Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wunsch: Historisches Haus soll kultureller Treffpunkt werden

Judith und Georg Burkart stecken viel Zeit und Kraft in ihr Häuschen. Bei dem Projekt ist Geduld gefragt.
Judith und Georg Burkart stecken viel Zeit und Kraft in ihr Häuschen. Bei dem Projekt ist Geduld gefragt.

Judith und Georg Burkart sanieren mit großem Fleiß ein uraltes Haus in Roxheim. Jetzt steht das Geschwisterpaar vor der Frage: Was wollen wir eigentlich damit? Es zu einem Künstlertreffpunkt mit Café zu machen, wäre eine Möglichkeit. Sofern die Hürden dafür nicht zu hoch sind.

Seit dem Tod der Großmutter Hedwig Graber 1972 steht das Erbe von Georg Burkart und seiner Schwester Judith leer. Zu sagen, dass in der Friedrich-Ebert-Straße 10 erst jetzt wieder Leben einkehrt, wäre nicht richtig. Denn: „Seit zwölf Jahren machen wir jetzt hier herum“, sagt die 66-Jährige Rentnerin, die früher in Mannheim gelebt hat und jetzt in Bobenheim-Roxheim wohnt. Viele Urlaube und Wochenenden haben die beiden schwer arbeitend in dem alten Gemäuer verbracht.

Um 1750 erbaut

Erbaut wurde das eher klein zu nennende Haus mit Hof und Stall um 1750 herum. „Bäuerliches Barock“, sagt Judith Burkart. Seitdem sei es im Besitz der Familie. Die Großmutter hielt recht viele Tiere auf dem kleinen bäuerlichen Anwesen. Die Enkel erinnern sich an Pferde, Kühe, Schweine, Hühner und Ziegen. Und an Gänse, die morgens zum nahen Altrhein watschelten und abends schnatternd heimkehrten. Nach dem Tod der Oma fiel die Immobilie in einen Dornröschenschlaf, bis die Familie nach der Jahrtausendwende anfing, über eine Sanierung nachzudenken. Dem Vorschlag der Gemeinde, alles abzureißen und zugunsten öffentlicher Parkplätze zu verkaufen, wollte man nicht folgen. Und auch die Vermietung zu Wohnzwecken schien nicht die richtige Idee zu sein.

Vielmehr ließ die Geschwister der Gedanke nicht los, an die frühere Nutzung als Forsthaus, in dem Reisende bewirtet wurden, anzuknüpfen. Und so könnte man sagen: Seit mehr als zehn Jahren renovieren sie die Immobilie in mühevoller, aber auch befriedigender Kleinarbeit auf ihre Verwendung als Café hin. Nur wenig, etwa Dachstuhl, Fenster oder Hofpflaster, haben sie Profis machen lassen, das meiste haben sie mit Geschick autodidaktisch bewältigt. „Das Dach haben wir im Winter selbst gedeckt“, gibt Georg Burkart (59), von Beruf freier Bildberichterstatter, ein Beispiel. „Das war ziemlich kalt, aber auch ein toller Ausblick da oben.“ Schächte für Wasser und Abwasserleitungen, die Drainage für den Überlauf der Regenwasserzisterne und vieles, vieles mehr wurde langsam, Stück für Stück und je nach Budget bewältigt. „Das kann ein Paradies werden, aber auch teurer kommen als ein Neubau.“ So zitieren die Besitzer ihren Architekten, den Bobenheim-Roxheimer Tobias Walter. Ihm sind sie für die Unterstützung dankbar, denn: „Oft genug hatten wir gehört: Das geht nicht, das Haus zu erhalten“, sagt Judith Burkart.

Problem Stellplätze

Längst ist nicht alles fertig in dem Häuschen, dass nah am Vorderen Roxheimer Altrhein liegt, wo Einheimische wie Auswärtige Erholung finden und eine außergewöhnliche Landschaft genießen, aber kaum irgendwo einzukehren können. Der Traum der Burkarts wäre es deshalb, ihr Haus den Bobenheim-Roxheimern von März bis Oktober an Wochenenden als Minigaststätte und kulturellen Treffpunkt zur Verfügung zu stellen. Im 25 Quadratmeter großen Gastraum, der schon jetzt mit alten Möbeln und Geschirr bezaubert, könnten vier oder fünf Tische stehen, im großzügig und modern ausgebauten Dachgeschoss wäre genug Platz für Lesungen, Ausstellungen und kleine Konzerte. Auch ein Reparaturcafé oder einen Handarbeitstreff könnten sich die Geschwister gut vorstellen. Die neue Küche wurde „lebensmitteltauglich“ eingerichtet, und auch in puncto Sanitäranlagen steht dem Cafébetrieb an sich wohl nichts entgegen, das habe ein Vertreter der Gewerbeaufsicht nach einer Besichtigung schon angedeutet.

Ihr Vorhaben steht und fällt aber eventuell mit den gemeindlichen Vorgaben für Autostellplätze. Die können im Hof des Anwesens nämlich nur in sehr geringer Anzahl eingerichtet werden, und Zehntausende Euro für eine Ausgleichszahlung (Ablöse) können und wollen die Hauseigentümer nicht locker machen. Judith Burkart stellt klar: „Wir wollen ja keinen Gewerbebetrieb eröffnen und damit Geld verdienen, sondern nur einen ansprechenden öffentlichen Raum anbieten, in dem man Kaffee, Limo und Kuchen bekommen kann.“

Vielleicht lasse sich für das Problem eine Lösung finden, sagt auf Anfrage der Leiter der gemeindlichen Bauabteilung, Thomas Krauß. Darüber müsse aber mit der Kreisverwaltung gesprochen werden, bei der die Eigentümer die Nutzungsänderung beantragt haben.

Das Arrangement auf dem Tisch deutet an, wie dieser Raum einmal genutzt werden könnte: als Café.
Das Arrangement auf dem Tisch deutet an, wie dieser Raum einmal genutzt werden könnte: als Café.
Das ehemals kleinbäuerliche Anwesen gehört zu den ältesten in der Gemeinde.
Das ehemals kleinbäuerliche Anwesen gehört zu den ältesten in der Gemeinde.
Blick ins ausgebaute obere Stockwerk. Wie es genutzt werden wird, ist noch unklar.
Blick ins ausgebaute obere Stockwerk. Wie es genutzt werden wird, ist noch unklar.
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