Rhein-Pfalz Kreis Zuckerrübenacker mit Geschichte

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DIRMSTEIN. Im Norden von Dirmstein, wo die Straße nach Offstein hin abfällt, befindet sich links auf der Höhe die Kranichsweide. Der Flurname ist uralt. „In der Kranichweid“, hieß es bereits im Mittelalter. Woher der Name kommt? Darüber ist man sich im Dorf nicht so ganz einig.

Auf der großen landwirtschaftlichen Nutzfläche werden heute Zuckerrüben angebaut. Früher war dort eine große feuchte Wiese. Als Landefläche für Kraniche, auf deren Speiseplan Frösche, Schnecken und Würmer stehen, war sie sicher ideal. „Dort stand immer viel Wasser. Es war ein Kranichgebiet, und heute noch sind um Dirmstein herum viele Kraniche zu sehen“, sagt Klaus Petermann, der Vorsitzende des Vereins für Umwelt-, Dorf- und Landschaftsschutz Alte Sandkaut. Die hochbeinigen Schreitvögel mit dem langen Hals und der schwarz-weißen Kopf- und Halszeichnung legen jährlich mehrere Tausend Kilometer zurück, um vom Norden in ihre warmen Überwinterungsgebiete nach Südfrankreich, Spanien und Afrika zu kommen. Ein Feuchtgebiet wie die Kranichsweide eignet sich hervorragend als Rastplatz. Von daher erscheint es recht plausibel, dass der Gemarkungsname durch die Kraniche entstand. Doch darüber streiten sich die Geister. „Es besteht nämlich auch die Möglichkeit, dass der Name von einem alten Dirmsteiner Adelsgeschlecht kommt“, sagt Petermann. „Wo die Kranichsweide liegt, waren früher große Güter von Adligen.“ Petermann erzählt, dass dieses Flurstück, das vor vielen Hundert Jahren einmal Wiese war, später an die Dirmsteiner Nonnen gegeben wurde. Der Kranich wurde nicht nur in alten Fabeln und Gedichten erwähnt, er spielte auch als Wappentier eine Rolle. Etliche Fürstenhäuser und Grafen führten ihn als Sinnbild für Wachsamkeit in ihrem Wappen. Zum Beispiel die Pfälzer Familie Kranich von Kirchheim (auch Kranch oder Cranch von Kirchheim), mit der andere Adelsfamilien, wie die Kranich von Dirmstein verwandt waren. Laut dem Kirchheimer Heimatgeschichtler Heinrich Julius Keller wurden die ersten Namensträger im 13. Jahrhundert erwähnt. Ein bekannter Vertreter der Familie ist Johann Kranich von Kirchheim. Der um 1455 geborene katholische Priester war später Domherr im Fürstbistum Speyer. Wie Christian Friedrich August von Meding in dem 1791 erschienenen Buch „Nachricht von adelichen Wapen, Band 3“ erwähnt, starb die Familie mit dem Tod von Johann Kranich von Kirchheim 1534 aus. Der Wappenstein der Adelsfamilie, der einen Kranich mit angehobener rechter Kralle zeigt, wird im Speyerer Dom aufbewahrt. Hennel Kranich von Dirmstein, ein Spross der Dirmsteiner Adelsfamilie, hat sich über die Pfalz hinaus einen Namen gemacht: Er wird zunächst im Zusammenhang mit dem bischöflichen Schloss in Dirmstein, einst der Sommersitz der Fürstbischöfe von Worms, erwähnt. In einer Dokumentation, in der alle adeligen Burgherren, die mit seiner Bewachung seit dem 12. Jahrhundert beauftragt waren, aufgelistet sind, ist auch sein Name zu finden. Nach 1398 war Hennel Kranich von Dirmstein der dortige Burgmann. Wie in einer Schrift anlässlich des 675. Jubiläums von Darmstadt zu lesen ist, wurde dem Dirmsteiner Ritter dann 1399 von den Grafen von Katzenelnbogen das Schlösschen Einsiedel-Rod als Besoldungslehen übertragen. Später wurde es auch als„Kranichrod bezeichnet. Das heutige Jagdschloss Kranichstein im gleichnamigen Darmstädter Stadtteil, erhielt seinen Namen also von seinem Vorbesitzer, Hennel Kranich von Dirmstein. (bvo)

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