Homburg
Dr. Theiss Naturwaren: Homburger Kosmetik aus der Apotheke
In Homburg ist die Firma Dr. Theiss Naturwaren an ihren beiden zentralen Werksstandorten in der Michelinstraße und im Gewerbegebiet Rohrwiesen ansässig. Zuletzt hat sie zwei neue Logistikzentren bezogen: 2019 im rheinland-pfälzischen Nachbarort Waldmohr und 2020 in Noginsk bei Moskau.
Diese Zehn-Millionen-Euro-Investition in Russland ist eine Konsequenz aus der starken Ausrichtung des saarpfälzischen Kosmetikunternehmens auf die Märkte in Osteuropa. Bereits im Jahr 2000 hatte Dr. Theiss Naturwaren die Marke Lacalut erworben – eine der verbreitetsten Zahnpasta-Sorten in Russlands Badezimmern. „Heute verkaufen wir international mehr als 50 Millionen Tuben Lacalut-Zahnpasta im Jahr. Die werden alle hier in Homburg produziert“, sagte am Donnerstag, 24. September, der Geschäftsführende Gesellschafter Giuseppe Nardi bei der Bilanz-Pressekonferenz seines Unternehmens. „Und in Polen sind unsere Produkte in jeder Apotheke und in jedem Drogerie- und Supermarkt vertreten.“ Ähnlich stark sei man in Ländern wie Tschechien, Rumänien und der Ukraine am Ball.
25 Fernsehspots pro Jahr
Aus den Arzneien und Tinkturen, die der Firmengründer Peter Theiss seit 1978 in seiner Apotheke am Homburger Marktplatz angerührt hatte, ist ein international operierendes Unternehmen erwachsen. Dessen Kosmetika, Schönheits- und Körperpflegeprodukte finden Kundschaft bis nach China, Ostafrika und auf der arabischen Halbinsel. Mit dem Absatz seiner Medipharma- und Olivenöl-Hautpflegemittel in Deutschlands Apotheken habe Dr. Theiss Naturwaren im Jahr 2020 „um 3,5 Prozent besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt“, sagte Giuseppe Nardi: „Wir haben in Deutschland einen Marktanteil von 6,6 Prozent und stellen fünf der zehn meistverkauften Produkte bei der Gesichtspflege. Mit Allgäuer Latschenkiefer sind wir deutscher Marktführer bei der Fuß- und Beinpflege – mit einem Marktanteil von 28,3 Prozent.“ „Die Latschenkiefer steht in Deutschland unter Naturschutz“, berichtete Nardis Geschäftsführungskollege Jonas Thielmann auf der Pressekonferenz. „Nur die Firma Dr. Theiss hat die Genehmigung, die Latsche im Allgäu zu kultivieren.“ Im Jahre 2005 wurde die inzwischen gut 30 Jahre alte Kosmetik-Marke per Zukauf ins Theiss-Unternehmen integriert.
Wichtig sei es, so Thielmann, regelmäßig neue Kosmetika auf den Markt zu bringen und dafür kräftig zu werben. So habe man erreicht, dass die Homburger Schönheitscremes, Olivenöl-, Anti-Faltenmittel und „Wimpernbooster“ heute bei 16,5 Millionen deutschen Frauen ab 50 Jahre ein Begriff aus der TV- und Anzeigenwerbung seien. „Und das bei insgesamt 18,3 Millionen Frauen dieser Altersgruppe, die es im Land gibt.“ Nardi ergänzte, dass für die Marken des Unternehmens pro Jahr rund 25 Fernsehwerbespots gedreht würden.
Mit Milinda durch die Viruskrise
An rückläufigen Verkaufszahlen hat Dr. Theiss Naturwaren zu spüren bekommen, dass die Kundinnen in Corona-Zeiten nicht mehr so rege in die Apotheken geströmt sind. Dennoch wird für das Krisenjahr 2020 eine Umsatzsteigerung erwartet. Möglich macht dies die Reaktion des Unternehmens auf die veränderte Lage, indem es in kurzer Zeit die neue Marke Milinda etabliert hat – mit Desinfektionsmitteln für Kliniken, Rettungsdienste, Labors und Ämter. Aber auch für Privatkunden, die sich vor dem Coronavirus schützen möchten.
In Homburg fällt Giuseppe Nardi übrigens regelmäßig mit Immobilienprojekten und Ausflügen in die Gastronomie und Hotellerie auf: Wurde zunächst im früheren Landratsamt in der Eisenbahnstraße (Paul-Weber-Haus) die Theiss-Bürozentrale installiert, gehört inzwischen das Schlossberg-Hotel ebenso zum Imperium wie die am Marktplatz installierten Restaurants Ohlio und Vinoh. „Als wir dort im Corona-Lockdown schließen mussten, konnten wir die betroffenen 100 Mitarbeiter aus den Restaurants ganz schnell zu uns ins Theiss-Werk rüberholen. Dort hatten wir ja wegen Corona plötzlich großen Personalbedarf bei der Fertigung von Hygiene- und Desinfektionsmitteln.“
Daten und Fakten
Dr. Theiss Naturwaren
- Weltweit 2000 Mitarbeiter, davon 450 in zwei Homburger Werken. 100 Beschäftigte arbeiten bei Dolorgiet/Proff in St. Augustin bei Bonn (2014 zugekauft). Weitere 100 Mitarbeiter sind in der Homburger Hotellerie/Gastronomie tätig.
- Sechs Markenfamilien: Dr. Theiss (Apothekenkosmetik), Medipharma Cosmetics (u. a. Olivenöl-und Hyaluron-Produkte, Mascara Med), Allgäuer Latschenkiefer, Lacalut Zahnpasta, Proff (Muskel- und Schmerzgel), Milinda (neu, Desinfektion und Hygiene)
- Umsatz: 320,9 Millionen Euro anno 2018, 316,7 Millionen Euro im Jahr 2019. Umsatzprognose für 2020: 320 000 Euro.
- Gastronomie in Homburg: Schlossberg-Hotel, Marktplatz-Restaurants Ohlio und Vinoh, Eiscafé Gelatoh
- Sponsoring (Auswahl): 1. FC Kaiserslautern, FC Homburg, Buchmesse Hom-Buch, Gulliver-Welt Bexbach, Internationale Kammermusiktage, Deutsch-Französischer Jugendliteraturpreis, Forschungspreis Dr. Theiss