Rhein-Pfalz Kreis „Worst Case“ entgegensteuern
Die Altlasten, die aus der BASF-Deponie auf der Insel Flotzgrün in das Erdreich einsickern, werden noch viele Generationen beschäftigen. Das wurde bei der Präsentation von Armin Bender vom Fachbüro Björnsen Beratende Ingenieure vor dem Römerberger Hauptausschuss deutlich. Die Modellrechnungen, anhand derer vorhergesagt werden soll, ob und wann die Schadstoffe das Trinkwasser in Speyer gefährden könnten, betrachten Zeiträume, die weit über der Spanne eines Menschenlebens liegen. Die gute Nachricht aus Sicht der BASF: Derzeit und auch in den kommenden Jahrzehnten ist das Trinkwasser sicher, das im Speyerer Süden, rund anderthalb Kilometer Luftlinie von der Deponie entfernt, gefördert wird. Bender leitet das aus den Ergebnissen der Proben ab, die die Messstellen rund um die Deponie in den vergangenen Monaten und Jahren aus verschiedenen Tiefen geliefert haben. Besonders interessant ist dabei jene Schicht, die in zirka 70 Metern Tiefe beginnt, denn von hier holen die Speyerer Brunnen das Wasser, das später aus den Wasserhähnen in der Stadt fließt. Wegen der Entnahme strömt – wenn auch sehr langsam – auch Grundwasser aus dem Bereich der Deponie in Richtung Speyerer Wasserwerk. Ein Großteil der Schadstoffe wird über sieben sogenannte „Sanierungsbrunnen“ abgeschöpft. Rund 130.000 Kubikmeter belastetes Wasser pumpt die BASF jährlich so nach oben und bringt es dann mit Schiffen zur werkseigenen Kläranlage nach Ludwigshafen. Trotzdem haben laut Armin Bender im vergangenen Jahr zwei Messstellen, die nordwestlich der Deponie jenseits des Altrheinarms liegen, über einen längeren Zeitraum belastete Proben aus der für die Speyerer Tiefbrunnen relevanten Schicht geliefert: neben dem Pflanzenschutzmittel Mecoprop, anhand dessen Bender den Sachverhalt exemplarisch schilderte, auch Sulfonsäuren und Dioxan/Trioxan. Hier wurden beispielsweise eine Mecoprop-Konzentration von bis zu 0,69 Mikrogramm pro Liter gemessen. Nach der Trinkwasserverordnung sind 0,1 Mikrogramm zulässig. An der letzten Messstelle vor den Brunnen waren die Stoffe hingegen nicht mehr nachweisbar. Anhand der vorliegenden Daten haben die Ingenieure Prognosen erstellt, wie sich die Wasserbelastung an den kommenden Jahrzehnten entwickeln könnte. Das Ergebnis: Sowohl im „günstigsten Fall“ als auch im „konservativen Fall“ würde die Schadstoffkonzentration weit unterhalb der zulässigen Grenzwerte bleiben. Im „Worst-Case-Fall“, also dem denkbar schlechtesten Szenario, das Bender für nicht sehr wahrscheinlich hält, wäre eine Überschreitung der Grenzwerte erst in rund 150 Jahren zu erwarten. Es bestehe also eine ausreichende Reaktionszeit. Damit es nicht zum „Worst Case“ kommt, plant die BASF daher, einen achten Sanierungsbrunnen an der betroffenen Flanke der Deponie in Betrieb zu nehmen. Außerdem, so Bender, soll das Messstellennetz weiter ausgebaut werden – was wegen Naturschutzauflagen nicht immer einfach sei. Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass in Höhe der ersten Messstelle jenseits des Altrheinarms die Schadstoffkonzentration plötzlich zunimmt, könnten dort außerdem kurzfristig fünf Kubikmeter Wasser pro Stunde entnommen werden. Doch auf eine solche Entwicklung gebe es derzeit keine Hinweise, versicherte Bender.