Homburg
Gefahr an Großbaustelle der A 6 wohl nicht zu bannen
An der Baustelle für eine leistungsfähigere Auf- und Abfahrt an der Anschlussstelle Homburg häufen sich derzeit die schweren Unfälle. Zuletzt gab es dort zwei folgenschwere Ereignisse innerhalb von nur fünf Tagen. „Das tragische Unfallereignis erfüllt auch uns mit Trauer“, bekannte am Mittwoch auf Anfrage Klaus Kosok, der Neunkircher Sprecher der neu geschaffenen Autobahn GmbH. Diese hat am 1. Januar ihren Dienst angetreten. Im Saarland hat sie vom Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) die Zuständigkeit für die Autobahnen übernommen.
Ab Samstag wieder zweispurig gen Westen
Momentan steht dem Verkehr im Homburger Baustellenbereich in Fahrtrichtung Saarbrücken nur eine einzige Fahrspur zur Verfügung. Dies hatte man nach Klaus Kosoks Angaben neulich für „dringende Fahrbahninstandsetzungsarbeiten“ so einrichten müssen. „Witterungsbedingt war es anschließend nicht möglich, die Markierung für die vorher bestehende zweistreifige Verkehrsführung aufzubringen.“ Dank günstiger Wetteraussichten könne man am Samstag, 20. Februar, den „ursprünglichen Zustand mit zwei Fahrstreifen in Richtung Saarbrücken wieder herstellen“. Dies werde sich „positiv auf die Rückstau-Situation auswirken“, hofft Kosok.
Auf die Unfälle an der Baustelle angesprochen, betonte Kosok am Aschermittwoch nach der Inspektion des Schauplatzes: „Die Verkehrssicherung entspricht auch im aktuellen Zustand voll den rechtlichen Vorgaben.“ Die Baustelle liege „auf kerzengerader Strecke ohne wesentliche Steigung oder Gefälle“ und sei „auch nicht nur mithilfe von Vorankündigungstafeln aus der Ferne deutlich erkennbar.“ Schon weit vorher, in Höhe Reiskirchen, setze ein Lärmschutz-Limit auf Tempo 100 ein. Anschließend werde die Geschwindigkeitsbegrenzung „in den Regelabständen vor dem Baufeld zunächst auf 80, dann auf 60 Stundenkilometer reduziert“.
Warnblinker als freiwillige Maßnahme
Obwohl es so nicht vorgeschrieben sei, werde man wohl bis zur zweispurigen Öffnung am Samstag Warnblinker aufstellen, die auf Staugefahr hinweisen. Normalerweise kämen solche Signale „nur in Ausnahmefällen an unübersichtlichen Stellen zum Einsatz“. Aber auch eine Baustellensicherung, die die Mindestanforderungen weit übertreffe, könne „Unfälle nicht verhindern, die aus technischen Problemen von Fahrzeugen, gesundheitlichen Problemen von Fahrzeugführern oder gar aus unvorsichtiger Fahrweise von Verkehrsteilnehmern resultieren“, sagt Klaus Kosok.
Ob der Ausbau der Anschlussstelle Homburg von zwei auf künftig drei Auf- und Abfahrtsschleifen wie geplant zum 31. Dezember 2021 abgeschlossen werden kann, sei derzeit übrigens noch nicht ganz sicher. Ob der Termin gehalten werden kann, hänge maßgeblich davon ab, wie lange der derzeitige Winter anhält und wie früh der nächste einsetzt.
Polizei sagt: Rückstaus sind häufiges Problem
Auf die Unfallgefahr an der Baustelle angesprochen, sah am Mittwoch die Sprecherin der Polizeiinspektion Homburg, Hussong, ein typisches Problem, wie es überall vorkomme: „Autobahnbaustellen sind natürlich Engstellen, an denen sich dann häufig Rückstaus bilden.“ Dort das Tempolimit noch weiter herabzusetzen, helfe nicht unbedingt: „Ein Rückstau kann ja auch zehn Kilometer lang und länger sein. Sein Ende liegt dann in einem Bereich, der mit der Geschwindigkeitsbegrenzung an der Baustelle gar nichts mehr zu tun hat.“
Autobahn zehn Stunden lang voll gesperrt
Bei dem Unfall in der Baustelle am Dienstag, 16. Februar, sind eine 42-jährige Frau und ein 56 Jahre alter Mann, beides Saarländer, ums Leben gekommen. Sie hatten am Steuer der beiden Kleinlaster gesessen, die vom Lastzug eines 30-jährigen ungarischen Fahrers von hinten gerammt und gegen einen weiteren Lastwagen geschoben und zerquetscht wurden. Der Ungar wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Nach Hussongs Worten hatte sich dieser Unfall gegen 16 Uhr ereignet; die A 6 in Richtung Neunkircher Kreuz blieb ab Waldmohr bis kurz vor 2 Uhr am frühen Mittwochmorgen voll gesperrt.
Strafverfahren für filmenden Gaffer
Vorigen Freitag, 12. Februar, hatte ein Lkw-Unfall an gleicher Stelle in Fahrtrichtung Saarbrücken einen stundenlangen Stau bis zurück nach Bruchmühlbach ausgelöst. Kurz vor 8 Uhr morgens war am Ende eines Rückstaus ein Lastzug mit zwei ukrainischen Insassen auf den gerade bremsenden Laster eines 44-jährigen Fahrers aus Deutschland aufgeprallt. Alle drei Beteiligten wurden schwer verletzt; aus dem aufgerissenen Kraftstofftank des ukrainischen Lastzuges liefen große Mengen Dieselöl ins Erdreich aus - mitten im Grundwasser-Schutzgebiet. Weil der ölverseuchte Boden abgetragen werden musste, blieb die A 6 in Fahrtrichtung Saarbrücken für Stunden gesperrt. Die Autobahn wurde erst nach 19 Uhr wieder vollständig freigegeben.
Die Polizei hat gegen den ukrainischen Fernfahrer ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet. Außerdem wurde ein 54-jähriger Verkehrsteilnehmer erwischt, der im Vorbeifahren den Unfall fotografiert hatte. Ihn erwartet laut Polizei ein Strafverfahren.