Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel 75 Jahre Universität des Saarlandes: Schon immer europäisch

Die Universität des Saarlandes feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag. Über die Jahre hinweg hat sich vieles auf dem Saarbrü
Die Universität des Saarlandes feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag. Über die Jahre hinweg hat sich vieles auf dem Saarbrücker Campus verändert. Die historischen Fotos stammen aus dem Bildband »Die Universität des Saarlandes – Impressionen aus 60 Jahren«, der vom Uni-Archivar Wolfgang Müller herausgegeben ist.

Großer Jahrestag für die Universität des Saarlandes. Die Hochschule wird in diesem Jahr 75 Jahre alt. Mit Blick auf die Vergangenheit ist an dem Homburger und Saarbrücker Standort vieles passiert. Und viel Historie ist auch noch auf dem modernen Campus noch heute zu sehen.

Die Ursprünge der Saar-Universität liegen nicht in Saarbrücken. Angefangen hat die Hochschul-Historie in Homburg. Noch heute ist dort der medizinische Campus der Saar-Universität untergebracht. Wolfgang Müller schreibt in einem Bildband zur Saar-Universität, dass es die französische Militärregierung war, die am 15. Januar 1946, also nicht mal ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges, die Erlaubnis erteilte, medizinisch-klinische Fortbildungskurse für die aus Krieg und Gefangenschaft heimkehrenden Saar-Medizinstudenten durchzuführen. Schnell kam die Idee auf, ein eigenes Medizin-Institut zu gründen. Allerdings keines, welches auf eigenen Beinen stand. Das Institut war Teil der Universität in Nancy. Der Gedanke wurde Realität, am 8. März 1947 eröffnete in Homburg das medizinische Institut. Kein Jahr später kamen nichtmedizinische Fächer hinzu. Und letztlich wurden am 9. April 1948 im französischen Außenministerium die Weichen für die Gründung des Saarbrücker Campus gestellt.

Europäische Orientierung und internationaler Flair

Im November 1948 war es schließlich so weit: Die Saarbrücker Universität öffnete offiziell seine Tore. Als „Werkzeug einer wahrhaft europäischen Gesinnung“, hat Gründungsdirektor Jean Barriol aus Nancy die neue Universität bezeichnet. Ganz zentralisiert war das Campus-Leben da aber noch nicht. Die philosophische- sowie rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Fakultät bezogen die frühere Below-Kaserne im St. Johanner Stadtwald in Saarbrücken. Die Naturwissenschaften blieben noch bis 1950 auf dem Homburger Campus beheimatet, die medizinische Lehrabteilung ist dort noch bis heute untergebracht.

Der Aufbau der Saar-Uni in Saarbrücken ging ungebremst voran. „Wir bekennen uns als europäische Universität“ sagte der damals zweite Universitätsrektor Joseph-Francois Angelloz bei seinem Amtsantritt im November 1950. Nur ein Jahr später begründete er das Europainstitut. Spätestens ab da war der Vergrößerung des Saarbrücker Campus kein Halt mehr gesetzt: 1954 und 1955 bildeten die neue Universitätsbibliothek sowie die philosophische Fakultät architektonische Wahrzeichen. 1955 folgte dann ein Umbruch mit dem Votum der Volksabstimmung gegen die Europäisierung des Saarlandes. Die Uni ging in deutsche Hände über. Im Oktober 1956 trat dann der erste deutsche Rektor, Heinz Hübner, seinen Dienst an. Bis Ende September 1957 verließen zahlreiche französische Dozenten, Professoren und Mitarbeiter die Universität.

Die moderne und junge Universität

Das Saarland gliederte sich der Bundesrepublik an. An der Saar-Uni wurde ein modernes und wegweisendes Universitätsgesetz erarbeitet. Wenngleich die Universität nun zu den deutschen Hochschulen gehörte, wurden weiterhin die Einrichtungen mit deutsch-französischer sowie europäischer Prägung geführt. Und es war der damals amtierende Uni-Rektor Werner Maihofer, der mit liberalem Profil und in der damaligen Bundesrepublik einzigartiger Arbeitsweise im „Umbruchjahr“ 1968 stets einen Konsens zwischen den studentischen Reformbewegungen und den traditionellen Beharrdungstendenzen der Professorenschaft erwirkte.

Der Homburger und Saarbrücker Campus wurden weiter ausgebaut. Ab 1969 wurden die Hochschul-Partnerschaften auf internationaler Ebene immer weiter ausgebaut. Als „bahnbrechend“ werden die frühen Vereinbarungen zu Universitäten in Ost- und Mitteleuropa bezeichnet. Und auch das Universitätsnetz in der Großregion Saarland, Lothringen, Luxemburg, Rheinland-Pfalz und Wallonien (Region in Belgien) wurde immer dichter. Dass die Saar-Universität sich auch stark in Sachen Forschung und Zukunftsperspektiven orientiert, wurde durch die Gründung und den Bau der verschiedenen Starter-Zentren und dem Bau des Science Park noch weiter deutlich.

Im vergangenen Wintersemester waren fast 17.000 Studenten in der Saar-Universität für ein Studium eingeschrieben, die knappe Mehrheit (51,2 Prozent) sind Frauen. 70 Bachelor-Studiengänge bietet die Universität an, hinzu kommen 61 Masterstudiengänge.

Jubiläumsfeiern

Die Universität des Saarlandes feiert ihren 75. Geburtstag mit zahlreichen Veranstaltungen. Los geht es mit der Campus-Festwoche vom 8. bis 13. Mai in Saarbrücken. Der offizielle Festakt findet am 10. Mai im Audimax statt. Vom 19. bis 25. Juni gastiert der Festakt auf dem Homburger Campus. Die weiteren Veranstaltungen ziehen sich bis in den November. Die genauen Termine sind im Internet unter uni-saarland.de/universitaet/portraet/75-jahre einsehbar.

Blick aufs Haupttor, aufgenommen um 1950.
Blick aufs Haupttor, aufgenommen um 1950.
Das gleiche Motiv heute.
Das gleiche Motiv heute.
Die Bibliothek wurde 1954 eingeweiht.
Die Bibliothek wurde 1954 eingeweiht.
Bis heute ist sie ein Wahrzeichen der Uni.
Bis heute ist sie ein Wahrzeichen der Uni.
Die Mensa war damals noch in einem Gebäude am Campus-Center. Das Foto stammt aus dem Jahr 1950.
Die Mensa war damals noch in einem Gebäude am Campus-Center. Das Foto stammt aus dem Jahr 1950.
Heute sind dort unter anderem die Wirtschaftswissenschaften untergebracht.
Heute sind dort unter anderem die Wirtschaftswissenschaften untergebracht.
x