Einöd
Hotel Brünnler macht für immer zu: Von Stars und paranormalen Aktivitäten
Das Hotel Brünnler haben Denise und Wolfgang Brünnler Anfang April komplett geschlossen. Nach „den beiden schlechtesten Monaten seit Bestehen, nämlich Februar und März 2023“, wie Wolfgang Brünnler sagt.
Air B’n’B und günstige Ferienwohnungen als Konkurrenz, massiv höhere Energie- und Einkaufspreise, aber auch der Verzicht vieler Firmen auf Außendienst und stattdessen der Trend zu Videokonferenzen sind die Hauptgründe für die Schließung. „Sky ist gekündigt, die Receiver sind zurückgeschickt“, sagt Wolfgang Brünnler. Eine endgültige Entscheidung. Er und seine Frau wohnen im obersten Stock des Bettenhauses, mit ihnen im Haus werde es kein Hotel mehr geben.
Denise Brünnler: „Das tut schon weh“
Entweder nur, wenn sie selbst ausziehen, oder wenn das Hotel etwa für Büroräume, Kanzlei oder Praxisräume vermietet wird. „Das tut schon weh, das muss sich erst mal setzen“, beschreibt die gelernte Apothekenhelferin, die zur Vollblut-Gastronomin wurde, die Situation, alleine in einem leeren Hotel zu wohnen. Und sie erinnert sich an einen jungen Australier, der in den 70er-Jahren mit einem Rucksack voller Bierdosen ankam und im Hotel abstieg, um im Jugenddorf Schwarzenbach an einer Bierdosen-Börse teilzunehmen.
Das Hotel Brünnler war am Schluss ein Drei-Sterne-Betrieb mit sieben Zimmern. In besten Zeiten hatte man 14 Zimmer – die waren dann aber vergrößert, und die Bettenzahl verringert.
Warum ein Zimmer immer frei bleibt
Ein einziges Zimmer halten die Brünnlers noch frei für einen guten Freund, der ab und zu bei ihnen übernachtet. Rein privat. Um die Stammgäste, die sie teilweise seit mehr als 30 Jahren kamen, tut es Denise Brünnler besonders leid. Mit ihnen sind Freundschaften entstanden. „Das ist der einzige Grund, warum wir mit der Schließung so lange gewartet haben“, sagt sie.
Gegründet wurde das Hotel Brünnler in den 60er-Jahren. Und zwar in der Einöder „Schnerrgass“, wie die alteingesessenen Anwohner das erste Stück der Hauptstraße aus Richtung Ernstweiler kommend nennen. 1960 wurde mit dem Bau begonnen. 1964 eröffneten Rudolf Brünnler und seine Frau Katharina den Neubau als Hotel und Gasthof.
Als der Globus im Nebenzimmer geplant wurde
Zuvor war die Familie im damaligen Teufelsbrunnen gastronomisch aktiv, dem heutigen Hotel Saigon am Einöder Bahnhof. Im Nebenzimmer des neuen Hotel Brünnler hingen in den frühen 60er-Jahren die Pläne für den Neubau des C+C Handelshofs an den Wänden, den man heute als Globus kennt, und der in Einöd sein erstes Warenhaus baute. „Das war praktisch das Planungsbüro für den großen Neubau“, erinnert sich Wolfgang Brünnler, der damals noch ein junger Mann war.
Heute kennt man Globus in halb Europa, aber die Anfänge im Hotel Brünnler kennt kaum jemand. Auch die vielen Namen auf den Anschreib-Bierdeckeln, die Wolfgang Brünnler vor Jahren in einem großen Karton fand, kennt niemand. Damit das auch so bleibt, hat der gelernte Bankkaufmann den gesamten Karton entsorgt. Zwar hatte das Einöder Ortsarchiv Interesse an den Bierdeckeln gezeigt, doch allein aus Datenschutzgründen hat sich Wolfgang Brünnler dagegen entschieden. Er hat von frühester Jugend an das Hotel, seine Gäste und die vielen Geschichten drumherum erlebt.
Fernsehdiebe und Buffetklauer
Seine Mutter Katharina starb mit nur 55 Jahren. Sein Vater Rudolf betrieb das Hotel Garni seitdem alleine, bis er es seinem Sohn Wolfgang 1993 überschrieb. Da Wolfgang aber beruflich eingespannt war, übernahm seine Frau Denise Brünnler den Hotelbetrieb. Sie erinnert sich an Hotelgäste, die mit dem Fernseher unterm Arm das Haus verlassen wollten, oder an einen Morgen, an dem zwei Monteure das komplette Wurst- und Käsebuffet geplündert und in Tupperschüsseln verstaut hatten.
Auch die 60er und 70er-Jahre hat sie vor Augen. Damals stiegen bei ihrem Schwiegervater berühmte Musikstars ab. Etwa Casey Jones And The Governors, eine britische Beatband der 1960er-Jahre, deren Mitglied unter dem Vorgänger-Bandnamen zeitweise auch Eric Clapton war. Auch andere Bands, die bei den damaligen Einöder Heimattagen auftraten, schliefen im Hotel Brünnler. Die Einträge im Gästebuch belegen das.
Auf der Suche nach Stimmen aus dem Jenseits
Ob Billy Mo, die Jakob-Sisters oder der österreichische Schlagersänger und Schauspieler Willy Hagara: Sie alle wurden bedient von Rudolf Brünnler. Der trug nahezu immer einen Hut und selten ein anderes Oberteil als sein rotes Jacket, von dem er zehn Exemplare im Schrank hängen hatte – zum Wechseln.
Seit dem Tod seiner Frau widmete sich Rudolf Brünnler lange und ausgiebig der Tonbandstimmenforschung. Dadurch sollen Forscher mit Tonbandgeräten aufgefangene Antworten von Personen aus dem Jenseits hören und so mit Verstorbenen Kontakt aufnahmen können. „Er kam mit dem frühen Tod meiner Mutter nicht zurecht“, erklärt Wolfgang Brünnler. 1997 verstarb Rudolf Brünnler im Alter von 81 Jahren.
„Er wurde ein anderer Mensch“
Das Hotel Brünnler wurde zuvor über Jahrzehnte zum Vereinslokal. Tonbandstimmenforscher aus dem ganzen Saarland hielten im Hotel Monatsversammlungen ab, und eine Plakette am Eingang wies auf die ungewöhnlichen Aktivitäten hin. „Durch die Tonbandstimmenforschung wurde mein Vater ein anderer Mensch. Er hatte dadurch seinen Frieden mit meiner Mutter gemacht“, erinnert sich Wolfgang Brünnler, und seine Frau Denise ergänzt: „Man musste halt daran glauben und ganz genau hinhören, und Fantasie besitzen“, erinnert sie sich an das Verfahren.