Homburg / Saarbrücken
Grünen-Kreisvorsitzende tritt aus Protest zurück
Ralph Rouget sitzt im Homburger Stadtrat und ist Fraktionschef im Saarpfalz-Kreistag. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Meyer-Gluche am Donnerstag, 17. Juni, erklärte er, man trete als „Team“ für „einen Neustart bei den Saar-Grünen“ ein. „Wir wollen neuen Teamspirit in die Partei tragen, Geschlossenheit als Ziel definieren.“
„Die Homburger Grünen unterstützen Ralph Rougets Kandidatur“, sekundieren Stadtrats-Fraktionskollege Frank Kirchhoff und der neue Homburger Parteivorstand Andreas Ragoschke-Schumm. Und die St. Ingberter Grünen finden vor dem Parteitag Lob für Rougets „hohe Sachkompetenz und Organisationstalent“.
„Mit mir war das nicht abgesprochen“
Alles im grünen Bereich? Mitnichten. Jetzt erklärte die Homburger Kommunalpolitikerin Yvette Stoppiera-Wiebelt ihren Rücktritt vom Vorsitz des Grünen-Kreisverbandes Saarpfalz. „Es stimmt nicht, dass die Saarpfalz-Grünen geschlossen für Ralph Rougets Kandidatur eintreten“, sagt sie zur RHEINPFALZ: „Mit mir war das jedenfalls nicht abgesprochen.“
Schwer trägt die Ökopartei im Saarland am Erbe ihres umstrittenen Ex-Vorsitzenden Hubert Ulrich aus Saarlouis. Dieser scheint noch immer viele Strippen hinter den Kulissen zu ziehen. Die beiden Kreisverbände Saarlouis und Saarbrücken – letzterer um Barbara Meyer-Gluche – sind die mitgliederstärksten im Saarland. Am Votum von deren Delegierten führt beim Landesparteitag in der Saarlandhalle kein Weg vorbei. Dem Ulrich-Lager zugehörig wollen sich Rouget und Meyer-Gluche aber nicht sehen: Man sei ganz unabhängig.
Droht der Landespartei die Spaltung?
Yvette Stoppiera-Wiebelt begründet ihren Rückzug vom Kreisvorsitz mit der „drohenden Spaltung der Saar-Grünen“ und der Unterstützung von Rougets Kandidatur, in die sie „nicht eingebunden“ worden sei. Die Homburgerin kritisiert, „dass der von Markus Tressel und Tina Schöpfer erfolgreich eingeschlagene Kurs des integrativen und alle mitnehmenden Politikstils wieder zunehmend von Klüngelrunden und Ausgrenzungen ersetzt wird“. Eine Gruppe um Hubert Ulrich mache jetzt einen „altmodischen Politikstil wieder hoffähig“.
„Männliche Klüngelrunden“
Ihre Mandate im Stadtrat und im Kreistag will Stoppiera-Wiebelt aber behalten, ebenso ihr Ehrenamt als Homburger Umweltbeigeordnete. Am Donnerstag sprach sie vom „Eindruck, dass Personalentscheidungen lieber in kreisübergreifenden vorwiegend männlichen Klüngelrunden getroffen werden“. Habe man damit „kritische Fragen verhindern“ wollen – „etwa danach, warum ein jahrzehntelanges SPD-Mitglied, das noch nicht lange bei den Grünen ist, diese Mitgliedschaft in seiner Bewerbung fürs wichtigste Amt der saarländischen Grünen explizit nicht erwähnt“?
„Yvette Stoppiera-Wiebelt und ich sitzen zusammen im Stadtrat und im Kreistag“, sagt Ralph Rouget zur RHEINPFALZ: „Ich möchte mich dazu nicht negativ äußern. Obskure Männerrunden gibt es nicht. Ich halte das für Polemik. Mich hat übrigens nicht der Kreisverband nominiert, sondern der Ortsverband Homburg.“ Rouget sagt, er meine, „dass Yvette sich schon seit Monaten immer mehr aus der Fraktionsarbeit zurückzieht.“
Die Beigeordnete bestätigt dies durchaus: „Das ist ja meine Entscheidung. Das hängt natürlich mit der jüngsten Entwicklung zusammen.“
Schöpfer will in den Bundestag
Sollten Rouget und Meyer-Gluche am Sonntag als Doppelspitze gewählt werden, müsste die bisherige Co-Vorsitzende Tina Schöpfer das Feld räumen. Beim Parteitag bewirbt sich die Neunkircherin nun für den Spitzenplatz der Saar-Grünen auf der Kandidatenliste für die Bundestagswahl.