Blieskastel
22-Jähriger gibt zu, Freund der Mutter erstochen zu haben
Am zweiten Tag des Totschlagsprozesses hat der 22-jährige Angeklagte aus Webenheim vor dem Schwurgericht Saarbrücken gestanden. Was in der Blieskasteler Kerwenacht am 7. September 2021 in der Küche der gemeinsamen Wohnung in Webenheim geschah, schilderte der 22-jährige Angeklagte ohne Umschweife, emotionslos, klar und nüchtern den Richtern.
Der 22-Jährige ist angeklagt, den 50-jährigen Freund seiner Mutter in dieser Nacht um 0.50 Uhr mit einem Messer − Klingenlänge 25 Zentimeter − mit 32 Messerstichen getötet zu haben. Laut Anklage soll eine verbale Auseinandersetzung mit dem späteren Opfer vorausgegangen sein. Er soll dem Opfer einen Stich in den Hals, ein Stich in den Kopf, mindestens sechs Messerstiche in den Rücken, ein Stich in den Rippenbogen, zwei Stiche in den linken Arm und einen Stich in den Bauch versetzt haben. „Der Geschädigte verstarb an den hierdurch entstandenen Verletzungen, wie der Angeschuldigte vorhergesehen und zumindest billigend in Kauf genommen hatte“, so die Anklage.
Angeklagter: Mutter wurde von ihrem Freund gewürgt
„Ich habe mehrere Messerstiche gesetzt“, gestand der Angeklagte gestern und schilderte, wie es zu dieser tödlichen Auseinandersetzung kam. Er habe sich im Wohnzimmer um 22 Uhr auf der Couch zum Schlafen gelegt. „Um 23 Uhr bin ich aus dem Schlaf gerissen worden, ich hörte laute Stimmen“, sagte er. „Meine Mutter und ihr Freund stritten, ich holte mein Messer in die Hand, ich hatte hohen Puls“. Die Mutter des Angeklagten habe auf dem Boden gelegen, der Freund habe auf ihr gekniet und ihr den Hals zugedrückt. „Ich habe ihn von meiner Mutter getrennt. Er holte zum Schlag gegen mich aus und hat versucht, mich in den Schwitzkasten zu nehmen, was ihm nicht gelang. Ich stand plötzlich hinter ihm und habe ihm einen Stich mit dem Messer in den Rücken gesetzt“, so der Angeklagte weiter. „Er hat aufgeschrien und hat mich weiter in Bedrängnis gebracht“.
Nachdem der 22-Jährige dem Angreifer mehrere Stiche in den Körper versetzt habe, sei dieser „eingeknickt, aus der Küche gelaufen und im Flur kurzerhand zusammen gebrochen“ so der Angeklagte. Er habe sich um seine Mutter gekümmert. Beide hätten sich dann um den stark Blutenden auf dem Flurboden gekümmert. „Meine Mutter sagte, dass er tot sein könnte. Ich hatte Angst und bin in die Knie gegangen, ich war verstört und kaputt“, sagte der 22-Jährige. Und: „Ich habe den Notarzt und die Polizei angerufen und gesagt, dass es zu einer Messerstecherei kam und ich der Täter bin.“ Danach hätten sie ihn zur Homburger Polizeiwache mitgenommen.
Mutter: Streit wegen eines leeren Kühlschranks
Eigentlich habe der Angeklagte sich mit dem Freund seiner Mutter gut verstanden. Er habe ihn toleriert, weil er seine Mutter geliebt hätte. Das Verhältnis seiner Mutter zu ihrem Freund sei aber nicht wirklich stabil gewesen, so der Angeklagte. „Es gab häufig Streit“, sagte er. Auslöser sei oft Eifersucht des Freundes gewesen. Seine Mutter hätte oft aus Frust zum Alkohol gegriffen. Und: Sie seien beide im Übermaß an Alkohol gewöhnt. Es habe auch körperliche Auseinandersetzungen zwischen beiden gegeben.
So sei es auch in dieser Nacht gewesen, schilderte die Mutter gestern als Zeugin den Richtern. Sie seien beide auf der Kirmes gewesen. Da sei ihr Freund schon aggressiv gegen andere geworden. Zu Hause sei es dann zum Streit in der Küche gekommen. „Er wollte was essen. Der Kühlschrank war leer“ so die Mutter. „Wir stritten, er hat mich in der Küche um den Tisch verfolgt, mich auf den Boden ,geplackt’ und mit beiden Händen am Hals gewürgt. Mir wurde schwarz vor den Augen“. Und: „Ich war angetrunken – er war betrunken. Ich weiß nur noch, dass ich im Flur über ihm gekniet habe. Ich wollte ihn wiederbeleben“, schildert die Mutter des Angeklagten.
An dem Prozess nehmen zwei Rechtsmediziner, die sich für die Stichverletzungen interessieren, und ein Psychiater, der zur Schuldfrage des Angeklagten gehört wird, teil. Der Prozess wird am 21. April fortgesetzt.