Otterstadt
Zwei Jungstörche auf dem Grundschul-Dach beringt
„Sie schauen immer wieder über den Nestrand hinaus“, informiert Andreas Blättner über ein Anzeichen dafür, dass die Jungstörche aus Otterstadt bald flügge werden. Vater und Mutter Adebar lassen ihren Nachwuchs seit Neuestem auch mal für einige Zeit komplett alleine. Bei der extremen Hitze ist aber meist ein Elternteil im Nest gewesen, um mit seinen Schwingen den Jungen Schatten zu spenden. Die Eltern koten bei hohen Temperaturen übrigens auf ihre roten Beine, um diese durch den dann weißen Belag zu kühlen.
Am Samstagmorgen ist Christian Reis, der Leiter der Storchenscheune in Bornheim, die Treppen und Leitern aufs Schuldach in Otterstadt hinaufgestiegen, um das Zwillingspaar zu beringen. „Die beiden Jungen sind damals zeitgleich geschlüpft“, erklärt Blättner die Begriffswahl. Binnen fünf Minuten habe Reis, Mitglied des Vereins Pfalzstorch, den beiden inzwischen stattlichen Adebaren je einen Ring angelegt. Damit kann man bei späteren Sichtungen der Störche, deren Herkunft wie Lebensweg klären.
Bei der Beringung dabei, allerdings nicht in schwindelerregende Höhe auf dem Schuldach, waren die beiden Kinder und die Frau von Reis, wie Blättner mitteilt. Insgesamt kamen ungefähr ein Dutzend Menschen zum Schulhaus, um den wichtigen Lebensabschnitt für den Storchennachwuchs zu begleiten, darunter VHNO-Vorsitzender Otto Berthold und „Storchenvater“ Thilo Toelle. „Im vergangenen Jahr hat der leibliche Storchenvater noch alle Eier aus dem Nest geworfen, weshalb es keinen Nachwuchs gab. Diesmal hat das junge Paar erstmals erfolgreich gebrütet“, ordnet Blättner die Aktion ein.
Nachwuchs auf Kollerinsel
Vor wenigen Tagen sind außerdem sechs Jungstörche in zwei Nestern auf der Kollerinsel beringt worden. Auch diese Bruten, obwohl auf der Gemarkung von Brühl und damit in Baden-Württemberg gelegen, werden vom VHNO betreut. „Zu unserer Überraschung gibt es am Hauptnest auf der Pferdekoppel sogar noch eine dritte Brut. In dem Nest, kaum einen Meter vom benachbarten mit Jungstörchen entfernt, liegen vier Eier. Der Nachwuchs müsste dort bald schlüpfen“, sagt Blättner. Er geht davon aus, dass ein Kind des Storchenpaars, das schon wieder Nachwuchs hat, die weitere Brut dort unternimmt. „Es kann eigentlich nur eine Familie sein, weil Störche sonst keine Nachbarn so nah dulden“, weiß das VHNO-Mitglied.
Es bleibt also spannend im Otterstadter Storchenkosmos. Sobald der weitere Nachwuchs auf der „Koller“ geschlüpft und groß genug ist, soll auch er beringt werden. Ob Männchen oder Weibchen, lässt sich so früh übrigens nur mit einer Blutanalyse feststellen, betont Blättner. Das wurde bei Senderstorch Thilo vor zwei Jahren gemacht – wobei sich herausstellte, dass der Vogel eine Henne ist. Der Sender, der nach Thilos tragischem Stromtod in Spanien vor bald einem Jahr funktionsfähig geborgen wurde, wird für andere Zwecke verwendet, weiß der Otterstadter. „Wenn aber wieder ein Storchenforschungsprojekt entwickelt und genehmigt wird, dann bekommen wir einen Sender von der Vogelwarte Radolfzell“, teilt Blättner mit.