Blieskastel-Webenheim
Einzigartiges Projekt im Saarpfalz-Kreis: Babys im Gewerbegebiet zur Welt bringen
Seit Kurzem können schwangere Frauen außerhalb der eher seltenen Hausgeburten in Blieskastel ihre Kinder auf die Welt bringen. Denn die drei Hebammen Heidi Kuntz aus Zweibrücken, Ute Demangeat aus Frankreich, und Joana Franz aus Harsberg (Südwestpfalz) betreiben im Gewerbegebiet Auf Scharlen in Blieskastel-Webenheim seit Februar ihr Geburtshaus Biosphäre. Geburtshäuser sind Einrichtungen der ambulanten Geburtshilfe, die von Hebammen geleitet werden. Am 3. April kam das erste „Biosphären-Baby“ dort zur Welt, und in dessen Geburtsurkunde steht: „Geboren in Blieskastel“.
Dabei war der ursprüngliche Plan der treibenden Kraft Heidi Kuntz eigentlich, diese Dienstleistung in Zweibrücken anzubieten. Denn seit der Schließung des Evangelischen Krankenhauses am Himmelsberg im Herbst 2016 und damit der dortigen Geburtshilfestation, ist auch das Prädikat „geboren in Zweibrücken“ nur noch bei den wenigen Hausgeburten beurkundet. Aber Zweibrücken erlaubte die Nutzung des vormals als privates Wohnhaus genutzten Gebäudes am Ölkorb nicht – laut Heidi Kuntz wegen der dortigen Parkplatz- und Verkehrssituation und weil es sich um ein reines Wohngebiet handelt.
Aus der Traum vom Geburtshaus in Zweibrücken
Seit 2013 ist Heidi Kuntz mit ihrem Unternehmen „Family in form“ in Webenheim und betreut dort vor der Geburt Schwangere und in der Nachsorge auch ehemals schwangere Frauen. Nachdem sie ihren Traum vom Geburtshaus in Zweibrücken aufgeben musste, zog sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern in einen Neubau direkt hinter ihre Geschäftsräume.
In den Räumen von „Family in form“ hat sie im Erdgeschoss „Räumlichkeiten mit medizinischen Standards“ eingerichtet, wie sie selbst sagt, und schließlich am 5. Februar offiziell ihr Geburtshaus eröffnet. In einer Art privatem Kreißsaal im Geburtshaus Biosphäre, deren Geschäftsführer ihr Mann ist, kam am 3. April bereits das erste Biosphären-Baby zur Welt: der kleine Jonathan aus Walsheim.
Fünfstelliger Betrag investiert
Damit das funktioniert, musste Heidi Kuntz aber erst einmal investieren, und zwar eine niedrige fünfstellige Summe, wie sie sagt. Dafür gibt es dann ein Notfall-Management, ein CTG-Gerät, eine Wärmelampe, Sauerstoffflaschen und ein Puls-Oximeter – genauso, wie es auf der Geburtsstation einer Klinik der Fall ist. Heidi Kuntz ist seit über 25 Jahren Hebamme und seit mehr als 15 Jahren Beleghebamme: Sie arbeitet also selbstständig und mit der Homburger Uniklinik zusammen, bringt also auch dort Kinder zur Welt. Daher arbeite auch das Geburtshaus eng mit der Uniklinik zusammen. Eine Konkurrenz sei man für die Klinik nicht, eher eine Ergänzung, sagt sie.
Für April waren drei Geburten geplant, insgesamt hat das Geburtshaus Biosphäre in Webenheim eine Kapazität von sechs Geburten pro Monat, also „sechs kleene Kaschdler“. „Wir sind familiär und wollen den Saarpfalz-Kreis, das französische Grenzgebiet und Zweibrücken abdecken“, verrät Heidi Kuntz, die aus Zweibrücken stammt und am Helmholtz-Gymnasium Abitur gemacht hat.
Für jedes Neugeborene wird ein Baum gepflanzt
Übernachten wie im Krankenhaus kann man im neuen Geburtshaus allerdings nicht. „Wir betreuen die Frauen ausschließlich bei ambulanten Geburten“, stellt sie klar. Die nächsten Geburtshäuser befinden sich weiter weg, sagt die Hebamme. Es gebe eins rund eine Autostunde von Blieskastel entfernt, in Merzig; und das nächste in Rheinland-Pfalz liegt in Diez, etwas über eine halbe Autostunde von Koblenz entfernt. Als Besonderheit pflanzt das Geburtshaus Biosphäre für jedes Neugeborene einen Baum.
In Deutschland haben Schwangere laut dem letzten Bericht der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe im Jahr 2020 rund 1,8 Prozent aller Geburten ihre Babys außerklinisch zur Welt gebracht. Etwas mehr als die Hälfte dieser Geburten – rund 8650 – außerhalb eines Krankenhauses oder einer Klinik fanden laut dem Bericht in Geburtshäusern, Hebammenpraxen mit Geburtshilfe und Entbindungsheimen statt. Der Rest waren Hausgeburten in einer Privatwohnung.