Homburg / Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel ICE-Verbindung ohne Halt in Saarbrücken: „Niederlage für 1,5 Millionen Menschen“

Soll nicht am Saarbrücker Hauptbahnhof (Foto), sondern in Straßburg halten: Einer der ICEs, die ab 15. Dezember nach Berlin fahr
Soll nicht am Saarbrücker Hauptbahnhof (Foto), sondern in Straßburg halten: Einer der ICEs, die ab 15. Dezember nach Berlin fahren. Das sorgt für Kritik.

Bei vielen war die Freude groß, als die Bahn am Dienstag ankündigte, eine neue ICE-Direktverbindung vom Saarland nach Berlin auf den Weg zu bringen. Der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) sowie Markus Uhl, der im Bundestag sitzt, üben scharfe Kritik. Saarlands Ministerpräsidentin Rehlinger hat sogar eine Resolution gestartet.

Ab 15. Dezember, also in knapp zweieinhalb Monaten, soll man mit der neuen ICE-Verbindung innerhalb von sechseinhalb Stunden vom Saarland nach Berlin fahren können. Und das zweimal am Tag. Eigentlich eine gute Nachricht. Für den Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt aber nicht: Die Nachricht der neuen ICE-Strecke sei mit einer „Niederlage für die 1,5 Millionen Menschen im Großraum Saarbrücken“ verbunden.

Ab 15. Dezember soll es nämlich zwei ICEs nach Berlin geben. Aber nur einer soll laut Bahn am Saarbrücker Hauptbahnhof und in Homburg halten. Der zweite ICE soll über Straßburg fahren – und nicht über die Saar-Landeshauptstadt. „Die Strecke über Saarbrücken als einzige deutsche Großstadt direkt an der Grenze wäre verkehrstechnisch, wirtschaftlich und politisch die richtige Entscheidung gewesen“, sagt Conradt.

Conradt: Verkehrsminister hat „Menschen in unserer Grenzregion im Stich gelassen“

Im vorigen Jahr hätten sich die Französische Staatsbahn und die Deutsche Bahn dazu entschieden, dass die Strecke über Saarbrücken verlaufen solle. Dieser Entschluss wurde, so mutmaßt Conradt, offenbar verworfen. Der damalige französische Verkehrsminister Clément Beaune hatte sich gegen die Streckenführung über Saarbrücken, und für den Verlauf über Straßburg ausgesprochen. Verkehrsminister Wissing habe diese Entscheidung stillschweigend hingenommen. Wissing habe „die Menschen in unserer Grenzregion im Stich gelassen“, so Conradt.

Der 47-Jährige geht noch einen Schritt weiter und sagt, die Interessen des Saarlandes würden von der Bundesregierung „bestenfalls stiefmütterlich“ behandelt. Auch von den versprochenen Hilfen nach dem Pfingsthochwasser sei im Saarland noch nichts angekommen. Conradt ruft zum Zusammenhalt auf allen Ebenen gegenüber Berlin auf. „Wir müssen lauter werden und uns wehren.“

Resolution an Kanzler Scholz

Uwe Conradt ist einer von zehn hochrangigen Politikern, die eine Resolution unterzeichnet haben, die sich für eine ICE-Strecke von Paris bis Berlin über Saarbrücken einsetzt. Auch der Saarbrücker Regionalverbandsdirektor Peter Gillo, der Trierer OB, oder der Bürgermeister von Saargemünd sind mit an Bord. Saarlands Ministerpräsidentin Rehlinger (SPD) hatte die Resolution angestoßen, die sich an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Bahn-Vorstandsvorsitzender Richard Lutz und SNCF-Präsident Jean-Pierre Farandou richtet.

Saarbrücken sei Sitz vieler deutsch-französischer Institutionen, etwa vom Deutsch-Französischen Kulturrat oder von der Stiftung für kulturelle Zusammenarbeit, heißt es in der Resolution. „Das Herz der deutsch-französischen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit schlägt zwischen Moselle und dem Saarland, und der Halt in Saarbrücken muss daher Teil der Schienendirektverbindung Paris-Berlin sein.“ Die Resolution sei laut Staatskanzlei vorige Woche übersandt worden.

Uhl: Bahn darf Region nicht abhängen

Auch dem Homburger Politiker Markus Uhl, der für die CDU im Bundestag sitzt, stößt es sauer auf, dass einer der beiden ICEs Saarbrücken umfährt. Die Saar-Regierung müsse aufpassen, dass die Bahn „nicht künftig einen Bogen um unsere Region macht und wir abgehängt werden“.

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