Göttelborn
Großeinsatz bei der Saar-Polizeischule: Keine Übung

Polizeibeamte riegelten das Gelände des Campus Göttelborn ab, das die saarländische Fachhochschule für Verwaltung beherbergt. Das Sondereinsatzkommando (SEK) war im Einsatz, Streifenwagen riegelten alle Zufahrten ab. Selbst auf Fußwegen standen Polizisten; die nahen Bahngleise wurden bewacht. Zivilfahrzeuge durchstreiften die umliegenden Straßen.
Vor Ort wollen Anwohner einige rasch aufeinanderfolgende Schüsse gehört haben. Diese Information wird von Polizeisprecher Georg Himbert dementiert: „Entgegen anderslautender Berichte in den sozialen Medien kam es zu keinerlei Schussabgabe.“
Bestätigt wird hingegen ein Einsatz im Bereich der Hochschule. Dort befindet sich auch die Ausbildungsstätte der saarländischen Landespolizei. Weil hier das Sondereinsatzkommando trainiert, waren die SEK-Beamten am Montagabend mit dem Gelände bestens vertraut.
Einsatztrainer bei der Polizeihochschule
Gegenüber der RHEINPFALZ schilderte Georg Himbert am Dienstag, 16. Juni, den Ablauf des spektakulären Einsatzes, der weithin Aufsehen erregt hatte. Demnach habe ein Polizeibeamter, der als Einsatztrainer bei der Göttelborner Polizeihochschule tätig ist, am Montag gegen 17 Uhr in Spiesen-Elversberg einen Autounfall gehabt. Daraufhin habe der Mann seine Kollegen angerufen und mitgeteilt, dass es ihm gesundheitlich nicht gut gehe. „Weil der Telefonkontakt abrupt abgerissen ist und wir den Beamten nicht ausfindig machen konnten, lösten wir einen größeren Sucheinsatz aus“, berichtet Polizeisprecher Himbert. Am Ende habe man das Auto auf dem Göttelborner Gelände vorgefunden; der Polizist wurde in den Räumen der Fachhochschule ausfindig gemacht. Weil der Gesuchte auch Schießausbilder sei, habe der Mann Zugang zu Waffen. „Deshalb haben wir die Spezialkräfte zum Einsatz mit hinzugenommen“, erläutert Himbert. Der Polizeisprecher betont jedoch, dass sich keine Hinweise darauf ergeben hätten, dass der Beamte sich womöglich verschanzt habe. Allerdings habe sich der Mann „in einem psychischen Ausnahmezustand befunden“; am Ende sei er den Anweisungen seiner Kollegen gefolgt und habe sich in Behandlung bringen lassen.
Nachbarn filmen von ihren Balkonen aus mit
Am Montagabend, vor Ort in Göttelborn, hatte das polizeiliche Führungs- und Lagezentrum betont, dass es sich bei dem Einsatz nicht um eine Übung handele. Journalisten wurden „zur eigenen Sicherheit“ dringend gebeten, sich keinen Zugang über Schleichwege zu verschaffen. Im Verlauf des Abends kamen immer mehr Polizeieinheiten am Café „Kantine Flöz“ zusammen, wo ein Sammelplatz eingerichtet wurde. Ein Rettungs- und ein Notarztwagen standen bereit, auch die Einsatzleitung Rettungsdienst wurde alarmiert. Dies gilt als üblich bei sogenannten Sonderlagen, wenn ein längerer Polizeieinsatz zu erwarten ist, bei dem es Verletzte geben könnte. Den eigentliche Einsatzbereich hatten die Beamten jedoch derart weiträumig abgeriegelt, dass er von außen nicht einsehbar war. Anwohner filmten die Polizeifahrzeuge von Balkonen aus.
Als der Einsatz gegen Mitternacht zu Ende ging, verließen SEK-Beamte die Polizeischule und führten den Mann zu einem Rettungswagen, der ihn in eine Klinik brachte.
Parallel zum Einsatz in Göttelborn soll das SEK am Montag auch ein Privatanwesen in einem Neunkircher Stadtteil durchsucht haben.