Homburg / Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Anwalt versucht, Klaus Roth aus der Schusslinie zu nehmen

Klaus Roth, hier im Februar 2018 als Homburger Bürgermeister
Klaus Roth, hier im Februar 2018 als Homburger Bürgermeister

Im Betrugsprozess gegen den früheren Homburger Bürgermeister Klaus Roth (CDU) versucht die Verteidigung, dass mehr Aufmerksamkeit auf zwei frühere Geschäftspartner des Angeklagten gerichtet wird.

Nein, enge Freunde scheinen der Vorsitzende Richter Haldor Klos und Klaus Roths Verteidiger Franz-Josef Schillo nicht mehr zu werden. Dies wurde am Mittwoch, 26. Januar, bei einem Disput deutlich, der sich während der Zeugenaussage eines Polizeikommissars entspann. Der Mann hatte seinerzeit die Ermittlungen gegen Klaus Roth geführt. Richter Klos warf dem Rechtsanwalt vor, dieser lasse den Zeugen nicht ausreden. „Sinn und Zweck einer Zeugenaussage ist es, dass dem Zeugen Fragen gestellt werden und der sie dann anschließend beantwortet.“ „Vielen herzlichen Dank für die Belehrung“, entgegnete Franz-Josef Schillo mit süffisantem Lächeln. „Aber gerne doch“, hielt der Richter dagegen.

Im Mittelpunkt des Verhandlungstages am Landgericht Saarbrücken standen die Ausführungen des heute pensionierten Kriminalbeamten, der einst im Verfahren gegen den Homburger Ex-Bürgermeister an Hausdurchsuchungen beteiligt war.

Erinnerungslücken

Der Kommissar saß am Mittwoch bereits zum zweiten Mal im Zeugenstand: Bei seinem ersten Auftritt im vergangenen Dezember hatte sich der Polizist auf diverse Erinnerungslücken berufen und erklärt, er könne viele Einzelheiten seiner damaligen Ermittlungstätigkeit heute nicht mehr rekapitulieren. Roths Verteidiger wollte dies so nicht akzeptieren. Daher sorgte Schillo dafür, dass der Kommissar nun ein zweites Mal aussagen musste und kommende Woche damit fortfahren muss.

Im Prozess gegen den früheren Homburger Bürgermeister, dem vorgeworfen wird, Honorare für die Planung einer neuen IT-Verkabelung für das Rathaus in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben, schält sich inzwischen eine bestimmte Strategie seines Verteidigers heraus. Durch beharrliches Nachbohren bei dem Polizisten möchte der Advokat offenbar nachweisen, dass zwei weitere Personen, die anfangs genauso wie Klaus Roth von den Ermittlungsbehörden beschuldigt wurden, inzwischen geschont werden sollen. Zumindest erweckt die Verteidigung diesen Eindruck. Wie mehrfach berichtet, soll das städtische Planungshonorar in Höhe von gut 35.000 Euro seinerzeit zunächst an einen Homburger Elektriker und von dort aus an eine Neunkircher IT-Firma geflossen sein, deren Geschäftsführer und Eigentümer ein paar Jahr zuvor Klaus Roth geheißen hatte. Nach Abzug einiger Teilsummen, die bei der IT-Firma und beim Elektriker blieben, sollen am Ende 27.000 Euro aus diesem Geschäft an den damaligen Homburger Bürgermeister persönlich weitergereicht worden sein. So lautet der Vorwurf.

Inhaltliche Widersprüche bei der Aussage?

Durch hartnäckiges Nachhaken entlockte der Anwalt dem Zeugen am 26. Januar, dass der heutige Inhaber der IT-Firma bei früheren Vernehmungen gegenüber der Polizei stark unterschiedliche Aussagen zum genauen Verlauf der Finanztransaktionen gemacht haben soll. Nun wollte Schillo wissen, ob die Polizei damals bei dem Geschäftsmann trotz der inhaltlichen Widersprüche nicht nachgehakt habe. Und falls ja, warum dies so sei.

Unter anderem griff der Rechtsanwalt ein auffälliges Beratungshonorar in Höhe von 64.000 Euro aus den Akten heraus, das der Homburger Elektriker einst von der Stadt im Zusammenhang mit dem Ausbau der Straßenbeleuchtung im Stadtgebiet erhalten haben soll. „Diese Summe ist fast doppelt so hoch wie der Geldbetrag, wegen dem mein Mandant heute vor Gericht steht“, möchte Roths Anwalt wissen, warum die anfänglichen Strafverfahren gegen den Elektriker und den Neunkircher IT-Unternehmen inzwischen aufgehoben wurden, das gegen den Ex-Bürgermeister jedoch nicht.

Die Zeugenvernehmung des Polizisten wird am Freitag, 4. Februar, fortgesetzt.

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