OTTWEILER / STWENDEL / KIRN
Kleine Krankenhäuser auf dem Land in Bedrängnis
Für Ottweiler ist das eigenständige Krankenhaus, das in der einstigen Kreisstadt seit 110 Jahren bestand und zuletzt für medizinische Versorgung über rund 150 Betten verfügte, seit Mitte Dezember bereits Geschichte. Nachdem die Marienhausklinik Ottweiler im März als Corona-Standort ausgewiesen war, wurden die Abteilungen Gefäßchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie samt Patienten im selben Monat nach St. Wendel ins Marienkrankenhaus verlagert. Als letzte verbliebene Fachabteilung der Ottweiler Marienhausklinik folgte im Dezember die Kardiologie und wurde mit dem Marienkrankenhaus verschmolzen.
Nur noch ambulante OPs
Am Standort Ottweiler verbleibt den Angaben zufolge ein ambulantes OP-Zentrum. Eine vierstellige Zahl ambulanter Eingriffe könne dort jährlich erfolgen, sagte Heribert Frieling der RHEINPFALZ. Er ist Pressesprecher der Marienhaus-Gruppe (Waldbreitbach), Träger von 20 Krankenhäusern zumeist in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Unter anderem war die Holding Betreiber des St.-Elisabeth-Krankenhauses in Rodalben, das mit dem Städtischen Krankenhaus Pirmasens fusioniert wird. Geschlossen wurde bereits das Krankenhaus im saarländischen Wadern, für Losheim strebt der katholische Träger eine Umwandlung in eine geriatrische Tagesklinik an.
Über die künftige Nutzung der übrigen Klinikräumlichkeiten in Ottweiler machte Frieling keine Angaben. Mit Hinweis auf den Mangel an Pflegepersonal hebt er hervor, dass für die 365 Beschäftigten in Ottweiler die Schließung und die Zusammenlegung mit dem Marienkrankenhaus in St. Wendel ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgt sei.
Das Marienkrankenhaus in St. Wendel verfügt dem Pressesprecher zufolge über nunmehr 386 Betten. Mit dem Ende der stationären Nutzung der Marienhausklinik St. Josef in Losheim am See war 2020 auch die dortige Abteilung Konservative Orthopädie in das Marienkrankenhaus St. Wendel verlagert worden.
Kritik und Unverständnis
Der Fusion der Klinik Ottweiler mit dem Krankenhaus St. Wendel sei Teil der zweijährigen Restrukturierung, die die Marienhaus-Gruppe erfolgreich abgeschlossen habe, sagte Frieling. Die Ende Februar publik gewordenen Pläne zur Schließung des Krankenhauses Ottweiler waren in der Region und in der überraschten Politik auf Kritik und Unverständnis gestoßen. Der Stadtrat von Ottweiler und der Kreistag Neunkirchen machten sich in Resolutionen für den Erhalt des Krankenhauses stark. Der Marienhaus-Gruppe, die das Kreiskrankenhaus Ottweiler 2007 gekauft hatte, warfen die Kommunalparlamente zudem intransparente Informationspolitik vor.
Erfreut über die Aufwertung des Marienkrankenhauses in St. Wendel zu einer Schwerpunkt-Klinik mit erweitertem medizinischem Angebot äußerte sich hingegen der dortige Landrat Udo Recktenwald. Die Zusammenlegung trage zur Zukunftssicherung der Krankenhausversorgung und zur Gewährleistung medizinischer Not- und Nahversorgung der Menschen im St. Wendeler Land bei, ist der Landrat überzeugt.
Die Gründe dafür, dass der Fortbestand kleinerer ländlicher Krankenhäuser gefährdet ist, seien vielschichtig, argumentierte Frieling. Neben der Konkurrenz mit großen Kliniken bei der Anwerbung von qualifiziertem Pflegepersonal und Ärzten nannte er vor allem Finanzierungsprobleme. So fielen für kleinere Kliniken mit weniger Patienten und geringeren Fallzahlen die Vorhaltekosten für Personal und Technik viel stärker ins Gewicht als bei großen Krankenhäusern. Wenn dies in der Krankenhausfinanzierung berücksichtigt werde, hätten auch kleine Kliniken wieder eine faire Chance, ergänzte Frieling.
Defizitäre kleine Kliniken
Auch Michael Quetting vom Landesbezirk Rheinland-Pfalz Saarland der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sieht in dem Finanzierungssystem über Fallpauschalen eine Ursache für die Debatten über Standortschließungen. An kleinen Krankenhäusern bliebe die finanziell weniger ertragreiche Grund- und Regelversorgung hängen, während in spezialisierten Kliniken eine Vielzahl von Operationen mit viel Technik erfolge. Die Konzentration werde zudem dadurch gefördert, dass die Länder ihren Investitionsverpflichtungen im Krankenhaussektor nicht nachkämen.
Gespräche über Finanzhilfe
Für den Krankenhausstandort Kirn ist unterdessen weiter die Höhe des Sicherstellungszuschlages offen, um die 109-Betten-Klinik zu erhalten. In einem Gespräch von Kreuznacher Diakonie als Krankenhausträger, Krankenkassen als Kostenträger und Mainzer Gesundheitsministerium am Donnerstag sei vereinbart worden zu prüfen, wie die Verhandlungen beschleunigt werden könnten, sagte Diakonie-Vorstand Dennis Göbel. Weitere Gespräche seien für Ende Januar geplant. Die Kreuznacher Diakonie sieht in einer verbindlichen Zusage für diese Finanzhilfe die Voraussetzung, um das defizitäre Krankenhaus Kirn kostendeckend weiterzuführen zu können.
In dünn besiedelten ländlichen Regionen sollen diese Zuschläge bedarfsnotwendige Kliniken unterstützen. Der Sicherstellungszuschlag deckt notwendige Vorhaltekosten, wenn die flächendeckende Versorgung gefährdet ist und ein geringer Versorgungsbedarf den Krankenhausbetrieb unwirtschaftlich macht. Die Stiftung Kreuznacher Diakonie, die Kirner Bürgerinitiative zum Erhalt des Krankenhauses und das Mainzer Gesundheitsministerium sind sich im Grunde darüber einig, das Krankenhaus in Kirn erhalten zu wollen.
Parallel zu den Verhandlungen über die Zukunft der Kirner Klinik hatte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) im November ein Projekt lanciert, mit dem kleinere Kliniken zukunftsfest gemacht werden sollen. Als Modellstandorte für das Projekt ZUG – Zukunft Gesundheitsnetzwerke wurde neben dem Kreiskrankenhaus Saarburg das Diakonie-Krankenhaus Kirn ausgewählt, das nach dem Willen der Ministerin erhalten bleiben soll.