Rhein-Pfalz Kreis Zauberei 4.0
Mit einem fesselnden Mix aus Zaubertricks, Stunts und Comedy begeisterte Illusionist Steve Waite am Sonntag- und Montagabend das Publikum beim Gastspiel in seiner alten Heimat Bobenheim-Roxheim.
0:53, 0:52, 0:51 – die Uhr vor der Bühne tickt rückwärts. Als der Countdown abgelaufen ist, öffnet sich der Vorhang und es geht ohrenbetäubend los: Hardrock zwischen Stahlplatten, Hebebühnen und Metallgestellen, zwei Gogo-Tänzerinnen heizen ein, als Schweißer lässt Steve Waite die Funken sprühen und erscheint – Sekunden vorher noch im Schutzanzug – plötzlich ganz in Zivil hinten im Saal. Nach der fulminanten Eröffnung macht er in der nicht ganz ausverkauften Jahn-Halle erstmal Fingerübungen mit dem Publikum. Comedy hat Waite auch drauf, die Zuschauer sind begeistert. Mit 24 Jahren Bühnenerfahrung weiß der Bobenheim-Roxheimer, was ankommt: Technik und Risiko, Interaktion und ein Hauch Erotik. In seiner zweistündigen Show hat Waite das verstaubte Image von Zauberei aus der Kaninchen-Zylinder-Ära hinter sich gelassen. Tricks aus dem Tischzauberkasten werden höchstens ironisch zitiert. Selbst altbekannten Kartentricks gewinnt der 40-Jährige neue interaktive Dimensionen ab – etwa durch WhatsApp-Videoübertragung. Waite kommt dabei ohne wehenden Umhang aus, präsentiert seine Zauberei 4.0 zwischen Fingertrick und Fesselnummer mit cooler Lässigkeit. Immer wieder schmeißt er Backsteine und holt sich Leute aus dem Publikum auf die Bühne. Mit Close-Up-Magie, kammerspielartigen Tricks unter vier Augen, verblüfft er die Zuschauer. Da darf etwa ein älterer Herr Tänzerin Kimmys burlesken Stuhl-Tanz genießen, bis die Schattenriss-Erotik im Personentausch gipfelt. Verschwindetricks sind Steve Waites Spezialität. Eine andere sind die Entfesselungen. Sein berühmter Vorgänger Harry Houdini (1874-1926) starb einst im Wassertank. Steve Waite jedoch glückt die Selbstbefreiung aus Stahlketten und Vorhängeschlössern binnen drei Minuten. Die Großillusion setzte den Schlusspunkt unter die erste Programmhälfte. Fesseln, befreien, auftauchen, verschwinden. Nach der Pause muss Assistentin Pavi dran glauben und gleich mehrere Publikumskandidaten. Der Plot des Films „Zurück in die Zukunft“ gibt das Motiv für die Teleportation vor. Immer mit auf der Bühne sind Steve Waites „Bauarbeiter“-Assistenten Christoph und Olli an der Kamera. Im Hintergrund wuseln noch Daniel und Nick Jannick, für Ton und Licht sorgen Niklas und Christina. Der magische Wanderzirkus agiert hochprofessionell, ist bestens eingespielt und genießt in der Showbranche internationales Renommee. Großillusionen und Stunts sind das eine, doch Steve Waite beherrscht auch die leisen Töne. So zaubert er einer Zuschauerin ganz romantisch eine Ketchupflasche aus dem Seidentuch. Dass er auch mentale Magie beherrscht, beweist Steve Waite beim Abgleich von Namens- und Zahlenbotschaften, die am Ende in einer verschlossenen Werkzeugkiste gefunden werden. Zum Finale erinnert der gefeierte Magier ganz unprätentiös an einen in seiner Jugend verpatzten Papierschnipseltrick – und lässt für seinen verstorbenen Vater ein goldenes Flittergestöber über die Bühne wehen. Publikumsnah zeigt sich Steve Waite auch nach der Show im Foyer der Jahn-Halle. Vor der Plakatwand, die Assistentinnen Kimmy und Pavi im Arm, posiert der Magier mit den Fans und hat den ein oder anderen lockeren Spruch auf den Lippen. Starallüren Fehlanzeige, der Steve ist zum Anfassen: „Der kummt wie wir aus de Marktstrooß“ berichtet ein älteres Damentrio aufgeregt und tritt mit strahlenden Gesichtern den Heimweg an. Verzaubert hat Steve Waite sie an diesem Abend alle.