Coronavirus RHEINPFALZ Plus Artikel Corona: Einkaufstour nach Frankreich zu Cora ist „Fahrt ins Risikogebiet“

Bei Michelin in Homburg werden Reifen für Lastwagen produziert.
Bei Michelin in Homburg werden Reifen für Lastwagen produziert.

Ab Freitag, 13. März, dürfen Grenzgänger aus dem nahen Frankreich 14 Tage lang keine Schulen oder Kindergärten im Saarland mehr besuchen. Bei Michelin in Homburg geht das französische Personal derzeit noch wie gewohnt zur Arbeit.

Bis Donnerstagnachmittag, 12. März, waren im Saarland 29 Personen gemeldet, die positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. Am Abend davor hatte der Kreis St. Wendel acht Infizierte gemeldet, die jetzt zuhause in Quarantäne seien. Betroffen sind sieben Urlauber aus St. Wendel, Namborn und Oberthal, die sich beim Skifahren in St. Anton in Österreich angesteckt haben sollen. Einer dieser Männer habe seine Ehefrau infiziert.

Wegen eines Corona-Falls wurden die zwei Standorte des Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrums (TGBBZ) in Saarbrücken geschlossen.

Lothringen mit dem Bitscher Land und dem Raum Saargemünd/Forbach ist Teil der französischen Großregion Grand Est, die vom deutschen Robert-Koch-Institut (RKI) seit Mittwoch als Corona-Risikogebiet eingestuft wird. Deshalb untersagt das saarländische Bildungsministerium ab Freitag, 13. März, allen Schülern, die im nahen Frankreich ihren Wohnsitz haben, den Besuch von Schulen oder Kindergärten im Saarland. Kinder sowie Lehrer, die sich in einem RKI-Risikogebiet – etwa der Region Grand Est – aufgehalten haben, dürfen 14 Tage lang weder Schule noch Kindertagesstätte im Saarland besuchen. Kinder, Lehrer und Mitarbeiter an saarländischen Schulen oder Kindergärten, die in Grand Est wohnen und sonst täglich ins Saarland kommen, sollen zuhause bleiben. Auf Nachfrage der RHEINPFALZ meinte am 12. März ein Sprecher des Ministeriums, dass auch Einkaufsfahrten etwa in die Cora-Supermärkte in Saargemünd oder Forbach als „Aufenthalte im Risikogebiet“ zu bewerten seien. Der Sprecher riet, auf solche grenzüberschreitenden Einkaufsfahrten vorerst zu verzichten.

Beim Reifenwerk Michelin in Homburg sind sehr viele Einpendler aus dem nahen Frankreich beschäftigt. Diese reisen täglich mit Bussen aus Lothringen an und werden nach Feierabend wieder heimgefahren. Auf Anfrage sagte Michelin-Sprecherin Maira Zöller am Donnerstag, dass die französischen Beschäftigten derzeit weiterhin wie gewohnt in Homburg ihrer Arbeit nachgehen könnten. Im Werk seien Plakate ausgehängt, die über das richtige Desinfizieren informieren und das Personal zum Abstandhalten aufrufen. Zöller: „Wer grippeähnliche Symptome verspürt, ist aufgefordert, sofort seinen Arzt und seine Führungskraft im Werk zu verständigen.“

Die Universität des Saarlandes verschiebt den Beginn der Vorlesungszeit um vier Wochen auf 4. Mai. Beschäftigte und Studierende mit Wohnsitz oder dauerhaftem Aufenthalt in Grand Est oder anderen Risikogebieten dürfen den Uni-Campus nicht betreten. Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, muss der Uni 14 Tage lang fernbleiben. Der Beginn der Lehrveranstaltungen im kommenden Sommersemester wird vom 6. April auf 4. Mai 2020 verschoben, ohne dass die Vorlesungszeit nach hinten verlängert werden soll.

Kinder in der Schule angepöbelt

Das Gesundheitsamt im Saarpfalz-Kreis berichtet von Fällen, bei denen Kinder von Corona-Kontaktpersonen von Mitschülern oder deren Eltern verbal attackiert wurden, weil sie die Schule besuchen. Dies sei eine „absolut nicht gerechtfertigte Stigmatisierung“ von Kindern. Nach Bekanntwerden des ersten Infektionsfalls seien sämtliche engen und erweiterten Kontaktpersonen ermittelt worden. Dabei habe man zwei weitere Infektionen nachgewiesen. Es gebe aber keine Hinweise auf schwere Krankheitsverläufe. Kontaktpersonen mit erhöhtem Infektionsrisiko stünden unter Quarantäne. Bei ihnen werde täglich der Gesundheitszustand telefonisch abgefragt. Bevor die Quarantäne endet, erfolge eine abschließende Abstrich-Diagnostik. Bei ausnahmslos allen anderen Personen, die etwa bei SAP in St. Ingbert arbeiten, bestehe kein erhöhtes Infektionsrisiko. Das gelte auch für deren Kinder.

Die Agentur für Arbeit hat ihre für 17. März angesetzte Infoveranstaltung für Grenzgänger in Saarbrücken abgesagt. Telefonische Beratung wird Grenzgängern weiterhin unter der Nummer 0681/9444545 angeboten.

In der Fußball-Regionalliga tragen der 1. FC Saarbrücken und die SV Elversberg ihre Heimpartien am Samstag, 14. März, als „Geisterspiele“ aus. Der FC Homburg tritt am Samstag auswärts bei den Offenbacher Kickers an – ebenfalls vor leeren Rängen. Der hessische Gastgeber verspricht, das Spiel per Livestream im Internet zu übertragen. Ob auch das nächste FCH-Heimspiel am Montagabend, 23. März, gegen die SV Elversberg zum „Geisterspiel“ wird, ist derzeit noch offen. Immerhin wird die Elversberg-Partie vom Fernsehsender Sport 1 live gezeigt.

Die American-Football-Mannschaft Saarland Hurricanes begrenzt ihr Kontingent an Eintrittskarten für alle Heimspiele im Neunkircher Ellenfeld-Stadion auf 750 Stück. So soll sichergestellt werden, dass keine Veranstaltung mit mehr als 1000 Teilnehmern zusammenkommt. Denn eine solche ist seit Mittwoch im Saarland verboten. Dies wiederum zwingt zur Absage von Großveranstaltungen in der Saarland- und der Kongresshalle in Saarbrücken. Besucher werden über die Internetseite ccsaar.de auf dem Laufenden gehalten.

IHK verschiebt Zwischenprüfungen

Die saarländische Industrie- und Handelskammer (IHK) setzt vorerst bis 17. April alle Informations-, Diskussions- und Schulungsveranstaltungen aus. Zwischenprüfungen der Erstausbildung werden auf Herbst verschoben. Schon angesetzte zeugnisrelevante Prüfungen in der Aus- und Weiterbildung finden aber statt.

Die Stadt Bexbach sagt bis auf Weiteres alle Versammlungen ihrer Feuerwehr-Löschbezirke ab – zunächst in Höchen und Oberbexbach.

Die Gemeinde Mandelbachtal hat die Oster- und Hobbyausstellung des Verkehrsvereins abgesagt, die am 22. März in Ommersheim hätte stattfinden sollen. Das gleiche Schicksal ereilt den Deutsch-Französischen Ostermarkt, der für Palmsonntag, 5. April, in Habkirchen im Terminkalender stand.

In Homburg-Jägersburg fällt der für 21. März geplante Secondhand-Kleiderbasar des katholischen Kindergartens St. Josef aus.

x