Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Die Geschichte des DSD-Werks: Von Homburg hinaus in die Welt

Eine Mitarbeiter-Ehrungskarte von 1940. „Die besten Wünsche zum 40. Dienstjubiläum“, steht in altdeutscher Schrift darauf. Knapp
Eine Mitarbeiter-Ehrungskarte von 1940. »Die besten Wünsche zum 40. Dienstjubiläum«, steht in altdeutscher Schrift darauf. Knapp zwei Dutzend Namen finden sich auf der Karte.

Das einst prächtige DSD-Stahlwerk in Homburg gleicht einer Trümmerwüste. Die Investoren-Pläne für das nun freie Areal sind vielversprechend. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass auf dem DSD-Gelände viel passiert ist. Warum die nun aufkommenden Pläne nicht unbedingt neu sind.

„Wie bereits berichtet, schließt die DSD Ende des Jahres ihr Werk in Homburg“, schrieb die RHEINPFALZ im Jahr 1999 auf ihrer Regionsseite. Kurz vor dem Aus des Stahlwerks arbeiteten noch 290 Menschen in dem einst gigantischen Homburger Stahlwerk. Rund 180 dieser einst 290 Rest-Mitarbeiter hatten noch vor Schließung des Werks einen anderen Job gefunden. Die restlichen sollten „sozialverträgliche Lösungen“ angeboten bekommen, wie es damals hieß.

Die Wurzeln des ehemaligen Homburger Stahlwerks liegen eigentlich in Saarbrücken. Das verrät ein Besuch im Homburger Stadtarchiv. Im Jahr 1884 hat Bernhard Seibert in Saarbrücken einen eigenen Betrieb mit einer Belegschaft von 14 Arbeitern gegründet. Aus zunächst kleinen Aufträgen wurden schnell Kaventsmänner.

Von Saarbrücken nach Homburg

Zum Portfolio Seiberts gehörten Brücken, Schleusentore, Fabrikhallen und Fördergerüste. Je mehr Aufträge die Firma bekam, desto mehr Platz brauchte sie. Und auch ein Anschluss an die damalige Bahntrasse wurde dringend benötigt. In Saarbrücken fand Seibert diese Voraussetzungen nicht. Dafür aber in Homburg.

Im Jahr 1909 kaufte er deshalb ein Grundstück in Homburg. Für das künftige Stahlwerk war es mehr als ideal: Die Oberflächengestaltung passte, ebenso die Größe von 82.000 Quadratmetern. Der Anschluss ans Bahn- und Wegenetz setze der Fläche das i-Tüpfelchen auf. Es wurden große Fabrikhallen gebaut. Insgesamt hatten diese eine Flächengröße von 7200 Quadratmeter. Der Herstellung von Eisenkonstruktionen und Brücken jeden Ausmaßes war kein Problem.

Im Weltkrieg Flugzeug- und Luftschiffhallen gefertigt

Das Homburger Werk produzierte imm weiter – bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Sowohl das Homburger als auch das Saarbrücker Werk legten ihre Arbeit für zwei Wochen still. Trotz des Kriegs wurde die Fertigung aber wieder hochgefahren. Nun konzentrierte sich die Produktion hauptsächlich auf Flugzeug- und Luftschiffhallen. Diese wurden in Deutschland in unmittelbarer Nähe der Kriegsschauplätze aufgebaut. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Homburger Werk dann weiter ausgebaut. Ab 1921 hatte das Werk eine Gesamtfläche von 17.600 Quadratmetern.

Die Abtrennung des Saarlands von Deutschland durch den Versailler Vertrag bedeutete erste Hürden für die Produktion. Hinzu kamen die Wirtschaftskrise samt Inflation, Währungsumstellungen sowie der Wechsel des zugehörigen Wirtschaftsraums. Damit trotz Zollabschnürung weiterhin deutsche Kunden aus Homburg beliefert werden konnten, wurde 1922 ein Partner-Werk in Aschaffenburg gebaut. Und weil das Saarbrücker Werk letztlich immer weniger Gewinn einfuhr, wurde es im Jahr 1926 geschlossen. Der Seibert-Firmensitz blieb aber in der Landeshauptstadt, die Arbeit dort konzentrierte sich auf die technische Ausbildung und kaufmännische Verwaltung.

Übernahme von DSD: Eine Brücke für Hamburg

Ein weiterer Schlag war dann der Zweite Weltkrieg. Nach Kriegsende war aber der „Kampfgeist“ im Homburger Werk geweckt, die Zahl der Mitarbeiter wuchs bis 1956 wieder auf Vorkriegsniveau an. Zum Produkt-Portfolio kamen im Lauf der Zeit unter anderem Metallfenster, schwere Maschinen und Aufarbeitungsanlagen für Erze, Kohle und Steine. Das Werk wurde im Lauf der Jahre immer größer. Bis zur Schließung im Jahr 1999 wuchs es auf eine Größe von 180 Hektar.

Kurz vor Ende der 1960er Jahre übernahm dann die Firma „Dillinger Stahlbau“ (kurz: DSD) das Homburger Stahlwerk. Der neue Name war Programm. Die hergestellten Produkte traten teils lange Strecken an: Eine 38,5 Meter lange Fußgängerbrücke wurde 1989 nach Hamburg geliefert, auch ein Wasserstraßenkreuz in Magdeburg stammte aus dem DSD-Werk.

Große Pläne schon kurz nach Betriebsschluss

Nachdem das Stahlwerk 1999 seinen Betrieb in Homburg beendet hatte, wurden sofort Ideen für das gigantische Gelände bekannt. Und tatsächlich decken sich die Vorschläge mit den Heutigen. Wie berichtet, plant die Neunkircher Ferraro Group, auf dem brachliegenden Gelände ein neues Stadtquartier zu errichten. Über 500 Millionen Euro sollen investiert werden. Das Areal soll in drei Quartiere eingeteilt werden: Wohnungen, Gewerbe und Kleinindustrie sowie Büros und Unternehmen. 500 Wohnungen sollen gebaut werden, dafür sind rund 27.000 Quadratmeter Fläche vorgesehen. Und zwischendrin soll ganz viel Grün das triste Grau ablösen. Das Werk ist mittlerweile ein Trümmerhaufen. Die Geschichte und die Bedeutung für die Homburger Industriegeschichte bleiben aber erhalten.

So sah das DSD-Gelände im Februar 2002 aus.
So sah das DSD-Gelände im Februar 2002 aus.
20 Jahre später: Die Abrissarbeiten sind im April 2022 fast beendet.
20 Jahre später: Die Abrissarbeiten sind im April 2022 fast beendet.
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