Rhein-Pfalz Kreis „Wollen Durchfahrt unattraktiv machen“

91-92300870.jpg

In einer Einwohnerversammlung haben am Freitagabend 45 Kleinniedesheimer ihrem Unmut über den Verkehr im Ort Luft gemacht. Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim unterbreitete Lösungsvorschläge.

Durch Kleinniedesheim führt eine Nord-Süd-Verbindung von Worms in Richtung Frankenthal, und es gibt eine Abzweigung in der Ortsmitte Richtung Bobenheim-Roxheim. Glaubt man den Anwohnern, so nützt das Gerät, das am Ortseingang von Kleinniedesheim Autofahrern ihre Geschwindigkeit anzeigt, so gut wie nichts. Viele fahren ihrer Beobachtung nach mit mehr als den erlaubten 50 Stundenkilometern durchs Dorf. Enge Gassen und schmale oder – wie in der Großniedesheimer Straße – fehlende Bürgersteige lassen den Verkehr gefühlt und tatsächlich zum Teil sehr dicht an die Häuser rücken (wir berichteten Mitte Juni). Gerade in alten, nicht unterkellerten Häusern, so erklärte am Freitag ein Anwohner, würden durchfahrende Lkw die Tassen im Schrank wackeln lassen. Thomas Bauer, Leiter der Straßenverkehrsbehörde bei der Verbandsgemeinde, stellte die Ergebnisse von mehreren 24-Stunden-Messungen vor. Demnach rollen durch die Großniedesheimer Straße 4500 bis 5400 Pkw pro Tag plus 50 bis 80 Sattelzüge. 85 Prozent dieser Autos passieren das Messgerät in der Engstelle an der Kirche nicht schneller als mit 63 Stundenkilometern. In der Bobenheimer Straße sind es laut Messungen rund 4600 Fahrzeuge, in der Wormser Straße 3600, wobei dort 85 Prozent nicht schneller als mit 71 Stundenkilometern fahren. In der Versammlung äußerten Anwohner Wünsche, die nicht realisierbar sind, zum Beispiel eine Umgehungsstraße oder das Versetzen des Ortseingangsschilds, um den Verkehr frühzeitig abzubremsen. Einen Zebrastreifen aufzumalen erfordert eine gewisse Anzahl von täglich die Fahrbahn querenden Fußgängern, und Starenkästen, also fest installierte Radargeräte, würden mittlerweile als „moderne Wegelagerei“ angesehen, erklärte der neue Leiter der Polizeiinspektion Frankenthal, Thomas Lebkücher. Zudem werde bei solchen Blitzern nur kurzzeitig abgebremst und gleich wieder beschleunigt. Der anwesende Landtagsabgeordnete Martin Haller (SPD) gab außerdem zu bedenken, dass am Ende vor allem die Anwohner Gefahr liefen, geblitzt zu werden. Unmöglich ist es laut Ordnungsamtsleiter Thomas Bauer, die innerörtlich verlaufenden Landesstraßen in Dorfstraßen umzufunktionieren und damit ein Lkw-Durchfahrverbot zu erreichen. Denn erstens müsste die Gemeinde die Straßen dann selbst unterhalten, und zweitens sei die Strecke durch Kleinniedesheim eine Umleitungsoption, falls es auf der Autobahn zur Sperrung kommt. Polizeivertreter Lebkücher informierte, dass am 12. Dezember die „Unfallkommission Verkehrsplanung“ tage wegen der unfallträchtigen Landesstraßen 556 und 557. Er empfahl, deren innerörtlichen Verlauf mit in die Verkehrsplanung aufnehmen zu lassen – auch wenn es dort zwischen dem 1. Dezember 2015 und dem 1. Dezember 2016 nur sieben polizeilich gemeldete Verkehrsunfälle mit zwei Leichtverletzten gegeben habe. In einem Fall habe ein Kind an der falschen Stelle die Fahrbahn überquert, der zweite sei ein Auffahrunfall gewesen. Die Polizei kann die Behauptung, dass innerhalb von Kleinniedesheim gerast wird, nicht bestätigen. Die Wahrnehmung von Geschwindigkeit unterscheide sich von der tatsächlich gemessenen, sagte Lebkücher. „Wir müssen aus der Bauchlage in eine Sachlage wechseln.“ Die Polizei werde sich dennoch an einem Gesamtkonzept beteiligen: „Am Ende wird ein Kompromiss stehen.“ Der Wunsch nach Tempo 30 werde nicht zum Ziel führen, waren sich die Fachleute einig. Thomas Bauer favorisiert ein Gesamtpaket mit alternierendem Parken und der optischen Hervorhebung von Engstellen. Erst im zweiten Schritt sollten teure bauliche Verengungen überlegt werden. Dass alternierende Parkflächen den Landwirten mit großen Maschinen Probleme brächten, das Chaos damit programmiert sei, warfen Anwohner ein. Ständiges Bremsen und Anfahren erhöhe zudem die Lärm- und Abgasbelastung. Die Antwort der Experten: „Wir wollen die Durchfahrt möglichst unattraktiv machen.“ Genaueres zum weiteren Vorgehen oder einen Zeitplan konnte die Verwaltung den Bürgern nicht mit nach Hause geben. Wohl aber, so versicherte VG-Chef Reith, würden Gespräche mit der Polizei und dem Landesbetrieb Mobilität geführt, der eine eigene Geschwindigkeitsmessung bereits zugesagt habe. Vielleicht werde auch ein Verkehrsplaner eingeschaltet, der Vorschläge zur innerörtlichen Geschwindigkeitsreduzierung ausarbeiten könnte.

x