Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Entscheidung ums Amt des Baudezernenten vorerst ausgesetzt

Auf der Saarbrücker Baustelle Ludwigspark-Stadion wird inzwischen Ligafußball gespielt.
Auf der Saarbrücker Baustelle Ludwigspark-Stadion wird inzwischen Ligafußball gespielt.

Der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) hat diefür Donnerstag, 5. November, geplante Baudezernenten-Neuwahl abgeblasen. Das vakante Amt übernimmt er vorerst selbst.

„Uwe Conradt ist zur Vernunft gekommen. Er ist unserem Vorschlag gefolgt, hat seinen Kandidaten zurückgezogen und die Wahl verschoben“, erklärt Mirco Bertucci, Vorsitzender der oppositionellen Saarbrücker SPD-Stadtratsfraktion. Dies hatten zuletzt auch Conradts Koalitionspartner FDP und die Architektenkammer des Saarlandes verlangt. Am Dienstag, 3. November, hat der OB mit seinem Wunschkandidaten Martin Welker dessen Rückzug von der Bewerbung vereinbart. Welker ist Geschäftsführer der städtischen Baugesellschaft Giu. Seit einigen Wochen leitet er auf Conradts Geheiß die Bauarbeiten im Ludwigspark-Stadion, die sich von anfangs geschätzten 16 Millionen auf fast 50 Millionen Euro verteuert haben.

Rechtsstreit ums Stadion

Rund um die Stadionbaustelle ist ein Rechtsstreit zwischen Welker und der St. Ingberter Baufirma Peter Gross entbrannt. Unter anderem stehen Vorwürfe mangelhaft erbrachter Bauleistungen einerseits sowie der Verleumdung und üblen Nachrede andererseits im Raum. Welker selbst begründet seinen als „vorläufig“ bezeichneten Kandidaturverzicht unter anderem mit einer „Schmutzkampagne“ gegen seine Person. Zudem ermittle jetzt die Staatsanwaltschaft wegen vermeintlicher betrügerischer Unregelmäßigkeiten auf der Baustelle. Welker: „Wir stehen am Anfang eines Prozesses, auf den ich mich im Moment voll konzentrieren muss. Das lässt sich derzeit nicht mit dem Amt des Baudezernenten vereinbaren, das ebenfalls vollen Einsatz erfordert.“ Er wolle „weiteren Schaden von der Stadt abhalten“, sagt Welker und richtet sich auf weitere juristische Auseinandersetzungen ein.

Die Frage, wann die Wahl eines neuen Baudezernenten nachgeholt wird, vermag Uwe Conradt derzeit nicht zu beantworten. Der OB erklärte, er werde das Dezernat einstweilen persönlich leiten.

Dezernent wird zehn Jahre lang amtieren

Mit Blick auf die Wahl des künftigen Ressortchefs fordert SPD-Ratsfraktionschef Mirco Bertucci nun, „dass der Verschiebung ein ordentlichen Bewerbungs- und Auswahlverfahren folgt, das dem Posten des Baudezernenten gerecht wird. Die Stelle ist von überragender Bedeutung für die Entwicklung der Stadt. Die Besetzung gilt für die nächsten zehn Jahre. Dies darf nicht im Hauruck-Verfahren durchgeführt werden.“

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