Altheim RHEINPFALZ Plus Artikel Als die Kirche ihre neue Spitze bekommt, ist in dem Blieskasteler Stadtteil mächtig was los

Gleich bekommt die Andreaskirche ihre neue Spitze.
Gleich bekommt die Andreaskirche ihre neue Spitze.

Es herrschte Volksfest-Atmosphäre: Nicht nur halb Blieskastel-Altheim, sondern auch Katholiken aus Contwig und Hornbach, Schaulustige aus Zweibrücken und Fahrradpilger aus Webenheim waren Zeugen, als am Donnerstag, 3. September, die hölzerne Turmspitze auf die Kirche St. Andreas aufgesetzt wurde. Zufällig vorbeikommende Autofahrer hielten staunend an.

Stimmung herrschte nicht nur im Biergarten von Enzo Lubertos benachbarter Pizzeria, als ein Kran die hölzerne Spitze auf den Kirchturm hob. „Ich bin froh, dass wir gutes Wetter haben“, seufzte Ortsvorsteherin Beate Lambert, als gegen 11 Uhr ein Zimmermann die letzten Schrauben ins Fichtenholz drehte. Schließlich koste der Autokran, der den 18 Meter hohen und 14,5 Tonnen schweren Helm auf den 14 Meter hohen steinernen Turm setzte, pro Tag etwa 6000 Euro. So wäre eine Verschiebung wegen Schlechtwetter für die Kirchgemeinde zum Finanzproblem geworden. Wie Lambert sagte, war dieser Autokran sowieso schon das zweite Exemplar, das angerollt war: Das erste hatte sich als zu klein erweisen.

Handwerker aus Südwestpfalz entscheidend beteiligt

In den vergangenen Wochen hatten Dachdecker der Reifenberger Firma Armin Weidler und Zimmerleute der Firma Wölfel aus Eltville/Rhein den neuen Dachhelm auf einer Holzbühne auf dem Dorfplatz zusammengebaut. Wie der Architekt Hermann Held aus Contwig erläutert, wurden dabei die Maße des alten Helms weitgehend übernommen. Der war morsch gewesen, von eingedrungenem Wasser beschädigt und nicht mehr zu retten. Rund 300 000 Euro kostet das neue Helmdach aus Fichtenholz. „Das ist das übliche Bauholz“, verriet der Zimmermann Dieter Wölfel, dessen bis dato letztes Projekt der Neubau der Stiftsbasilika in Kaiserslautern war.

Ganz besonderes Weihwasser

Der steinerne Altheimer Kirchturm aus dem 15. Jahrhundert mit seinen gotischen Fensteröffnungen hätte aber auch das deutlich schwerere Eichenholz verkraftet. Denn er besitzt einen stabilen betonierten Ringanker, den man ihm wohl spendiert hat, als nach dem Krieg der vorherige Turmhelm gebaut wurde. Aber auch aus Fichte ist die Turmspitze ein imposantes Gebilde, das zuletzt tagelang vor der Kirche gestanden hatte.

Etwa 80 Zuschauer sind an diesem Donnerstag gekommen, um den großen Moment zu erleben. Um 12.20 Uhr war es dann soweit. Mit fast anderthalbstündiger Verspätung wurde der Dachhelm angehoben. Sogleich lief Kirchendienerin Marianne Rabung mit ihren zweijährigen Enkeln, den Zwillingen Mattis und Matilda, in die Kirche, um neben dem Altar die Schalter für das Geläut zu betätigen. Draußen, vor der Kirche, fielen trotz Sonnenscheins einige wenige kleine Regentropfen – von den Umstehenden als „Weihwasser“ bezeichnet und zuerst dem Pfarrer Johannes Müller zugeschrieben. Der bereitete sich derweil auf die Ersteigung des Kirchturms vor. Über das Gerüst oben angekommen, stimmte er das „Gloria Dei“ an und segnete den Kirchturm. Gleiches tat kurz darauf der Zimmermann – mit dem Richtspruch, auf seine eigene Weise.

Holzbühne muss bald weiterziehen

Altheim feierte. Ältere Dorfbewohner hielten sich an ihren Bierflaschen fest und schwatzten munter. Zwei Frauen machten es sich mit Campingstühlen auf dem Parkplatz der Pizzeria bequem. Fast jeder Anwesende zückte sein Handy, als der Dachhelm sich endlich hob. Zu dieser Zeit fegten Zimmerleute bereits Abfälle auf der Holzbühne zusammen. „Die könnte man stehen lassen als Tanz- und Musikbühne“, sinnierte Beate Lambert noch. Doch die Handwerker brauchen sie schon für einen neuen Auftrag.

Mit Schnittchen, Crémant und Saft stießen die Altheimer mit den Handwerkern und ihren vielen Besuchern aus der Region auf ihren neuen Turmhelm an. Der muss jetzt noch eingerüstet und dann mit Naturschiefer gedeckt werden. Wie Architekt Hermann Held und der Dachdecker Armin Weidler sagten, dürfte das noch rund vier bis sechs Wochen dauern.

Nicht nur für die Mitglieder der Großpfarrei St. Pirminius, die neben Contwig und weiteren Ortschaften auch Althornbach, Hornbach und eben Altheim umfasst, war dieser Donnerstag ein ganz besonderer. Auch der Architekt Reneo D’Onghia von der bischöflichen Bauverwaltung Speyer hat zum ersten Mal persönlich miterlebt, wie eine neue Turmspitze aufgesetzt wird. Und das, obwohl er schon seit etlichen Jahren in Bau-Angelegenheiten im Dekanat Saarpfalz und Teilen des Dekanats Pirmasens unterwegs ist.

Ein mächtiger Kran ist erforderlich.
Ein mächtiger Kran ist erforderlich.
Als alles geschafft ist, läuten Kirchendienerin Marianne Rabung und ihre Enkelzwillinge Matilda (Foto) und Mattis die Glocken.
Als alles geschafft ist, läuten Kirchendienerin Marianne Rabung und ihre Enkelzwillinge Matilda (Foto) und Mattis die Glocken.
Das halbe Dorf ist zugegen – und noch viele Gäste mehr.
Das halbe Dorf ist zugegen – und noch viele Gäste mehr.
Handwerker säubern nach dem Kran-Einsatz die Holzbühne.
Handwerker säubern nach dem Kran-Einsatz die Holzbühne.
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