Rhein-Pfalz Kreis Zwei Probleme an einem Ort
«Fussgönheim.» Die zentrale Frage lautet: Und wer macht dann das Klo sauber? Und ab wann ist eine Toilette eigentlich „stark verschmutzt“? Denn dann sind die sanitären Anlagen der ehemaligen Gaststätte des ASV Fußgönheim vom Nutzer zu reinigen. So sieht es der Satzungsentwurf vor, der das Mieten der leerstehenden Wirtschaft regelt. „Bislang gab es aber noch keine Probleme“, sagt Klaus Weiler (CDU), als Beigeordneter zuständig für die Mehrzweckhalle und andere gemeindeeigene Gebäude. „Ich kontrolliere immer selbst.“ Bislang war also alles picobello im ehemaligen Vereinsheim. Weil die Nachfrage nach einem Gastraum für private Feiern vorhanden ist, würde Weiler es gerne offiziell in das Portfolio der Gemeinde aufnehmen. So lange eben, bis sich eine andere Möglichkeit für den Raum auftut. „Kosten entstehen, egal ob die Gaststätte leersteht oder nicht“, sagt Weiler. Ist sie immer mal wieder vermietet, wären zumindest die laufenden Kosten halbwegs gedeckt. Dass die Gaststätte überhaupt zum Leerstand wurde, hat einen Grund. Es ist offenbar nicht absehbar, dass dort eine Arztpraxis entsteht. Diese Idee hatte Fußgönheims Ortsbürgermeisterin Marie-Luise Klein (SPD) Mitte 2017 ins Spiel gebracht und war auf Zustimmung im Ortsgemeinderat gestoßen. Das Dorf braucht einen Allgemeinmediziner – und die Gaststätte war die einzige Möglichkeit der Gemeinde, ein eigenes Gebäude anzubieten. Kurzerhand löste die Gemeinde den Vertrag mit dem Gaststätten-Pächter zum Jahresende. Denn die Wirtschaft sei seit Jahren nicht mehr gut gelaufen und habe viele Pächter-Wechsel erlebt, argumentierte Klein. Das brachte ihr jedoch Kritik des ASV Fußgönheim ein, dessen Vereinsheim die Gaststätte war. Die aktuelle Situation ist für beide Seiten nicht zufriedenstellend: Dem ASV fehlt das Klubhaus – und Fußgönheim ein Arzt. Gaststätten-Aus und kein Arzt, der sich niederlassen möchte, in Fußgönheim kommen in einem Gebäude zwei Probleme zusammen. Dabei gab es durchaus Interessenten, wie Bürgermeisterin Klein betont. Zwei Ärzte hatten sich entschieden, gemeinsame Sache zu machen und eine Praxis zu eröffnen. Das entsprach dem Wunsch Kleins, hätten sich beide doch gegenseitig während des Urlaubs vertreten können und die Versorgung im Dorf wäre sichergestellt gewesen. Dass sie lange im Hintergrund mit den Ärzten verhandelte, stieß manchen Kommunalpolitikern im Ort böse auf. Sie konnten es nicht nachvollziehen und wünschten sich, dass die Gremien mehr einbezogen würden. Klein blieb bei ihrer Linie. Junge Ärzte seien es gewesen, die sich in Fußgönheim durchaus etwas hätten aufbauen können, ist Klein überzeugt. Die Umbaupläne für die Gaststätte waren bereits gemacht, die Anträge bei den Behörden gestellt und genehmigt. Doch kurz vor Vertragsunterschrift sprang einer der beiden Ärzte ab, weil er ein Angebot erhielt, das er laut Klein nicht ablehnen konnte. „Das hat schon weh getan“, sagt Klein über das Aus. Sie hält weiter Ausschau nach neuen Interessenten, doch wie es weitergeht, ist offen. „Aktuell würde ich keinen Umbau wagen“, sagt Klein, „so ohne Inhalt.“ Sie bezeichnet die Situation als „ganz, ganz schwierig“. „Eine Wiederinbetriebnahme beziehungsweise eine anderweitige Nutzung dieser Räumlichkeiten (gegebenenfalls Arztpraxis) ist momentan nicht absehbar“, heißt es in einem Diskussionspapier für den Ortsgemeinderat, der am Mittwoch zusammenkommt. Der Haupt- und Finanzausschuss hat sich bereits dafür ausgesprochen, die Gaststätte nun auch an Privatpersonen zu vermieten. Nur: Größere Feiern, etwa Kommunionen oder Konfirmationen, sind hier kaum möglich. Die Theke kann zwar als Ablagefläche, aber nicht als Schanktresen genutzt werden. Auch die Küche ist nicht nutzbar. „Essen müsste man selbst mitbringen“, sagt auch Ortsbeigeordneter Klaus Weiler. 80 Euro sollen als Miete für die Gaststätte fällig werden. Inklusive aller Nebenkosten – bis auf die Reinigung eben. Termin Öffentliche Sitzung des Fußgönheimer Ortsgemeinderats, Mittwoch, 27. Februar, 19 Uhr, Rathaus.