Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Elastokalorik: Saarländer wollen die Welt runterkühlen

Die heiligen Hallen der Technik: Die weltweit erste Elastokalorik-Konferenz fand am ZeMA in Saarbrücken statt.
Die heiligen Hallen der Technik: Die weltweit erste Elastokalorik-Konferenz fand am ZeMA in Saarbrücken statt.

Kühlung frisst viel Energie. Mit einer neuen Technologie soll das effizienter gehen. Dazu gab es in Saarbrücken die weltweit erste Konferenz. Warum jeder davon profitieren kann.

Die Konferenz stand unter dem Titel „Elastokalorik“. Das ist das Phänomen, das es möglich macht, umweltfreundlicher und effizienter zu kühlen. Viele internationale Besucher fanden Anfang vergangener Woche den Weg zu dieser weltweit ersten Konferenz in Saarbrücken. Am Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (ZeMA) konnten sich die Besucher über die Technologien und in Fachvorträgen informieren.

Eine Konferenz unter dem Titel „Elastokalorik“ hört sich im ersten Moment zugegebenermaßen nicht gerade nach einer guten Titelwahl an. Er klingt einfach zu kompliziert für den Laien. Dabei verbirgt sich dahinter eine gigantische Zukunftstechnologie, in der das Saarland mit dem ZeMA zu den weltweit führenden Regionen zählt. Das wird durch die Konferenz deutlich.

Technologie von EU-Kommission und US-Department gelobt

Doch was bedeutet der Begriff Elastokalorik überhaupt? Laut ZeMA handelt es sich um ein Phänomen, das in der Lage ist, große Veränderungen in der Kühltechnologie herbeizuführen. Auf der Website des Zentrums heißt es dazu: „Zieht man einen Draht aus Nickel-Titan in die Länge und entspannt ihn danach wieder, wird er heiß und wieder kühl. Damit kann man zukünftig um ein Vielfaches energieeffizienter und vor allem klimafreundlicher kühlen.“ Deshalb sei dieses Verfahren auch von der EU-Kommission und dem US Department of Energy zur zukunftsträchtigsten Alternative im Vergleich bisherigen Verfahren deklariert worden, berichtet das ZeMA. Das Verfahren ist damit deutlich nachhaltiger als heutige Verfahren und verzichtet dabei auf klimaschädliche Kältemittel.

Durch das Forschungsteam der Professoren Stefan Seelecke und Paul Motzki an der Universität des Saarlandes und am Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (ZeMA) ist es dem Saarland gelungen, ein absoluter Hotspot in dem Bereich zu werden.

Durch die Technologie sollen Arbeitsplätze geschaffen werden

Der Verbund „Depart!Saar“, der von mehreren renommierten Professoren aus dem Bereich geleitet wird, hat sich zum Ziel gesetzt, die neue Technologie wesentlich schneller als üblich zur technischen Umsetzung zu bringen. Damit möchte der Verbund in der Region auch Arbeitsplätze schaffen. Konkret soll das auch durch die Zusammenarbeit von Wissenschaftseinrichtungen und Industriepartnern geschehen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit über 17 Millionen Euro gefördert. Die Förderung für die erste bewilligte Phase beträgt 5,3 Millionen Euro.

„Wir wollen das Innovationspotenzial der Elastokalorik in verschiedenste Anwendungsgebiete tragen. Etwa in die Industriekühlung, auch in die E-Mobilität zur Kühlung in Elektrofahrzeugen oder den Haushaltsgerätesektor. Hierfür ist es wichtig, dass wir uns mit Arbeitsgruppen in aller Welt vernetzen. Daher veranstalten wir eine Konferenz, bei der wir alle Akteure zusammenbringen“, erläutert Professor Paul Motzki, der mit seinem Lehrstuhl als Brückenprofessor zwischen der Universität des Saarlandes und dem ZeMA fungiert.

Start mit Experten aus aller Welt

Am 27. und 28. Juni haben Experten für smarte Materialsysteme deshalb nun internationale Forscher bei der ersten Konferenz dieser Art im ZeMA am Eschberger Weg in Saarbrücken zusammengebracht. In der großen Halle konnten sich die aus der ganzen Welt angereisten Forschungsteams an zahlreichen Ständen sowie in Vorträgen und Diskussionen austauschen. Den ersten Vortrag am Eröffnungstag übernahm dabei der renommierte Professor Ichiro Takeuchi von der Uni Maryland in den USA, der extra zur Konferenz anreiste. Neben Vertretern aus der Wissenschaft gehörten darüber hinaus auch zahlreiche Vertreter internationaler Unternehmen zu den rund 100 Teilnehmern der Konferenz. Ganz nach dem erklärten Ziel, die Forschung und Industrie zu verbinden. Wenn Experten aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten, kann vielleicht bald jeder von der neuen Technologie profitieren.

x