Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Ehrt Homburg den verdienten jüdischen Zeitzeugen Salo Lewin?

Im zweiten Stock der Hohenburgschule hatte Salo Lewin jüdische Homburger Kinder unterrichtet.
Im zweiten Stock der Hohenburgschule hatte Salo Lewin jüdische Homburger Kinder unterrichtet.

Bald wird hinter der früheren Homburger Hohenburgschule ein Parkhaus gebaut. Die Fläche vor dem Schulhaus hingegen wird als Park umgestaltet. Dieses Areal soll nach Homburgs italienischer Partnerstadt benannt werden. Inzwischen gibt es aber auch noch einen anderen Namensvorschlag.

Ende November 2020 hatte Bürgermeister Michael Forster (CDU) mitgeteilt, dass der bislang zubetonierte Parkplatz vor der ehemaligen Hohenburgschule demnächst in eine Parklandschaft mit Gemüsebeeten verwandelt wird. Für dieses Vorhaben hat der Bund 2,7 Millionen Euro an Fördergeldern zugesagt. Forster sagte, dass man im Rathaus die Idee verfolge, dem umgestalteten Platz den Namen „Piazza Albano Laziale“ zu verleihen – zu Ehren der italienischen Partnerstadt unweit von Rom.

In der Homburger Stadtratssitzung im Februar berichtete Frank Kirchhoff von der Grünen-Fraktion, dass es inzwischen auch den alternativen Vorstoß gibt, den früheren Schulhof „Salo-Lewin-Platz“ zu nennen – nach einem ehemaligen Lehrer an der Hohenburgschule. Der Bexbacher Heimatforscher Hans-Joseph Britz hat diesen Vorschlag aufs Tapet gebracht.

Der letzte Lehrer an der jüdischen Schule Homburg

Zur RHEINPFALZ sagte Britz, dass man Salo Lewin (1911 - 1980) auf diese Weise würdigen sollte. Tatsächlich habe er im Rathaus den Antrag eingereicht, den Rabbiner, Vorreiter der Ökumene und letzten Lehrer der jüdischen Schule Homburg auf diese Weise zu ehren. Der Bexbacher: „Was liegt näher, als den Platz vor der Hohenburgschule, in der er einst die jüdischen Homburger Kinder unterrichtete, Salo-Lewin-Platz zu benennen?“ Lewin, dessen Vorname auch Shlomo geschrieben wird, sei den Kindern von damals Vorbild gewesen und könne dies den jungen Menschen auch heute noch sein.

Britz beschreibt, dass Salo Lewin aus einer uralten Rabbinerfamilie stammte. Als junger Lehrer kam er nach Homburg und unterrichtete dort die Schüler der israelitischen Kultusgemeinde im zweiten Stock der Hohenburgschule; zeitweise auch in Waldmohr.

Lewin heiratete Lilly Hirsch, die Tochter des jüdischen Homburger Stadtratsmitglieds Leo Hirsch. Hans-Joseph Britz: „Die alteingesessenen Hirschs waren bekannt und beliebt in Homburg. Der Großvater hatte im Krieg gekämpft, war mit Verdienstorden ausgezeichnet worden. Die Familie war aus dem Vereinsleben von Homburg nicht mehr wegzudenken.“

1934 musste Salo/Shlomo Lewin den Dienst quittieren, es gab in Homburg für ihn keine Schüler mehr. Zunächst emigrierte er nach Frankreich, wo seine Frau einen Sohn gebar. Dann wanderte die Familie nach Israel aus. Dort half Lewin beim Aufbau des jungen Staats und kämpfte in der Armee.

Britz schildert, dass Salo Lewin Anfang der 1960er-Jahre zusammen mit Hans Lamm in Frankfurt den jüdischen Verlag Ner Tamid (Ewiges Licht) gründete. Dieser gab hochkarätige Literatur heraus, von Autoren wie Konrad Adenauer, Luise Rinser und dem Theologen Shalom-Ben-Chorin.

Ermordet im Umfeld der „Wehrsportgruppe Hoffmann“

Stets hat sich Salo Lewin für die christlich-jüdische Begegnung eingesetzt. Zum Beispiel war er ein Wegbereiter der „Woche der Brüderlichkeit“. Sein Rabbineramt in Erlangen und Nürnberg richtete er ökumenisch aus. Wie Hans-Joseph Britz berichtet, wurde Lewin im Umfeld des Münchner Oktoberfest-Attentats 1980 „von einem Mitglied der berüchtigten ,Wehrsportgruppe Hoffmann’ hinterrücks in seiner Wohnung ermordet. Zusammen mit ihm fand seine christliche Lebensgefährtin Frida Poeschke den Tod.“ Dieses Geschehen lässt sich in Alfred Chaussys Sachbuch „Der weiße Fleck“ nachlesen.

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