Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Insider berichten: Was einen guten Flohmarkt-Stand ausmacht

In der Region Flohmarkt-Dauerbrenner: Melanie Flätchen und Franz Walle aus Kirkel.
In der Region Flohmarkt-Dauerbrenner: Melanie Flätchen und Franz Walle aus Kirkel.

Stöbern, Finden, Feilschen. Regelmäßig stehen Melanie Flätchen und Franz Walle aus Kirkel mit ihren Waren auf Flohmärkten im Saarland. Im Interview verraten die beiden, was einen guten Flohmarktstand ausmacht.

Frau Flätchen, was ist ihre Flohmarkt-Taktik?
Wir haben immer eine neue Taktik. Wir bauen den Stand immer anders auf, präsentieren die Waren immer wieder neu. Einfach schon deshalb, weil wir immer andere Sachen dabei haben. Einen festen Plan gibt es also nicht.

Seit wie vielen Jahren sind Sie auf Flohmärkten unterwegs?
Eine Zeit lang haben wir keinen Stand betrieben, weil wir schlichtweg nichts mehr zu verkaufen hatten. Dann haben wir aber wieder jede Menge geschenkt bekommen und wieder dem Flohmarkt angefangen. Seit knapp einem Jahr sind wir wieder fast jedes Wochenende unterwegs.

Fast jedes Wochenende?
Ja. Samstag und Sonntag.

Klingt nach einer Menge Stress.
Ja. Man muss es gerne machen, sonst geht es nicht.

Sie bleiben aber auf Flohmärkten hier in der Region?
Ja. In Homburg, Neunkirchen, Ottweiler und Saarbrücken sind wir normalerweise.

Merkt man einen Unterschied bei der Kundschaft?
Absolut. In Neunkirchen sind die Kunden zum Beispiel sehr speziell, da ist das Publikum anders, will mehr sparen und feilschen. Damit muss man umgehen können. Wenn man wirklich einen Preis haben will, dann muss man darauf bestehen. Und wenn es eben nicht passt, wird etwas wieder eingepackt und mit heim genommen.

Und wie kommen Sie auf Ihre Wunschpreise?
Bei manchen Sachen (Flätchen zeigt auf eine Dick-und-Doof-Porzellanfigur) da schaut man im Internet nach, für welchen Preis so etwas verkauft wird. Dann wollen wir etwa einen Mittelwert haben. Der Verkauf passiert aber auch auf Sympathiebasis. Wenn etwas 50 Euro kostet, jemand will aber lieber 40 Euro bezahlen, dann ist das in Ordnung. Für zehn Euro packe verkaufe ich dann aber nicht.

Beim Verhandeln muss man also standhaft bleiben?
Oh ja (lacht).

Kommt man beim Verhandeln öfters zu einem Kompromiss oder führt die Preisdiskussion häufiger ins Leere?
Das ist ganz unterschiedlich. Das kommt auf immer auf denjenigen gegenüber an. Will der Kunde den Artikel wirklich, oder hat er nur Lust zu feilschen.

Wie viel verdienen Sie an einem Flohmarkt-Tag?
Das kommt immer darauf an, was man zum Verkaufen hat. Wir verkaufen sehr günstig, zwei Euro, drei Euro pro Artikel. Manches wird höher angesetzt, aber das muss erst mal verkauft werden. Und dann zahlen wir auch noch Standmiete, mancherorts sind das über 70 Euro. Und bis man das Geld wieder drin hat und man was verdient, muss man Massen verkaufen. Wir machen das also mehr aus dem Spaß heraus. Und aus dem Gedanken, dass wir einen Artikel nicht wegwerfen, sondern jemanden finden, der noch Spaß daran hat. Wegwerfen kann man alles.

Kaufen Sie auf dem Flohmarkt ein?
Natürlich. Ich sehe etwas, das ist noch in Ordnung, möglicherweise gebraucht. Dann bekomme ich es aber für einen guten Preis und es hat ein neues Zuhause. Mit der Wegwerfgesellschaft kann ich nichts anfangen.

Woher bekommen Sie ihre Waren?
Meisten als Geschenk aus Haushaltsauflösungen. Viele Bekannte − oder auch weit entfernte Bekannte − rufen uns an, wenn sie etwas loswerden wollen. Und wir holen das dann ab.

Der Keller bei Ihnen zu Hause ist also proppenvoll?
Nicht nur der Keller. Eigentlich haben wir zu wenig Platz für zu viel Zeug.

Wie läuft denn so ein typischer Flohmarkt-Tag ab?
Wir sind heute um vier Uhr aufgestanden, waren um fünf Uhr da. Dann kommt noch die Vorbereitung gestern dazu, also Auto und Hänger laden, überlegen, was wir überhaupt mitnehmen. Die ersten Kunden heute Morgen sind schon um fünf Uhr da, das sind meistens die Wiederverkäufer. Die Familien mit den Kindern kommen nach dem Frühstück, etwa um zehn Uhr.

Gibt es auf dem Flohmarkt eine Stammkundschaft?
Ja. Manche Leute kommen immer wieder, unterhalten sich mit uns, erzählen über vergangene Käufe. Das ist schön. Man lernt immer wieder neue Leute kennen.

Gespräche gehören zum Flohmarkt dazu.
Absolut. Man merkt das auch. Die Leute wollen mit einem reden und nicht bloß kaufen. Die Kommunikation ist einfach wichtig.

Analoger Flohmarkt kann dem Internet also nicht das Wasser reichen?
Auf keinen Fall. Auf Ebay kann man gucken und kaufen, der Flohmarkt-Flair ist aber ein anderer.

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