Sankt Ingbert RHEINPFALZ Plus Artikel Katzenhaus hilft gequälten Tieren wieder auf die Beine

Die Tierfreundinnen Bianca Helwig und Bea Speicher-Spengler (von links) kümmern sich im Katzenhaus um die geretteten Tiere.
Die Tierfreundinnen Bianca Helwig und Bea Speicher-Spengler (von links) kümmern sich im Katzenhaus um die geretteten Tiere.

Bundesweit Schlagzeilen gemacht hatte vor zwei Wochen ein schier unfassbarer Fall von Tierquälerei in Saarbrücken. In einer Gartenlaube im Stadtteil St. Arnual wurden 200 tote Katzen gefunden. 32 Katzen konnten von Tierschützern lebend eingefangen werden. Einige von ihnen werden jetzt im Katzenhaus in St. Ingbert-Oberwürzbach aufgepäppelt.

Am 7. März hatte die Polizei in dem heruntergekommenen Wochenendhaus all die toten Katzen entdeckt, eingepackt in Müllsäcken. Jetzt nimmt sich das Katzenhaus Oberwürzbach sieben der 32 geretteten Tiere an. Die ehrenamtlich geführte Einrichtung ist einer Art Auffangstation, gegründet vom „Verein der Katzenfreunde“.

„Zwei der vier weiblichen Katzen sind schwanger. Alle Katzen und Kater sind krank“, berichtet Bea Speicher-Spengler, die Vorsitzende des Vereins. Alle sieben Tiere seien nun „stabil“, Lebensgefahr bestehe nicht mehr. Tierärzte und ehrenamtliche Helfer vom Katzenhaus kümmern sich täglich um die kleinen Patienten. „Eine der beiden trächtigen Katzen ist in ihrer Schwangerschaft fortgeschritten. Die andere steht noch eher am Anfang“, sagt Speicher-Spengler.

Die sieben Katzen waren in schlechtem Zustand nach Oberwürzbach gekommen. Von Flöhen, Milben, Würmern und anderen Parasiten geplagt, kämpfen die Fellnasen hier nun um ihre Gesundheit. „Die Katzen haben schlechte Zähne, einige Durchfall. Wir konnten noch nicht alle impfen oder kastrieren, weil sie dafür nicht gesund genug sind. Man merkt, dass sie noch nie beim Tierarzt waren. Sie waren zum Teil dehydriert und einseitig ernährt“, sagt die Vorsitzende.

Auf dem verwahrlosten Saarbrücker Gelände gab es keine Wasserstellen; es stank bestialisch. „Stellen Sie sich vor, dass dort Hunderte Katzenleichen lagen. Darunter die noch lebenden 32 Katzen. Die wissen weder, wo ihre Toilette ist, noch können sie gesund sein. Auf dem Gelände stand hauptsächlich Hundefutter herum“, sagt die Tierschützerin.

Inzucht und falsche Ernährung

„Wir gehen davon aus, dass viele der Katzen aus Inzucht entstanden und falsch ernährt wurden“, erzählt Bianca Helwig, die stellvertretende Vorsitzende. „Sie sind viel kleiner und zierlicher als gewöhnliche Hauskatzen.“ Die 70-jährige sagt, ihr breche das Herz, wenn sie sich an den Anblick der Tiere bei deren Ankunft am Katzenhaus erinnert. „Einige von ihnen sind positiv auf die Immunschwächekrankheit FIV getestet. Aber so langsam werden die Kleinen fitter und fühlen sich eher zuhause.“

Die beiden Ehrenamtlichen wundern sich darüber, wie zutraulich die Vierbeiner bereits sind. „Sie geben Köpfchen, schnurren laut beim Kraulen und genießen das Beisammensein mit dem Menschen. Nur einer der Kater ist noch schüchtern.“

Bianca Helwig hofft, „dass wir für sie ein gutes Zuhause finden“. Inzwischen hätten sich einige Anrufer nach den Katzenbabys erkundigt. „Die sind aber ja noch nicht mal geboren. Da müssen wir erstmal schauen, wie es ihnen geht. Alles zu seiner Zeit.“ Die Vize-Vorsitzende: „Wann wir die erwachsenen Tiere vermitteln können, wissen wir noch nicht. Sie müssen zuerst gesund werden und dann vom Veterinäramt freigegeben werden.“ Außerdem gehören die Tiere derzeit noch der 73-jährigen Besitzerin der Gartenlaube, gegen die jetzt die Polizei ermittelt.

Hetze per Brief und Telefon

Stets willkommen seien Spenden und Unterstützung. „Wir können Geld- oder Futterspenden und andere Hilfe immer gebrauchen“, sagt die Vorsitzende. Für die 61-Jährige aus Wadgassen ist es wichtig, dass jede Katze einen Menschen oder eine Familie findet: „Wir hoffen, dass die Frau und ihre Tochter, die für all die toten und kranken Katzen verantwortlich sind, nie mehr Tiere haben dürfen.“ Man kenne die beiden: „Sie hetzen schon seit Jahren gegen uns Tierschützer. Mit Briefen und Anrufen machten sie uns Vorwürfe, weil wir Katzen und Kater kastrieren lassen. Das wäre gegen die Natur und nicht in Ordnung.“

Für Speicher-Spengler und Helwig sei es jedoch ein Schock gewesen, was sich in St. Arnual offenbarte. „Wir geben jetzt unser Bestes, die sieben Katzen gesund zu bekommen und ihnen ein schönes Leben zu bereiten“, betont Bea Speicher-Spengler.

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