Frankenthaler Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Zum Tag des Toilettenpapiers: So viel Klopapier wird in den Verwaltungen verbraucht

Gähnende Leere im Klopapier-Regal: Einkaufen in Corona-Zeiten war teilweise mehr als nervenaufreibend.
Gähnende Leere im Klopapier-Regal: Einkaufen in Corona-Zeiten war teilweise mehr als nervenaufreibend.

Was waren wir im Frühjahr verzweifelt, wenn wir wiederholt vor dem leeren Regal im Supermarkt standen. Wenn der Typ an der Kasse vor uns mit einem großen Paket der heiß begehrten Ware nach Hause gegangen ist, und wir uns mit saugstarker, aber kratzigen Ökoware begnügen mussten.

Es war kein Spaß, durch drei verschiedene Supermärkte zu tingeln auf der Suche nach dem Alltäglichen, das zeitweise zumindest gefühlt mehr Wert war als alles Gold und Edelsteine auf der Welt zusammen. Maske auf, rein in den Supermarkt, schnurstracks zum Regal und dann: gähnende Leere. Schon wieder! Von wegen „Einmal hin, alles drin“. Nur ein paar Feuchttücher liegen noch beschämt auf dem schnöden grauen Stahl herum. Also „erstmal zu Penny?“ Es hilft ja nichts. Wo sind die ganzen Rollen Klopapier bloß hin? Sitzen denn jetzt alle auf dem Trockenen – oder, na ja?

Zumindest unsere Verwaltungen scheinen besser auf die Klopapier-Krise in der Corona-Krise vorbereitet gewesen zu sein. Eine Anfrage der RHEINPFALZ zum Tag des Toilettenpapiers am 26. August ergab: Klopapier-Krise? Bei uns nicht! Da machen sich die typisch deutsche Bürokratie und Planungslust bezahlt. Mindestens ein halbes Jahr im Voraus sorgt die Verbandsgemeinde (VG) Lambsheim-Heßheim nämlich für den super-soften Nachschub. Wobei: Ganz so luxuriös geht es dort dann doch nicht zu. Das Klopapier, das in allen Schulen, Rathäusern, Feuerwehren, Sporthallen und Kitas zum Einsatz kommt, ist immerhin Recyclingmaterial – dreilagig.

Weniger anspruchsvoll ist man da in Bobenheim-Roxheim. Da geht es weniger um die „Weichheit des Papiers“, teilt man uns mit. Vielmehr stünde die „praktikable Endanwendung“ im Vordergrund. Deshalb auf der Einkaufsliste der Verwaltung: Recyclingpapier und einlagiges Rollenpapier, das jeder „individuell zu seiner gewünschten Blattstärke zusammenlegen kann“. Faltempfehlungen, um den Papierverbrauch in Grenzen zu halten, gibt es jedoch keine. In Bobenheim-Roxheim kümmert sich eben jeder persönlich um sein Geschäft. Die Feinfühligkeit für das Thema ist aber auch beim Bürgermeister da: „Die Verwaltung des gemeindeeigenen Klopapiers ist eine hohe Kunst, die man als Bürgermeister eigentlich nur Personal mit der Befähigung für den Höheren Dienst überträgt, oder am besten gleich zur Chefsache erklärt“, teilt Michael Müller (SPD) mit einem Augenzwinkern mit.

Kein Blatt vor den Mund nehmen die Verwaltungen auch mit Blick auf die Zahlen: Rund 2400 Rollen werden in Bobenheim-Roxheim pro Jahr verbraucht – in den örtlichen Schulen, Kitas, dem Betriebshof, der Feuerwehr, in Jahnhalle, Kurpfalztreff, Rathaus und Heimatmuseum. Kosten dafür: Knapp 1000 Euro. Deutlich mehr fürs Klopapier ausgeben müssen da die beiden Verbandsgemeinden. Etwa 12.000 Rollen muss das Team von VG-Bürgermeister Michael Reith (SPD) pro Jahr für die Sitzungen vor und nach den Ratssitzungen und alle gemeindeeigenen Einrichtungen einplanen. Nahezu blattgenau kann die VG Leiningerland ihren Verbrauch von weißem, zweilagigem Recyclingpapier und dreilagigem Zellstoffpapier beziffern: 32.068 Rollen Toilettenpapier wurden dort im Jahr 2019 verbraucht. Besonders viel Toilettenpapier abgerollt wird laut Verwaltung beim Winzerfest in Bockenheim, beim Marathon Deutsche Weinstraße und beim Bierfest in Dirmstein. Knapp jeweils 3000 Euro zahlen die beiden Verwaltungen pro Jahr dafür. Das überrascht jetzt wenig: Wo getrunken wird, müssen die Leute halt auch mal wohin.

Fragt sich nur: Was, wenn die zweite Welle kommt? Wird Klopapier dann wieder Mangelware? Vielleicht lohnt da ein Blick auf die aktuellen Einkaufszettel der Verwaltungen. Schließlich hatte die schon bei der ersten Krise in der Krise den richtigen Riecher.

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