Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel DSD-Abriss fertig: 500 neue Wohnungen und Platz für Gewerbe

Lediglich das alte Metallschild mit den riesigen Buchstaben „DSD“ erinnert an das ehemalige Stahlwerk. Sonst ist nichts mehr von
Lediglich das alte Metallschild mit den riesigen Buchstaben »DSD« erinnert an das ehemalige Stahlwerk. Sonst ist nichts mehr von dem einstigen Industriekollos da.

Die Pläne für das ehemalige DSD-Gelände in Homburg sind gewaltig: Die Neunkircher Ferraro-Gruppe will dort zahlreiche Wohnungen, Büros und Kleinindustrie ansiedeln. Die Arbeiten gehen zügig voran.

Vom ehemaligen DSD-Werk in Homburg ist nichts mehr da. Hinterm Homburger Rathaus erstreckt sich eine enorme Brache, darauf verteilt mehrere Bagger. Einzig am Grundstücksende hin zum Forum erinnert ein großes Metallschild mit den Buchstaben „DSD“ an die Historie.

„Aktuell schreiten die Bauarbeiten zügig voran. Der oberirdische Rückbau wurde bereits im April erfolgreich abgeschlossen. Zurzeit liegt unser Fokus auf der Bodensanierung“, schreibt Jaqueline Müller von der Neunkircher Ferraro-Gruppe auf RHEINPFALZ-Anfrage. Gemeint ist damit die Entsorgung möglicher Altlasten. „Coeur“ heißt das Projekt, das das Unternehmen auf dem knapp 180.000 Quadratmeter großen Areal realisiert. „In diesem neuen Mittelpunkt werden Wohnen, Gewerbe, Freizeit, Natur und Urbanität harmonisch miteinander verschmelzen“, kündigt Müller für das neue Stadtviertel an. Bereits vor einiger Zeit machte die Ferraro-Gruppe seine Pläne publik, nach denen unter anderem 500 neue Wohnungen und somit Wohnraum für bis zu 2000 Menschen auf dem Areal geschaffen werden sollen, hinzu kommen Büros und Gewerbeflächen.

Die bisherigen Rückmeldungen aus der Bevölkerung und seitens der Stadt Homburg sind laut Müller positiv gestimmt. „Wir haben bereits über 100 Firmen und Investoren, sowie zahlreiche interessierte Bürger, die die Entwicklung des Projekts mit großer Aufmerksamkeit verfolgen“. Insgesamt investiert die Ferraro-Gruppe knapp 600 Millionen Euro in das Projekt. Mitte kommenden Jahres soll die Altlasten-Entfernung abgeschlossen sein.

Kommen alle Gebäude auf einen Schlag?

Dass das Areal aufgewertet wird, dass „die vor sich hingammelnden Gebäude und Hallen weg sind“, ist laut Homburgs Stadt-Pressesprecher Jürgen Kruthoff für die Stadtentwicklung „sensationell gut“. Die DSD-Industriebrache stellte für Kruthoff einen starken städtebaulichen Missstand da. Jahrelang sei auf dem Areal nichts passiert, dass jetzt die Ferraro-Group sich dem Projekt angenommen hat, sei ein „positives Signal“.

Offen ist laut Pressesprecher, ob tatsächlich alle geplanten Gebäude auf einmal gebaut werden, oder aber ob das neue Stadtquartier nach und nach erschlossen wird. Ob die von der Ferraro-Gruppe vorgestellten Wohn- und Gewerbekapazität in Gänze derzeit in Homburg gebraucht werden, stellt Kruthoff infrage. Neue Arztpraxen etwa wären für die Stadt gut, „aber wo sollen die Leute herkommen, das Personal fehlt in der Regel eher als die Fläche“.

Zudem könnte das Bauprojekt Auswirkungen auf die gesamte Stadt haben, sagt der Pressesprecher. Entstehen dort zahlreiche Wohnungen, dann ziehen dort nicht nur Neu-Homburger ein, sondern auch viele bereits städtischen Einwohner hin. Die Folge sind leere Wohnungen an anderen Ecken der Stadt.

Der Name „DSD“ kam erst in den 1960er Jahren

Der Abriss des ehemaligen Industriekolosses startete im März. Damit endete die an sich über 100 Jahre lange DSD-Geschichte in Homburg. Die Wurzeln des ehemaligen Homburger Stahlwerks liegen eigentlich in Saarbrücken. Im Jahr 1884 hat Bernhard Seibert dort einen eigenen Betrieb mit einer Belegschaft von 14 Arbeitern gegründet. Aus zunächst kleinen Aufträgen wurden schnell Kaventsmänner. Zum Portfolio Seiberts gehörten Brücken, Schleusentore, Fabrikhallen und Fördergerüste. Je mehr Aufträge die Firma bekam, desto mehr Platz brauchte sie. Und auch ein Anschluss an die damalige Bahntrasse wurde dringend benötigt. In Saarbrücken fand Seibert diese Voraussetzungen nicht. Dafür aber in Homburg.

Im Jahr 1909 kaufte er deshalb ein Grundstück in Homburg. Für das künftige Stahlwerk war es mehr als ideal: Die Oberflächengestaltung passte, ebenso die Größe von 82.000 Quadratmetern. Der Anschluss ans Bahn- und Wegenetz setze der Fläche das i-Tüpfelchen auf. Es wurden große Fabrikhallen gebaut. Insgesamt hatten diese eine Flächengröße von 7200 Quadratmeter. Der Herstellung von Eisenkonstruktionen und Brücken jeden Ausmaßes war kein Problem. Mit den Jahren wuchs der Industriebetrieb immer weiter. Kurz vor Ende der 1960er Jahre übernahm dann die Firma „Dillinger Stahlbau“ (kurz: DSD) das Homburger Stahlwerk. Die hergestellten Produkte traten teils lange Strecken an: Eine 38,5 Meter lange Fußgängerbrücke wurde 1989 nach Hamburg geliefert, auch ein Wasserstraßenkreuz in Magdeburg stammte aus dem DSD-Werk.

1999 war dann Schluss am Homburger Standort. Bis zuletzt arbeiteten 290 Menschen in dem einst gigantischen Stahlwerk. Rund 180 dieser 290 Rest-Mitarbeiter hatten noch vor Schließung des Werks einen anderen Job gefunden. Die restlichen sollten „sozialverträgliche Lösungen“ angeboten bekommen, wie es damals hieß.

Im März rückten die Abrissbagger der Industriebrache an den Kragen. Die Geschichte des Ortes hat damit ein Ende gefunden.
Im März rückten die Abrissbagger der Industriebrache an den Kragen. Die Geschichte des Ortes hat damit ein Ende gefunden.
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