Homburg
Ein Bypass für den Jägersburger Weiher?
Naherholung, Spiel, Spaß. Schlagworte, die Einheimische wie Gäste mit dem Jägersburger Weiher verbinden. Doch der Brückweiher, auf dem sich im Sommer Tretboote tummeln und Wasservögel ihre Bahnen ziehen, ist in keinem optimalen Zustand. In heißen Sommern verdunstet immer mehr Wasser, und der Weiher schlammt zu. Über kurz oder lang gilt es, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten.
Wie die Situation momentan ist, schilderte Diplom-Geograf Klaus-Jürgen Boos, Büro für Gewässerkunde und Landschaftsökologie in Saarbrücken, bei der jüngsten Sitzung des Jägersburger Ortsrats. Der Brückweiher ist nach Worten des Experten ein Stehgewässer. Große Bäume und Pflanzen säumen ihn. Im Wasser befinden sich viele kleine Organismen. Sie tragen nicht zuletzt zur „schnellen Entwicklung“ der Algen bei. Selbst die giftige Blaualge habe sich schon ausgebreitet, erzählte Boos. Aus diesem Grund sei das Gewässer zum Baden ungeeignet. Auch Phosphor wurde nachgewiesen. Das sei zwar ein notwendiges Element, könne jedoch auch wie Dünger für die Algen wirken.
Trotz 3,20 Metern Tiefe verdunstet Wasser
Den Klimawandel macht Boos als weiteres Problem für den Weiher aus. In den heißen, trockenen Sommern verdunstet Wasser. Und das, obwohl der Jägersburger Weiher an seiner tiefsten Stelle 3,20 Meter tief ist. Gespeist wird das Stehgewässer vom kleinen Schlossweihergraben mit einer Fließgeschwindigkeit von durchschnittlich zwei Litern pro Sekunde; außerdem vom Felsbach mit 16 Litern und dem Erbach mit gar 25 Litern pro Sekunde. Das ergibt laut dem Experten eine Wasseraustauschrate von 31 Tagen, was er als sehr hoch erachtet. Jede Wasserschicht werde so recht häufig erneuert.
Als positiv wertete der Diplom-Geograf, dass die Wasserqualität der drei Bäche sehr gut bis gut ist. „Sie belasten den Weiher nur moderat.“
Fische müssen weichen
Um den Weiher in einem guten Zustand zu halten, empfahl Boos, die Nährstoffe zu reduzieren. Vor allem müsste die Zahl der Fische verkleinert werden. „In etlichen Weihern schwimmen zu viele Karpfen, ebenso Giebel und Brachsen.“ Abfischen sei ein Schritt in die richtige Richtung. Auch der starken Sedimentbildung sollte in seinen Augen Einhalt geboten werden.
Was kann man dagegen tun? Um die Zuflüsse zu verringern, schlug Boos einen Bypass um den Weiher vor. „Diesen zu installieren dauert jedoch einige Jahre.“ Gut wäre auch, das Gewässer in Teilen zu entschlammen, eine Maßnahme, die die Wasserqualität erhöhen würde. Weiterhin könnten die Sedimente abgegraben werden. Ausbaggern würde die Phosphorbelastung reduzieren und die Wasserqualität verbessern. Wenn nichts geschieht, warnte Boos, drohe der Weiher zu verschlammen, sich in ein Niedermoor zu verwandeln.
Schäfer: Für den Weiher wurde zu wenig getan
Ortsvorsteher Jürgen Schäfer (SPD) räumte ein, dass es in der Vergangenheit versäumt wurde, „etwas für den Weiher zu tun“. Die Feuerwehr habe lediglich in den trockenen Sommern Frischwasser hineingepumpt. Seines Wissens sei der See über 30 Jahre lang nicht entschlammt worden. Ganz vertrocknen, wie ein Ratsmitglied fürchtete, würde der Weiher indes nicht, sagte Schäfer. Er werde nämlich auch aus unterirdischen Quellen gespeist.
Peter Fuchs (CDU) sah zwar Handlungsbedarf, aber nicht „innerhalb kürzester Zeit“. Zu überlegen sei erst einmal, wohin der teilentfernte Schlamm und die Sedimente gebracht werden könnten. „Wir haben ja nicht einmal Wege, auf denen die Lkws anfahren können.“ Gebe es möglicherweise Ablagerungsflächen um die Weiher herum? Generell, meinte er, „sollten wir uns Gedanken über die Inwertsetzung des gesamten Gebietes machen, inklusive Schlossweiher und Mühlwoog“. Das Ensemble bilde immerhin einen von vielen geschätzten Anziehungspunkt.
Das Thema soll in den Stadtrat
Und wie wird das finanziert? „Homburg hat kein Geld“, sagte Fuchs. Er wollte wissen, ob es dafür Fördermittel gibt. Peter Fuchs selbst will in einem ersten Schritt das Thema in den Stadtrat bringen. Auch mit dem Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (Lua) möchte er in Kontakt treten und das Problem besprechen. Ortsvorsteher Schäfer sagte zu, mit dem Angelsportverein wegen der hohen Anzahl an Karpfen zu reden. „Die müssen herausgefischt werden.“