St Ingbert Heimatverein ehrt mutige Lebensretter der letzten Kriegstage

Gedenktafel auf dem Stein.
Gedenktafel auf dem Stein.

Mit einem Gedenkstein im Wald erinnert der St. Ingberter Heimat- und Verkehrsverein an Jakob Dörr und Major Philipp Schwalbach. Die beiden Männer haben in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges viele Menschenleben in ihrer Stadt gerettet.

Bei schweren Gefechten im Bliesgau im Frühjahr 1945 zwischen Franzosen und Deutschen starben mehr als 500 Soldaten und zahlreiche Zivilisten. Große Teile des Bliesgaus wurden zerstört. Als die US-Truppen den Westwall durchbrachen, schlugen am 18. und 19. März 1945 zahlreiche Bomben in St. Ingbert ein – vor allem in der heutigen Gartenstraße und im Neunkircher Weg. Wie Konrad Weisgerber vom Heimat- und Verkehrsverein erzählt, jagten Einheiten der deutschen Wehrmacht auf ihrem Rückzug alle Eisenbahnbrücken der Stadt in die Luft. Nicht zerstört wurde die Eisenbahnbrücke am Hahnacker. Über diese zogen die US-Truppen am 20. März in St. Ingbert ein.

Schwalbach schickt „Volkssturm“-Buben nach Hause

Auf der Anhöhe Schafkopf ist noch heute der damalige Schützengraben gut zu erkennen. Wie die Heimatfreunde berichten, wurde dieser Schützengraben seinerzeit überwiegend mit jugendlichen Zivilisten besetzt, die als letztes Aufgebot im sogenannten „Volkssturm“ noch kurz vor Kriegsende die Wehrmachtssoldaten verstärken sollten. Konrad Weisgerber: „Major Philipp Schwalbach erkannte die Aussichtslosigkeit der Lage, sich mit diesen jungen Männern den Amerikanern in den Weg stellen zu wollen. Geschweige denn, sie aufzuhalten.“ Auf eigene Verantwortung habe der Major die Jungen kurzerhand nach Hause geschickt.

Die Welt ist klein – auch in Ohio und St. Ingbert

Weisgerber: „Gleichzeitig beschloss der gebürtige St. Ingberter Jakob Dörr, der 1927 nach Ohio ausgewandert war, mit einer weißen Fahne den Amis entgegenzugehen und so klarzustellen, dass St. Ingbert sich kampflos ergeben will.“ 1939 war Dörr in seine Heimatstadt zurückgekommen, um dort seine Frau und die Kinder abzuholen. Allerdings verhinderte der Kriegsausbruch die Rückkehr in die USA. An jenem Tag im März 1945 sprach Jakob Dörr die amerikanischen Soldaten in deren Muttersprache an und zeigte ihnen seinen US-Pass. Konrad Weisgerber: „Bei diesem Gespräch ergab sich dann ein weiterer unglaublicher Zufall, als Jakob Dörr erzählte, wo er in Ohio gearbeitet hat. Es stellte sich dann tatsächlich heraus, dass der Chef von Dörr in den USA der Onkel des amerikanischen Kommandanten war.“

Um die Erinnerung an die Besonnenheit des Majors Philipp Schwalbach und an Jakob Dörrs Zivilcourage wachzuhalten, hat der Heimat- und Verkehrsverein den Gedenkstein mit Infotafel auf Schafkopf der Stadt St. Ingbert geschenkt. Eine Feierstunde zur offiziellen Übergabe soll im nächsten Jahr folgen, wenn die Corona-Lage sich entspannt hat.

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