Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Aggressivität auf Feldwegen: Wenn Radler Bauern ins Gehege kommen

Klaus Riedinger (rechts) und Norbert Hüther machen sich am Feldweg an die Arbeit.
Klaus Riedinger (rechts) und Norbert Hüther machen sich am Feldweg an die Arbeit.

„Wir müssen wohl bald den Flugschein machen“, kommentiert der Einöder Landwirt Klaus Riedinger die zunehmende Aggressivität von Radfahrern und Fußgängern auf Feldwegen. Um für ein besseres Miteinander zu werben, hat der Bauernverband Saar die Initiative „Rücksicht macht Wege breit“ ins Leben gerufen.

Inzwischen haben Landwirte, die die Bierbacher und Gutenbrunner Au bewirtschaften, mehr als zehn entsprechende Piktogramme auf asphaltierte Feldwege gesprüht. „Rücksicht macht Wege frei. Danke! Ihre Landwirte“ steht da zu lesen. „Die Schablonen hat der Bauernverband in Saarbrücken besorgt“, sagt Klaus Riedinger, der in Einöd Vorsitzender des Bauernvereins und Vorsteher des Wasser- und Bodenverbandes ist. Derzeit noch mit weißem Kreidespray aufgebracht, sollen die Hinweise bald mit richtiger Farbe wetterfest gemacht werden. Geplant sei, dass der Einöder Landwirt Norbert Hüther weitere Symbole bliesabwärts aufträgt. Die Aktion soll im ganzen Saarland fortgesetzt werden.

Tafeln für das Stadtgebiet

„An markanten Stellen im Homburger Stadtgebiet“, sagt Stephan Bentz, der in der Kreisstadt als Fahrradbeauftragter fungiert, sollen außerdem gemeinsam mit dem Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) Hinweisschilder aufgestellt werden. Etwa die klappbare Tafel „Erntezeit - bitte Rücksicht nehmen“. Die Schilder sollen auch darüber informieren, dass es sich bei den ausgeschilderten Radwege zugleich um Wirtschaftswege für die Bauern handelt. Jochen Hahn, zuständiger Planer beim LfS, will Radfahrer, Jogger, Skater, Wanderer und Spaziergänger mit und ohne Hund daran erinnern, dass die Straßenverkehrsordnung alle Beteiligten zu Vorsicht und Rücksicht auffordert.

Riedinger bleibt skeptisch: „Irgendwann kracht es einmal.“ So oft hat er schon erlebt, dass Radler die Durchfahrt blockieren, wenn ihnen ein Traktor entgegenkommt. Oder dass Jogger stur in der Mitte des Wegs laufen, „weil sie wohl meinen, sie sind in der Fußgängerzone“. Nicht nur in der Erntezeit sei das nervtötend. „Ärgerlich ist auch, wenn am Fahrbahnrand geparkt wird“, klagt der Einöder. Nicht immer könnten landwirtschaftliche Fahrzeuge um Autos herumfahren.

Deutlich mehr Betrieb als vor Corona

In Corona-Zeiten herrsche deutlich mehr Betrieb auf den Wegen. Riedinger weiß, dass Virologen dazu raten, raus in die Natur zu fahren. Allerdings sei manchen Zeitgenossen wohl nicht klar, dass Wirtschaftswege keine Straßen im herkömmlichen Sinn sind. Der Landwirt: „Motorisierter Durchgangsverkehr ist dort untersagt.“

Bei Sonnenschein seien pro Stunde bis zu 450 Menschen in der Bliesaue unterwegs. Schönes Wetter bedeute auch Heuwetter. Der Landwirt vom Buchenhof berichtet: „Wir konnten gar nicht mehr fahren.“ Daher hätten der Bauernverein und der Wasser- und Bodenverband in einer gemeinsamen Sitzung sogar gefordert, in dieser Zeit die Wege für Nicht-Landwirte komplett zu sperren.

Keine „Fahrrad-Autobahn“ geplant

Der Befürchtung mancher Bauern, dass das saarländische Verkehrsministerium gar eine Art „Rad-Autobahn“ im Bliesgau plane, weist Ministeriumssprecherin Kathrin Fries auf Anfrage zurück: „Im Saarland ist zwischen Völklingen und St. Ingbert über Saarbrücken ein Radschnellweg vorgesehen. Ein Radschnellweg auf dem Saarland-Radweg bei Wörschweiler ist aktuell nicht angedacht.“

Die Landwirte danken für Verständnis.
Die Landwirte danken für Verständnis.
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