Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zum Bibliothekentag: Wie man den Medienbestand aktuell hält

Irene Masih leitet seit sechs Jahren die Bobenheim-Roxheimer Bücherei im Pfalzring 39a.
Irene Masih leitet seit sechs Jahren die Bobenheim-Roxheimer Bücherei im Pfalzring 39a.

Nach welchen Kriterien bestückt man eigentlich eine Gemeindebücherei? Das haben wir anlässlich des Tags der Bibliotheken am 24. Oktober die Bobenheim-Roxheimer Büchereileiterin Irene Masih gefragt.

Frau Masih, wie halten Sie den Medienbestand in Ihrer Bibliothek im Pfalzring aktuell?
Aktualität ist tatsächlich das A und O einer öffentlichen Bücherei. Die Mediennutzung ist im Wandel, und darauf müssen wir reagieren. Neue Medientypen kommen dazu, andere nehmen in der Nutzung ab und werden ersetzt. Ich denke hier an Tonies für Kinder, sie sind bei uns der Renner, rückläufig ist auf der anderen Seite die Nutzung von CDs. Und trotz digitaler Angebote ist es nach wie vor wichtig, unsere Leser kontinuierlich mit Lesestoff zu versorgen und aus dem Riesenangebot der Neuerscheinungen das Richtige auszuwählen. Im Fokus steht dabei immer das Interesse unserer Nutzer. Aktuell sein heißt aber auch, unseren Bestand regelmäßig zu kontrollieren. Sachbücher sind eventuell thematisch nicht mehr von Interesse oder inhaltlich veraltet, Romane zerlesen, dann gehen sie auf jeden Fall aus dem Bestand. Wir arbeiten dabei auch mit Statistiken, nicht mehr genutzte Bücher müssen Platz machen für neue. Es gibt die Richtlinie, ein Zehntel des Bestands jährlich zu erneuern. Diese Quote erreichen wir aber nicht, da setzt uns der Medienetat Grenzen. Schätzungsweise 1700 Titel werden wir bis zum Ende dieses Jahres neu eingearbeitet haben, alles in allem, bei einem Bestand von 26.000 Medien.

Wie ist das bei Belletristik? Sie können ja nicht alle Romane, die im Laufe des Jahres erscheinen, selbst lesen. Wie wählen Sie neue Literatur für Ihr Haus aus?
Vorab lesen geht leider nicht. Mir steht für die Auswahl der Bücher ein Besprechungsdienst zur Verfügung. Er wird wöchentlich geliefert. Darin werden Neuerscheinungen angekündigt, besprochen und für den Einsatz in Bibliotheken bewertet. Die Rezensionen stammen von Kolleginnen und Kollegen aus Bibliotheken und sind ein wertvolles Hilfsmittel. Wir beziehen aber auch ein Spiegel-Bestseller-Abo – die ersten zehn Titel der Liste – und ein Abo mit Titeln sehr gängiger Autoren. Zum Beispiel Charlotte Link, Donna Leon, Iny Lorentz, die dürfen nicht fehlen. Aber gerade bei den Spiegel-Bestsellern sind nicht alle für uns geeignet, da schließe ich immer wieder auch welche aus. Ein Pluspunkt bei Abos ist, dass die Neuerscheinungen sehr schnell in der Ausleihe sind, manchmal sogar schon am Erstverkaufstag. Außerdem werfe ich regelmäßig einen Blick auf die #Booktok-Bestsellerliste. Diese Bücher sind bei uns momentan stark nachgefragt, so ist auch das Regal „New Adult“ entstanden.

Nehmen Sie auch Buchgeschenke an?
Grundsätzlich ja, sie müssen allerdings in unser Konzept passen und eine Lücke füllen. Generell lehnen wir Bücher ab, die älter als fünf Jahre sind. Das widerspricht dem Aktualitätsanspruch. Bei neueren Büchern, die wir nicht einarbeiten, stellen wir dem Spender frei, ob er sie uns für den Bücherflohmarkt überlassen will. So findet das eine oder andere Buch doch noch einen Leser, und es kommt uns auch zugute, denn gebrauchte Bücher geben wir gegen eine Spende ab. Was wir definitiv nicht annehmen, sind alte Enzyklopädien oder medizinische Fachbücher. Neulich wurde uns ein Brockhaus von 1934 angeboten. Da verweise ich dann auf Antiquariate.

Termin

Am Donnerstag, 24. Oktober, dem Tag der Bibliotheken, verschenkt der Förderverein der Gemeindebücherei kostenlose Schnupperausweise für ein Jahr im Wert von 18 Euro. Die Einrichtung hat an dem Tag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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