Sankt Ingbert / Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Blaublütige Hoheit trifft alten Bock: Luitpold in der Saarpfalz

Die Bahnbrücke am St. Ingberter Eisenwerk „Alte Schmelz“ anno 1888 im Dekor eines Triumphbogens mit Krönchen.
Die Bahnbrücke am St. Ingberter Eisenwerk "Alte Schmelz" anno 1888 im Dekor eines Triumphbogens mit Krönchen.

Als die Pfalz – und mit ihr die heutige Saarpfalz – vor gut 100 Jahren zum Königreich Bayern gehörte, führte Prinzregent Luitpold (1821 - 1912) die Regierung in München. Am 12. März 2021, Luitpolds 200. Geburtstag, erzählt Martin Baus von der Siebenpfeiffer-Stiftung eigens für die RHEINPFALZ, dass im Saarpfalz-Kreis auch heute noch vieles an den volkstümlichen Prinzregenten erinnert. Skurriles und Eindrucksvolles gibt es da zu entdecken.

Im Jahre 1888 stattete Prinzregent Luitpold von Bayern der expandierenden westpfälzischen Industriestadt St. Ingbert einen Besuch ab. Diese gab zu Ehren des Landesvaters aus Wittelsbacher Geblüt einen Empfang im alten Rathaus vis-à-vis der Engelbertskirche. Eine Riege Bergleute in traditionellen Uniformen stand Spalier. Der Prinzregent schritt die Garde ab; vor dem größten der Knappen blieb er stehen. „Wie geht es ihm?“, fragte Luitpold den hochgewachsenen Mann, worauf dieser ganz ungehemmt auf „Dengmerder Platt“ erwiderte: „Danke, Herr Prinzregent. Je älter der Bock, desto härter sei Horn.“ Während der Monarch angesichts dieser schlüpfrigen Antwort verdutzt aus der Wäsche schaute, versanken die ihn begleitenden St. Ingberter Honoratioren vor Scham schier im Boden. Mit hochroten Köpfen trotteten sie dem hohen Gast ins Rathaus hinterher. Aus dem bald schallendes Gelächter ob des skurrilen Vorfalls zu vernehmen war.

Diese Episode, aufgeschrieben von dem St. Ingberter Autor Manfred Kelleter (sein Urgroßvater „Rohe Nickel“ war der schlagfertige Bergmann), dokumentiert, wie volkstümlich und populär der regierende bayerische Landesvater auch und gerade in der Pfalz war. Der beliebte Luitpold wurde vor just 200 Jahren, am 12. März 1821, in Würzburg geboren. Von 1886 an führte er das Zepter im Königreich Bayern – zunächst ganze drei Tage lang für „Märchenkönig“ Ludwig II., und dann bis zu seinem Tod Ende 1912 für dessen geisteskranken Bruder Otto I. Beide waren Luitpolds Neffen.

Sein Name ist in St. Ingbert omnipräsent

Gerade St. Ingbert war sehr eng mit dem Landesvater aus dem fernen München verbunden. Brunnen, Gasthaus, Apotheke: vieles trägt in der saarpfälzischen Mittelstadt auch heute noch seinen Namen. Zu besagter Visite zwei Jahre nach Luitpolds Amtsantritt wurde die Stadt gehörig herausgeputzt. Das wenige Jahre zuvor errichtete Schulhaus in der Kaiserstraße erhielt den Vornamen des Regenten, die Bahnbrücke an der „Alten Schmelz“, dem Eisenwerk, bekam das Dekor eines Triumphbogens. „Heil Wittelsbach! Willkommen“ prangte an dem mit Fahnen und Fichten geschmückten Durchlass. Als i-Punkt wurde all dem Prunk ein weithin sichtbares Krönchen aufgesetzt. Zum 90. Geburtstag und 25. Thronjubiläum gab es ein großes Volksfest, bei dem im Beisein Tausender Bergleute ein Gedenkstein für den Wittelsbacher enthüllt und eine „Luitpold-Eiche“ gepflanzt wurde.

Viele Linden und eine Eiche

Apropos Baumpflanzungen: Eichen mit dem Namen des bayerischen Regenten waren eher die Ausnahme. Flächendeckend wurden vielmehr Linden für ihn gesetzt. Ein besonders imposantes Exemplar einer „Luitpold-Linde“ hat sich in Kirrberg erhalten, an der Kreuzung Colling-/Eckstraße. Die Winterlinde schmückt vermutlich seit Luitpolds 70. Geburtstag im Jahre 1891 diese Stelle.

Nach dem bayerischen Prinzregenten wurde allüberall in der Saarpfalz gar vieles benannt, bereits während seiner Lebens- und Amtszeit. Luitpoldschulen fanden sich in St. Ingbert (heute Kindertagesstätte) und Frankenholz. In Homburg-Erbach steht noch heute ein Schulhaus dieses Namens. Die Erbacher Luitpoldschule ist heutzutage Grundschule.

Straßen mit dem Vornamen des Wittelsbachers finden sich ebenfalls in Erbach sowie in Oberbexbach und Kirkel-Neuhäusel. Am Rand der Blieskasteler Altstadt gibt es einen Luitpoldplatz.

Spuren in der Homburger Stadtkirche

In besonders enger Verbindung mit dem Wittelsbacher steht die Stadtkirche St. Michael oberhalb des Historischen Marktplatzes in Homburg. Zwar stammt der monumentale Bau aus der Regierungszeit von Luitpolds Großvater Ludwig I: Dessen Haus- und Hofarchitekt August von Voit hatte den Kirchenbau von 1836 bis 1841 geleitet. Doch der Baldachin-Altar im Chor geht auf eine Stiftung des Prinzregenten zurück. 1901 eingeweiht, ist der Altar mit allerhand Figuren ausgestattet: Neben Aposteln und Kirchenvätern, Papst und Heiligen gesellt sich auch der selige Luitpold als eher kleines kirchliches Licht, aber Namenspatron des Prinzregenten zum steinernen Kirchenpersonal.

Und in der Homburger Kaiserstraße ist sein Konterfei an einer Hausecke verewigt – was sogar postum 1914 passierte. Wem der so inszenierte Luitpold dann auch noch die Zunge rausstreckt, ist bis heute ungeklärt.

Ein imposanter Baum: die Luitpold-Linde von 1891 in Kirrberg.
Ein imposanter Baum: die Luitpold-Linde von 1891 in Kirrberg.
Postkarte mit dem Prinzregenten Luitpold.
Postkarte mit dem Prinzregenten Luitpold.
Luitpold-Baldachin in der Michaelskirche Homburg.
Luitpold-Baldachin in der Michaelskirche Homburg.
Den seligen Luitpold gibt es im Kreise zahlreicher Heiligenfiguren in der Homburger Stadtkirche St. Michael zu entdecken.
Den seligen Luitpold gibt es im Kreise zahlreicher Heiligenfiguren in der Homburger Stadtkirche St. Michael zu entdecken.
Launiges Konterfei des Prinzregenten aus dem Jahr 1914 an einer Ecke der Fassade einer Gründerzeitvilla in der Homburger Kaisers
Launiges Konterfei des Prinzregenten aus dem Jahr 1914 an einer Ecke der Fassade einer Gründerzeitvilla in der Homburger Kaiserstraße.
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