema Nummer eins. Es vergeht keine Stunde, in der wir uns nicht darüber austauschen, auch über dieses fassungslose Gefühl“, berichtet Lara Bütermann der RHEINPFALZ. Sie ist eine von rund 600 Mitarbeitern, die am Neunkircher Kohlhof – offiziell Marienhaus Klinikum Neunkirchen genannt – arbeiten.

Die Mitarbeiter machen sich gerade große Sorgen. Denn es liegen Pläne auf dem Tisch, die vorsehen, die Kinder- und Jugendmedizin, die Geburtshilfe und die Frauenheilkunde vom Kohlhof nach St. Wendel zu verlagern. Dort betreiben die Marienhaus Kliniken einen weiteren Standort. Damit soll eine „neue Versorgungsstruktur für das nördliche und östliche Saarland“ auf den Weg gebracht werden, teilt der Saar-Gesundheitsminister Magnus Jung mit. Entschieden ist noch nichts, es gibt auch mehrere Varianten. An den Plänen würde gerade gearbeitet. Der Neunkircher Oberbürgermeister Jörg Aumann sowie die beiden Landräte von St. Wendel und Neunkirchen stehen hinter den Plänen.

Auch Auswirkungen für Zweibrücker

Würden die drei großen Bereiche von Neunkirchen nach St. Wendel wandern, hätte das auch Auswirkungen auf viele Kinder aus Zweibrücken und Umgebung und aus dem südlichen Kreis Kusel: Viele Kinder und Jugendliche werden dort behandelt, auch am Wochenende in der Notaufnahme.

Der Kohlhof soll seine stationären Angebote am Standort St. Wendel konzentrieren, heißt es von Jung. In Neunkirchen sollen „Doppelstrukturen“ abgebaut werden. Die Notfallversorgung, die Innere Medizin und die Allgemeine Chirurgie würden in Neunkirchen sowohl im Kohlhof als auch im Diakonie Klinikum Neunkirchen in der Innenstadt angeboten. Diese Bereiche soll nach den Plänen künftig nur noch das Diakonie Klinikum übernehmen. Das Diakonie-Krankenhaus soll als einziger Träger in Neunkirchen vollstationäre Leistungen übernehmen. „Das Diakonie Klinikum wird dadurch erheblich gestärkt und hat eine klare Zukunftsperspektive“, heißt es in der Mitteilung.

Gesundheitsminister: „Beste Option für stationäre Versorgung“

Das Neunkircher Fliedner-Krankenhaus soll seine Angebote dafür an den bisherigen Standort des Marienhaus Klinikums verlagern. Ebenfalls werde geprüft, „ob die Marienhaus Gruppe weiterhin ein sozialpädiatrisches Zentrum am Kohlhof betreiben wird und den freien ambulanten kinderärztlichen Sitz übernimmt, um die ambulante pädiatrische Versorgung vor Ort zu stärken“. Diese neue Versorgungsstruktur koste etwa 250 Millionen Euro. Auch ein sogenannter Gesundheitspark ist rund um das Neunkircher Diakonie Klinikum geplant.

Diese geplanten Veränderungen seien die beste Option, in Neunkirchen und St. Wendel „die stationäre Versorgung medizinisch gut und dauerhaft zukunftssicher aufzustellen. Die bisherige Struktur ist für beide Träger nicht sinnvoll“, so Gesundheitsminister Jung. Für Neunkirchen wäre ein Verlust der Geburtshilfe „sicherlich schmerzlich“, die Geburtshilfe wäre aber in der Uniklinik Homburg oder Saarbrücken „jederzeit sichergestellt“.

Mitarbeiterin: Geburten können nicht in Homburg abgefangen werden

Lara Bütermann widerspricht. Sie arbeitet seit 2019 im Kohlhof im OP, hat in der Klinik in dieser Zeit auch ihr FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) und ihre Ausbildung gemacht. „Die Klinik in Homburg hat ja nicht auf einmal mehr Kapazitäten“, sagt sie. Rund 1500 Geburten seien im Kohlhof dieses Jahr durchgeführt worden. Das könne gar nicht in Homburg abgefangen werden, und auch nicht in St. Wendel, ist sie sich sicher. „Da sind nicht mehr Kreißsäle, da sind nicht mehr Hebammen oder OP-Personal, die Kaiserschnitte machen könnten.“

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Marienhaus Gruppe, Sebastian Spottke, sagt: „Auch wir sehen die Notwendigkeit zur Veränderung. Für uns ist es wichtig, vorher klar die Möglichkeiten zu bewerten und die Folgen für alle abzuschätzen. Wir stehen in der Verantwortung für eine langfristig sichere und bedarfsgerechte Versorgung der Menschen und für die Zukunftssicherung unserer rund 14.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Daher werden wir alle Optionen eingehend und genau bewerten.“ Auch die Regionalgeschäftsführerin des Diakonie Klinikums Neunkirchen, Andrea Massone, sieht in den Plänen die Möglichkeit, die begonnene Neuaufstellung fortzusetzen.

OB und Landräte stehen hinter den Plänen

Der Neunkircher Oberbürgermeister Aumann findet, mit den Plänen werde eine „zukunftsfeste und sichere Versorgung“ für die Neunkircher geschaffen. „Mit der Stärkung der ambulanten pädiatrischen Versorgung wird ein lange wahrgenommenes Defizit in Neunkirchen beendet. Der Gesundheitspark bringt Neunkirchen als Gesundheitszentrum nach vorne.“ Auch Sören Meng, Landrat in Neunkirchen, sieht die Pläne positiv – ebenso der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald. Die Bereiche der Geburtshilfe, Frauenheilkunde und Kindermedizin, die bald nach St. Wendel umziehen könnten, fehlten im Einzugsbereich.

Viele der Kohlhof-Mitarbeiter in Neunkirchen gehen mit Ungewissheit zur Arbeit. So wie Lara Bütermann. „Es bewegt mich extrem. Die Marienhausklinik Neunkirchen ist mehr als nur ein Arbeitsplatz. Das Teamwork, das wir hier haben – da gibt’s kein anderes Beispiel für. So eine Zusammenarbeit auf dieser Ebene hab ich vorher noch nie gesehen. Der Zusammenhalt ist groß, die Sorge natürlich auch.“ Auch wenn sie Feierabend hat, beschäftigt das Thema sie immer noch.

Demonstration am Mittwoch

Lara Bütermann möchte mit vielen Kollegen dafür kämpfen, dass der Kohlhof in dieser Form erhalten bleibt. Denn: „Jetzt ist der Entscheidungsprozess, in den wir noch aktiv eingreifen können.“ Deshalb hat sie zu einer Demonstration aufgerufen, die am Mittwoch, 26. November, um 17 Uhr auf dem Stummplatz am Saarpark-Center in Neunkirchen stattfindet. Angemeldet seien 275 Personen, sie rechnet aber damit, dass viele ohne Anmeldung kommen. Von 700 Personen geht sie aus.

Hier geht’s zu einer Glosse zum drohenden Aus für den Kohlhof.

x