Homburg
Als Manfred Rippel den Ex-Bundesligisten im Bus kutschierte
Am 3. April tritt Manfred Rippel (SPD) sein Amt als neuer Beigeordneter der Stadt Homburg an. Der Ur-Bruchhof-Sanddorfer ist in der gesamten Stadt bekannt, erwartet dennoch einen großen Berg Arbeit. Ein Ziel: Die Homburg-Zweibrücken-Verbindung aus ihrem Dornröschenschlaf holen.
Wir treffen Manfred Rippel am Freitagabend mitten in der Homburger Altstadt – im Vinoh, um genau zu sein. Warum gerade hier? Rippel feiert am gleichen Abend eine letzte Firmenfeier mit seinem langjährigen Arbeitgeber A6-Nutzfahrzeuge.
Durch seinen Schwager kam er zum Busfahren
„Ich arbeite dort schon seit 26 Jahren“, erzählt der SPD-Politiker und gibt zu, dass der Abschied von seiner bisherigen Firma hin zum Amt des Homburger Beigeordneten ihm durchaus schwerfallen könnte.
Ursprünglich lernte Rippel Elektriker in einem kleinen Handwerksbetrieb. Es folgte die Zeit bei der Bundeswehr, dort war er bei den Fallschirmjägern. Anschließend kam er durch seinen Schwager zum Busfahren. Und tatsächlich hatte er dabei auch ganz besondere Fahrgäste in seinem Bus sitzen. „Ich war damals Fahrer beim FC Homburg, als die noch in der Bundesliga gespielt haben“, erzählt Rippel und nippt an seinem Radler.
Zugegeben: Diese Zeiten sind schon lange vorbei, mittlerweile ist die Bundesliga für den FC Homburg nur noch ein Traum. Rippel erinnert sich aber, dass man als Busfahrer bei einem kleinen Bundesligaverein – und das war der FC Homburg ohne Zweifel – weitaus mehr Arbeit hat, als nur die Mannschaft von A nach B zu fahren. So musste Rippel unter anderem viel Organisationsarbeit leisten und auch mal dem Masseur auf dem Platz zur Hand gehen.
„Die Saarbrücker mag ich gar nicht“
In Erinnerung bleibt dem Bruchhof-Sanddorfer dabei das Pokalspiel zwischen FC Homburg und dem FC Bayern – die Homburger gewannen damals vier zu zwei. Und auch heute ist er begeisterter Fußballfan – nicht nur vom FC Homburg. „Ich bin Gladbach-Fan. Da mache ich auch kein Geheimnis draus“, sagt Rippel und lacht. Und wenn er sich zwischen den Kaiserslauterern und Saarbrückern entscheiden muss, ist seine Meinung auch klar: „Ich unterstütze den FCK. Die Saarbrücker mag ich gar nicht“.
CDU und SPD zusammenbringen
Zusammen mit dem Homburger Bürgermeister Michael Forster (CDU) will Rippel einen Neustart der Homburger Kommunalpolitik wagen. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit von Christ- und Sozialdemokraten wieder gefestigt werden. Noch immer wiege das Erbe des suspendierten OB Rüdiger Schneidewind und Klaus Roth – die Stadt verklagte den ehemaligen Bürgermeister – laut Rippel schwer.
Dennoch: Wenngleich er und Forster als Zwei-Mann-Team die Arbeit von drei Leuten übernehmen müssen, will Rippel an seinem Ziel festhalten. Welche Dezernate Rippel übernehmen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Parteitypisch werden dem SPD-Mann wohl aber die Bereiche Soziales, Standesamt, Senioren- und Jugendarbeit zugeteilt.
Reaktivierung der S-Bahn-Strecke zwischen Homburg und Zweibrücken?
Ein zweites Ziel, das der neue Stadtbeigeordnete anpeilt, ist die wieder engere Zusammenarbeit zwischen Zweibrücken und Homburg. Das Miteinander sei in den vergangenen Jahren eingeschlafen, findet der SPD-Mann. Zumindest mit der geplanten Reaktivierung der S-Bahn-Strecke könnten beide Städte schon wieder etwas enger zueinander rücken.
„Ich hab’ tatsächlich eine sehr enge Verbindung zu Zweibrücken“, verrät er. Mütterlicherseits ist er Bubenhauser, sein Onkel war Horst Tschan. Er war damals das Gesicht der Calpam-Tankstelle in der Dinglerstraße, wurde jedoch am Stadtfest-Freitag 1992 in seinem Laden erstochen. Der Fall wurde damals aufgeklärt, der Täter noch im Hof der Tankstelle verhaftet. Das Mordmotiv war, Geld fürs Stadtfest zu ergaunern. Der Mörder wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.
Der Feuerwehr möchte er treu bleiben
Zurück zu Rippel: Neben der Politikarbeit ist der zukünftige Beigeordnete auch durch die Feuerwehr bekannt. Mit Mitte 20 trat Rippel der Feuerwehr bei, zwischen 2016 und 2020 war er Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes, seit 2020 ist er der Vorsitzende.
Und trotz des bald hohen Arbeitspensums als Beigeordneter will er der Feuerwehr treu bleiben. In Erinnerung bleibt ihm der Großbrand bei der Firma Mobius im Jahr 2019. „Wir haben da sehr viel Zeit verbracht. Und leider hat sich da bislang nicht viel getan.“
„Nicht nur motzen, auch mal was tun“
Den Sozialdemokraten ist Rippel ebenfalls im jungen Alter beigetreten. „Als junger Wilder war ich dann doch irgendwann mal der Meinung, dass ich nicht nur motzen, sondern auch mal was tun sollte“, erzählt er. Rippels SPD-Vorbilder waren damals die Urgesteine Willi Brandt und Helmut Schmidt.
Der neue Beigeordnete ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der jüngere Sohn ist bereits verstorben. Manfred Rippel wird jedoch nicht die gesamte Amtszeit Beigeordneter bleiben – das hat mit dem saarländischen Beamtenrecht zu tun, sagt er. In acht Jahren wird er spätestens ausscheiden, denn dann ist er 68 Jahre alt.