Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Halbjähriger Leerstand im Calypso ist zu Ende

Das Innere des Saarbrücker Spaßbades wurde bislang nur behutsam verändert.
Das Innere des Saarbrücker Spaßbades wurde bislang nur behutsam verändert.

Nach Insolvenz, Betreiberwechsel und Corona-Zwangsschließung seit dem 16. März öffnet das Saarbrücker Spaßbad Calypso am Freitag, 2. Oktober, wieder seine Türen für Bade- und Saunagäste. Die Optik ist neu, die Eintrittspreise höher.

Nach dem Aus für die frühere Betreiberfirma Vivamar hatte sich der Insolvenzverwalter im Sommer auf die Suche nach einem neuen Pächter des Freizeitbades in der Nähe des alten Saarbrücker Messegeländes begeben. Fündig wurde er bei Andreas Schauer aus Überlingen am Bodensee: Dessen Unternehmensgruppe betreibt mit Erfolg bereits die Wellness-Einrichtung Saarland-Therme in Rilchingen-Hanweiler.

Ende Juli trug die Stadt Saarbrücken, der das Calypso-Anwesen gehört, die Schauer & Co. GmbH als neuen Pächter in den Vertrag ein. Dessen Konditionen wurden unverändert übernommen: Das gilt auch für die kommunalen Zuschüsse zum Schul- und Vereinsschwimmen in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro pro Jahr. Denn von Anfang an ist ein wettkampffähiges Sport-Schwimmbecken mit sechs 25-Meter-Bahnen Teil des Gesamtkonzepts.

Sanierung für 700 000 Euro

„Die Wochen, in denen das Bad geschlossen und die Becken leer waren, haben wir für Sanierungen für gut eine halbe Million Euro genutzt“, sagte Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) am Donnerstag, 1. Oktober. Der neue Betreiber legte noch 200 000 Euro obendrauf, um „ein Auto, das schon lange nicht mehr in der Werkstatt war“, technisch auf Stand zu bringen, wie Andreas Schauer sich ausdrückte. Saniert wurden der Rutschenturm und ein Schwimmbecken sowie der Duschtrakt in der Sauna. Böden wurden neu gefliest. Hinzu kamen zwei großflächige Graffiti-Wandbilder mit Dschungel- und Palmenmotiven sowie exotischen Vögeln. „Der Name Calypso legt ja nahe, dass wir das optische Erscheinungsbild des Bades durch karibisches Flair aufwerten“, sagte Schauer und erinnerte an die Saarland-Therme, deren Look sich hingegen am maurisch-morgenländischen Stil orientiert.

Alle 100 Calypso-Mitarbeiter wurden übernommen. Allerdings wollte Andreas Schauer nicht ausschließen, dass die Anzahl an Beschäftigten noch verringert werden könnte, um den Betrieb wirtschaftlicher zu machen. „Viel Geld hatte das Calypso ja nie abgeworfen“, gab der Geschäftsführer zu bedenken: „Und jetzt, unter Corona-Bedingungen, müssen wir erst recht schauen, wie wir die Kosten mindern und die Einnahmen steigern können.“

Parken kostet künftig Geld

Letzteres soll unter anderem dadurch erreicht werden, indem für die bislang kostenlosen Parkplätze vor der Schwimmbadtür bald eine Tagespauschalgebühr von 2,50 Euro verlangt wird. Außerdem sind die Eintrittspreise in Bad und Sauna gestiegen. Andererseits wird immerhin auf die Sondergebühren verzichtet, die die früheren Betreiber für die Hochgeschwindigkeits-Freifallrutsche namens „Adrena-Loop“ erhoben hatten.

„Wir sind uns sicher, dass das Calypso künftig wirtschaftlich rentabel geführt werden kann“, bekräftigte der Geschäftsführer. Dabei sei ihm auch ob der Corona-Beschränkungen nicht bange. Doch weil derzeit nur 600 bis 700 Gäste gleichzeitig im Spaßbad Zutritt haben, dürften die früheren Besucherzahlen von jährlich etwa 400 000 Calypso-Gästen heuer unerreichbar bleiben.

Hygiene und Virenschutz seien gewährleistet. Schauer beklagte, „dass Schwimmbäder bei den Vorschriften wie Bordelle behandelt“ würden. „Dabei sind wir seit eh und je Spezialisten für Hygiene. Unser Bad wird mehrmals am Tag desinfiziert – nicht erst seit Corona. Das Lüftungssystem sorgt stündlich für vier- bis achtfachen Luftwechsel. Jedem Gast stehen mindestens 50 Kubikmeter Luft im Raum zur Verfügung – in Restaurants sind das nur fünf bis acht.“ Von den Spinden – 1200 im Schwimmbad und 400 in der Sauna – bleibe jetzt „mindestens jeder zweite unbesetzt“.

Als Statthalter vor Ort hat Firmenchef Schauer den Betriebswirt Michael Atassi im Saarland installiert. Der 39-Jährige kann auf die erfolgreiche Sanierung zweier Hotels am Bodensee verweisen. Bei seiner Aufgabe, das Calypso umzustrukturieren und in die Gewinnzone zu steuern, sollen Atassi seine sechsjährigen Erfahrungen als Geschäftsführer im Acquabasilea zupass kommen: laut Schauer der „größten Wasserwelt in der Schweiz“. Auf Nachfrage bezifferte Atassi den Preis für ein Zwei-Stunden-Badeticket für Erwachsene auf 13,50 Euro, für Kinder auf 5,50 Euro. Tageskarten kosten 21,50 beziehungsweise 12,50 Euro. In der Sauna sei eine Zweistunden-Karte für 23 Euro zu haben und das Tagesticket für 31,50 Euro.

Piratenschiff ist umgezogen

Was man im – derzeit noch behutsam – umgebauten Calypso jetzt nicht mehr findet, ist das markante Piraten-Kinderspielschiff: Es hat einen neuen Standort auf einem Spielplatz in Neunkirchen gefunden.

Neu ist eine Attraktion namens „Callys Kinderland“ mit parallel verlaufenden Wellenrutschen, Wasserspritzkanone und einem großen Eimer, aus dem sich ein mächtiger Schwall kühlen Nasses auf kleine Badegäste ergießt. Für die etwas Größeren wurde im Haus ein „Calypso-Abenteuerland“ eingerichtet.

Nicht karibisch, sondern skandinavisch geprägt ist die Optik im zugehörigen Sauna-Trakt. Dessen Kern ist ein hallenartiger Saal, in dem mehrere Blockhaus-Hütten mit Einzelsaunen gruppiert wurden. Hinzu kommt eine „Stollensauna“, deren rustikale Gestaltung an alte saarländische Bergwerks-Traditionen gemahnen soll.

Andreas Schauer
Andreas Schauer
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