Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel ARD spottet über Saarvenir: „Besoffenes Silvester-Bleigießen“

Ziel der Tourismuszentrale war es, mehrere Wahrzeichen im Saarvenir miteinander verschmelzen zu lassen. Rausgekommen ist jedoch
Ziel der Tourismuszentrale war es, mehrere Wahrzeichen im Saarvenir miteinander verschmelzen zu lassen. Rausgekommen ist jedoch ein undefinierbarer Plastikklumpen – so zumindest die Meinung der ARD.

Der Spott am sogenannten „Saarvenir“, dem offiziellen saarländischen Touri-Mitbringsel, reißt nicht ab. Kurz nach seiner Vorstellung hagelten bereits bei der Comedysendung „TV total“ die ersten Witze. Nun wurde es auch in den ARD-Tagesthemen durch den Kakao gezogen.

Anfang April vorgestellt, seitdem ein Garant für jedweden Lacher in der deutschen Medienlandschaft: das Saarvenir. Es sollte das offizielle saarländische Touristen-Mitbringsel werden, verkauft wurde die kleine, knapp fünf Zentimeter große Plastikfigur aus dem 3-D-Drucker nur rund 400 Mal. Nachdem kurz nach Vorstellung des Saarvenirs der ProSieben-Moderator Sebastian Pufpaff allerlei Witze in der Sendung „TV total“ riss, wurde nun auch in den ARD-Tagesthemen ordentlich darüber gelacht − wenngleich auf einem höheren journalistischen Niveau.

„Resultat vom besoffenen Silvester-Bleigießen“

„Dass ein Souvenir nicht unbedingt Anwärter auf den nächsten Kunstpreis sein muss, beweisen wohl die allermeisten Reisemitbringsel. Es sollte nur irgendwie zu erkennen sein, wo man denn war“, beginnt Tagesthemen-Moderatorin Caren Miosga den Beitrag zur Saarvenir-Verkaufspleite. Es werden verschiedene Touri-Mitbringsel aus anderen Teilen der Welt gezeigt: ein goldener Eiffelturm in einer Schneekugel, kleine Figürchen der Freiheitsstatue in New York, sowie eine knallrote Porzellan-Kuh mit aufgedruckten, weißen Kreuzen samt Schriftzug „Switzerland“. „Hier steht’s für die, die Kühe sonst nur vom Schokoladenpapier kennen, gleich mit drauf“, kommentiert Miosga die im Bild gezeigte rote Kuh.

„Nur, was bitte ist das?“, fragt Miosga in die Studiokamera, während im Hintergrund ein Bild des Saarvenirs eingeblendet wird. „Was so aussieht, wie das Resultat vom besonders besoffenen Silvester-Bleigießen ist das erste offizielle saarländische Souvenir, das Saarvenir“, bringt Miosga den Spott auf die Spitze.

Auch Urteil von Passanten ist vernichtend

Es folgt ein Einspieler, in dem Passanten − jung und alt − das Plastik-Figürchen des Saarvenirs in die Hand gedrückt wird. Sie sollen sagen, was es darstellen soll. Übrigens: Fünf Zentimeter groß ist das gedruckte Touri-Mitbringsel, im offiziellen Saarvenir-Laden kostet es über 20 Euro.

„`Ne Wurst und es sieht aus wie aus dem 3-D-Drucker. Was es genau ist, könnte ich aber nicht sagen“, spricht dann der erste Interview-Passant in die Kamera. Es folgen zwei Kinder, auch sie können das Saarvenir nicht zuordnen. Ein älter Mann mit Wanderhut und Rucksack sagt, das Saarvenir hat „mit Sicherheit ein hochstudierter Diplomingenieur gemacht“.

„Undefinierbares Etwas aus mausgrauem Plastik“

Der Bericht spielt anschließend auf die mauen Verkaufszahlen des Saarvenirs an. Nur rund 400 Saarvenir-Exemplare wurden seit seiner Vorstellung im April verkauft. „Wen wundert’s, sieht das Saarvenir im Original doch so aus: ein undefinierbares Etwas aus mausgrauem Plastik“, sagt die Beitragssprecherin.

Vergleicht man die Kosten für die Saarvenir-Kampagne mit den bisherigen Umsatzeinnahmen, so steht bislang ein dickes Minus unterm Strich. Rund 230.000 Euro hat die Kampagne laut Angaben der Tourismuszentrale gekostet. Die Umsatzeinnahmen sind mit den jeweiligen Verkaufszahlen schnell nachgerechnet − neben Figuren gibt es ja auch Taschen, Tassen und Magnete zu kaufen. Insgesamt wurde mit den Saarvenir-Artikeln ein Umsatz von knapp 12.000 Euro erwirtschaftet. Umsatz, wohlbemerkt, Mehrwertsteuer und die individuelle Herstellung der Artikel sind nicht einberechnet.

Videobeitrag

Den Tagesthemen-Beitrag vom 22. August gibt es im Internet auf ardmediathek.de, berichtet wird ab Minute 28.

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