Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel „Bergmann als Quereinsteiger gesucht“

Tobias Bussard arbeitete fürher bei einem Automobilzulieferer. Heute ist sein Arbeitsplatz unter Tage.
Tobias Bussard arbeitete fürher bei einem Automobilzulieferer. Heute ist sein Arbeitsplatz unter Tage.

Eine kleine unscheinbare Stellenanzeige, die sofort ins Auge fällt. Wer sucht denn im Saarland einen Bergmann zur Festeinstellung? In einem Land, in dem Hunderte Bergleute ihre Jobs verloren und die letzten Bergwerke geschlossen wurden. Wir sind der Sache nachgegangen.

Das Rätsel erklärt sich aus diesen beiden Phänomenen. Die Gruben sind zu, Nachwuchs gibt’s nicht mehr. Die Firma Saarmontan in Saarbrücken Dudweiler arbeitet aber nach wie vor unter Tage, denn Bergbau gibt es auch außerhalb der Steinkohlegewinnung, sagt Unternehmenschef Christian Schmitt und beginnt eine Aufzählung: „Gipsgruben, Salzbergwerke, Erzgruben, untertägige Deponien und Endlager, Besucherbergwerke bis hin zu den Schlossberghöhlen, Bunker und untertägige Tanks und Löschbehälter. All das liegt unter der Erde und muss weiterhin gesichert oder gepflegt werden“, so der Unternehmer. Saarmontan ist eine Tochter der Saarbergwerke AG gewesen. Das Logo, dem alten Saarberg-Schriftzug entnommen, habe man weitergeführt, nachdem man während der Insolvenz den Betrieb übernommen habe.

Schmitt selbst kommt aus dem Landschafts- und Gartenbau. „Als saarländischer Familienbetrieb kümmerten wir uns um Felssicherungen. Wir haben dann Saarmontan 1995 übernommen. Heute arbeiten 100 Menschen bei uns, darunter 55 Bergleute“, sagt Schmitt. Das Problem sei aber, dass man früher die Bergleute der RAG übernehmen konnte, inzwischen aber so langsam alle alten Hasen in Rente gehen. „Wer 25 Jahre unter Tage war, kann mit 55 Jahren in den Ruhestand gehen. Auch bei uns. Ausgebildete Bergleute finden wir keine mehr. Daher suchen wir immer wieder Handwerker, die sich zum Bergmann weiterbilden wollen.“

Jägersfreuder Bergleute in Paris und Luxemburg

Einer von denen ist der 29-jährige Tobias Bussard. Er war zuvor bei einem Automobilzulieferer in der Industrie als Systemeinrichter beschäftigt. Jetzt ist er Bergmann. „Wenn ich das jemand erzähle, bekomme ich staunende Blicke. Dass ich Bergmann bin, glaubt mir erst mal keiner“, sagt er. Aber die Arbeit sei so abwechslungsreich, er wolle sie nicht mehr missen. In der Werkstatt greift er zum 50er Schlüssel, richtet einen Bohrer her. Die Bergleute von Saarmontan arbeiten am ehemaligen Standort der Grube Jägersfreude bei Dudweiler. Im Treppenhaus des Verwaltungsgebäudes kann man die Bilder von Abriss der Fördergerüste sehen. Das Verwaltungsgebäude und die Werkstatt sind in alten Grubengebäuden, die Adresse nennt sich schlicht „Grube 1“. Das alte Zechenhaus wird gerade stilgerecht umgebaut, es tut sich was. „Wir haben Baustellen bis zu 500 Kilometer um Jägersfreude herum. Wir betreuen ein Bergwerk in Paris, von dem aus man einen direkten Blick auf den Eiffelturm hat und die alten Minett-Gruben in Luxemburg. Wir kümmern uns um Festungsanlagen, sichern Höhlen für Besucher oder Salzbergwerke. Die Arbeit ist sehr maschinenlastig, wir sind meist mit großem Gerät unterwegs“, beschreibt Schmitt die Arbeit der Jägersfreuder Bergleute.

Nachwuchs zu finden, gelinge ihm gut: „Der Job des Bergmanns zieht. Der hat Kultstatus und ein gutes Image im Saarland. Wir bekommen Bewerbungen und haben sogar einen Dachdecker zum Bergmann gemacht – seine Karriere ging sozusagen von ganz oben nach ganz unten“, erzählt Schmitt. Er ist sich sicher, dass er bald wieder einen neuen Bergmann finden wird. Er hat nämlich einen verloren. Der hat sich auf Montage in Ibbenbüren verliebt und ist dortgeblieben… Schmitt sieht es als Beweis, dass Bergleute noch immer ziemlich „cool“ sind.

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