Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Eternio: Digitaler Gedenk-Friedhof im Internet

Henrik Bergmann (links) und Philip Pelgen haben ein Startup für das digitale Trauern im Internet gegründet.
Henrik Bergmann (links) und Philip Pelgen haben ein Startup für das digitale Trauern im Internet gegründet.

Gehen alle Erinnerungen, die ein Mensch in seinem Leben gesammelt hat, nach dem Tod verloren? Philip Pelgen, Henrik Bergmann und Max Jacob sagen Nein. Ihr Startup Eternio bietet im Internet Trauer samt Gedenkseite für den Verstorbenen an.

Die Internetseite Eternio mutet wie ein Social-Media-Profil an. Oben in der Mitte prangt ein Profilbild, darunter stehen Bilder und Texte. Aber es gibt einen gewaltigen Unterschied: Die Profile bei Eternio gehören Verstorbenen. Angelegt werden sie von Angehörigen. Texte und Bilder können von Freunden und Bekannten eingestellt werden. Einige Kunden sehen das Portal laut Philip Pelgen, eines der Eternio-Chefs, als eine Art Ergänzung zur klassischen Traueranzeige.

Der 26-jährige Pelgen hat zusammen mit dem gleichaltrigen Henrik Bergmann und Max Jacob (24) im Mai die Firma Eternio beim Notar eingetragen. Dann wandten sie sich ans Starterzentrum der Saarbrücker Universität. Das hat der jungen Internet-Firma ein Büro auf dem Campus zur Verfügung gestellt und geholfen, den Förderantrag beim Bund zu stellen.

Erinnerungen für die Zukunft bewahren

Bevor Pelgen Eternio gegründet hat, arbeitete er in der Marketing-Abteilung eines Krematoriums. „Dort kam ich auch auf die Idee“, erzählt er. Wie kam's? Der Vater seines ehemaligen Chefs war in sowjetischer Kriegsgefangenschaft, Pelgens Chef wollte ihn darüber immer schon mal ausfragen. „Er hat sich damals vorgenommen, ihn am Wochenende endlich zu fragen, aber dann ist der Vater kurz davor verstorben“, erinnert sich Pelgen. Die Erinnerungen des Mannes an seine Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion waren damit verloren. „Und genau das wollen wir künftig verhindern“, fügt Pelgen hinzu.

Die Eternio-Jungs haben sich über die Musik kennengelernt. Alle drei haben neben ihrem Studium Konzerte veranstaltet. Als Pelgen dann die Idee zum Internet-Startup hatte, schrieb er in den sozialen Medien einen Aufruf für mögliche Mitgründer. Henrik Bergmann war direkt dabei. „Ich war schon immer sehr gründungsaffin und wollte selbstständig sein. Dass das aber so eine Firma ist wie jetzt, hätte ich damals nicht gedacht“, erzählt Bergmann.

Saarlandweite Pilotphase

Die neue Internetseite steht erst seit wenigen Wochen im Internet. „Derzeit läuft noch eine saarlandweite Pilotphase“ sagt Pelgen. „Auf unserer Plattform sind alle – derzeit noch saarländischen – Trauerfälle zu finden, die die Angehörigen selbst veröffentlicht haben. Dadurch haben wir seit Veröffentlichung unserer Plattform vor einem Monat rund 800 Einträge bekommen“, sagt Pelgen.

Allerdings, so Pelgen, haben die Jungs schon mit örtlichen Bestattern gesprochen. Manche von ihnen seien bereits Partner von Eternio. Pläne für die Zukunft haben Pelgen und Bergmann ebenfalls: „Wir wollen, dass auf unserer Seite auch Ansprechpartner zu finden sind“, sagt Pelgen. Sprich Seelsorger, Trauer-Experten oder auch Leute, die bereits ähnliche Trauer-Erlebnisse verarbeitet haben. Gerade bei schwierigen Fällen, etwa Suizid oder dem Tod von Kindern, ist das besonders wichtig. „Wir werden auch bald noch mit einem Pfarrer reden“, fügt Philip Pelgen hinzu.

Den 26-jährigen Gründer freut vor allem, dass das Internet-Unternehmen bisher nur positive Resonanz bekommen habe. „Das motiviert uns einfach, weiterzumachen.“

Preise variieren je nach Aufwand

Die Preise für eine Gedenkseite variieren zwischen null und 280 Euro - je nachdem, welches Angebot die Gedenkseite umfassen soll. Die kostenlose Version bietet die Basisfunktionen von Eternio und ist ungefähr wie eine Traueranzeige aufgebaut. Für 50 Euro im Jahr kann jeder seine Geschichten sowie Bilder in die Gedenkseite hineinschreiben. Wird die Seite nach einem Jahr nicht verlängert, bleibt sie zwar bestehen, kann laut Pelgen aber nicht mehr abgeändert werden. Bei der teuersten Version für 280 Euro ist das anders: Da kann die Seite immer wieder geändert werden. „Wichtig ist für uns, dass die Seiten nie verschwinden“, meint Pelgen. Das sei die Firmenphilosophie. Daher auch der Firmenname Eternio. Der ist angelehnt an das englische Wort eternity, zu deutsch: Ewigkeit.

Die Internetseite

www.eternio.de

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