Saarbrücken
Im Saarland gibt’s nur Lyoner und Saarschleife!?
„Hauptsach gudd gess“. Wenn es im Saarland um Lyoner und die Saarschleife geht, ist der Saal prall gefüllt. Was bereits nach dem ersten saarländischen Klischee klingt, entsprach bei der Podiumsdiskussion „Mehr als Lyoner und Saarschleife? Wie die Welt auf das Saarland blickt“ der Wahrheit. Zahlreiche Menschen sind am Mittwoch in den Festsaal des Rathauses St. Johann zur Veranstaltung gekommen, zu der die Universität des Saarlandes (UDS) im Zuge der Reihe „UDS im Dialog“ eingeladen hatte. So viele, dass nicht mal die Sitzplätze ausreichten. In der anschließenden Diskussion ging es dann um mehr als Lyoner und die Saarschleife. Vielmehr ging es primär um die Frage, wie die saarländische Identität aussieht und durch was sich die Sichtweise auf das Saarland kennzeichnet.
Bevor die Podiumsdiskussion überhaupt starten konnte, standen allerdings eine Reihe von Grußworten auf dem Programm. Anders als bei vielen anderen Veranstaltungen mit politischen Gästen, wo Grußworte gerne mal das Publikum einschläfern, sorgten sie diesmal vor allem für Heiterkeit und Unterhaltung. So bot der Regierungssprecher des Saarlandes, Julian Lange, der erst im Jahr 2019 ins Saarland zog, einen unterhaltsamen Blick aus Sicht eines „Neusaarländers“. So sei er damals aus Berlin ins Saarland gekommen, weil ihm „Berlin zu uncool war“. Darüber hinaus gäbe es kein Land außer das Saarland, in dem Lyoner und Croissants zusammenpassen. Kein anders Bundesland, welches den Namen „Land“ im Namen trage. Und keins, wo jeder zweite Schüler durchgehend Französisch lerne. Bodenständig und einzigartig, sei das Saarland eben. Zudem komme etwas in Bewegung. Als Beispiel hierfür nennt er unter anderem die Transformation hin zu einer nachhaltigen Stahlproduktion im Saarland. „Wir im Saarland sind wer. In Deutschland und Europa. Und wir schaffen ganz schön viel“, appelliert er in seiner Rede an das Selbstbewusstsein der Bewohner.
Im Saarland gibt es keine „Berliner Schnauze“
Auch Saarbrückens Bürgermeisterin Barbara Meyer hob die Lebensqualität im Saarland hervor. „Wer die Berliner Schnauze kennt, weiß die Saarländer zu schätzen“, betont sie ironisch. Auch die Landeshauptstadt Saarbrücken müsse sich nicht verstecken. So sei sie auf den ersten Blick vielleicht nicht die bekannteste Stadt. Nicht zuletzt die Menschen mit ihrer Offenheit würden Sie allerdings zu einer großartigen Stadt machen „Sie werden keine Stadt finden, die von innen so strahlt“, schwärmt sie.
Auch die anschließende Podiumsdiskussion handelte primär von den Stärken des Saarlandes, die stärker nach außen getragen werden müssen. Mit Christina Weiss, Publizistin und ehemalige Kulturstaatsministerin, Peter Dausend aus der Hauptstadtredaktion der Zeitung „DIE ZEIT“, SR-Intendant Martin Grasmück, dem Journalisten und Publizisten Nils Minkmar sowie Moderator Moritz Plathe vom Zeitverlag war die Diskussion mit gleich fünf Alumni der Universität des Saarlandes bestückt. Ergänzt wurde sie zudem vom saarländischen Finanzminister, Jakob von Weizsäcker, den es erst im vergangenen Jahr für sein Amt ins Saarland zog.
Goldfische namens Heinz Becker und Ludwig Harig
Ganz unvorbereitet sei er jedoch nicht ins Saarland gekommen. So würden seine Goldfische, die im heimischen Gartenteich schwimmen, die Namen der bekannten Saarländer Heinz Becker und Ludwig Harig tragen. Auch darüber hinaus habe er sich natürlich vorbereitet. Freudig überrascht habe ihn im Saarland allerdings, dass das Gefüge im Saarland auf eine gewisse Art und Weise so wie das einer Großstadt wie Köln funktioniere. Obwohl es sich um ein Bundesland handele, seien die Wege kurz. Die kleineren Städte seien wie schöne Vororte. Gleichzeitig habe es etwas Ländliches und die ein oder anderen Orte seien landschaftlich so etwas wie „eine deutsche Toskana“.
SR-Intendant Martin Grasmück sprach über die Wichtigkeit des Saartatorts, der die Strahlkraft des Saarlandes in Deutschland erhöhe. So würden sich regelmäßig Bürgermeister größerer deutscher Städte beschweren, warum Saarbrücken einen eigenen Tatort habe. Der Saartatort, der bereits Einschaltquoten von rund 10 Millionen Zuschauer erzielen konnte, sei wichtig, um als Saarland präsent zu bleiben. Dennoch müsse man sich natürlich dem veränderten Medienkonsum anpassen, um auch jungen Zielgruppen das Saarland näher zu bringen. Daher müsse sich der Saarländische Rundfunk weiter transformieren, weshalb man zahlreiche Bereiche umstrukturiert habe. „Wir müssen dort hingehen, wo die Menschen sind“, betont er.
Christina Weiss hob die Universität und die zahlreichen Institute, die ihren Sitz im Saarland haben, als „unglaublich wichtige Arbeitgeber hervor“. So seien es die hochkarätigen Institute wie Max-Planck oder das Helmholtz-Zentrum, die Menschen aus der ganz Welt ins Saarland führen.
Nils Minkmar stellte zudem die starke Zivilgesellschaft und Dichte an Vereinen in den Vordergrund. Der Saarländische Rundfunk, die Landesregierung, kulturelle Angebote. All das sei in der Nähe und führe dazu, dass sich die Menschen nicht abgehängt fühlen. Ganz im Gegensatz zu der französischen Grenzregion, in der der „Front National“ regelmäßig starke Ergebnisse erziele.
Dausend: Mehr Europa im Saarland vorleben
Einzig Peter Dausend stellte in seinen Beiträgen regelmäßig Kritikpunkte an der Außendarstellung des Saarlandes in den Vordergrund. So brauche das Saarland eine neue Erzählung. „Ich glaube das Lyoner als Ausweis der Zukunftsfähigkeit ausgedient hat“, erklärt er. Auch der Slogan „SaarLorLux“ (steht für die Grenzregion Saarland-Lothringen-Luxemburg) werde nicht richtig gelebt. Das „Europakonzentrierte“ müsse stärker gelebt werden, als man es sage. Zudem sei das Image des Saarlandes nicht zuletzt wegen Spaßbeiträgen wie von Jan Böhmermann, der sich in seiner Sendung regelmäßig über das Saarland lustig macht, nicht das Beste.
Ein wirkliches Fazit oder Verbesserungsvorschläge, wie sich dieses verbessern ließe, blieb die Runde am Ende jedoch leider schuldig. Dabei zeigte die Diskussion doch eins: Das Saarland ist mehr als Lyoner und Saarschleife.