Rhein-Pfalz Kreis Wohnzimmer für Patienten

Ein Wohnzimmer für Patienten mit Sesseln, Fernseher und Kaffeebar – diesen Traum hat sich Allgemeinmediziner Jörg Sichau mit seinen neuen Praxisräumen im Pfalzring 27 erfüllt. Eröffnung ist am Mittwoch, 1. April. Sichau, der bisher in der Haardtstraße praktizierte, plant eine Vergrößerung des Teams und ausgedehnte Öffnungszeiten, um dem auch in Bobenheim-Roxheim spürbaren Landärztemangel entgegenzutreten.
Fünf niedergelassene Allgemeinmediziner gibt es derzeit noch in Bobenheim-Roxheim. Sichau ist nach eigener Aussage mit 53 Jahren der Zweitjüngste. Für viele ältere Kollegen zeichne sich bereits ab, dass sie keinen Nachfolger finden werden. Denn den medizinischen Nachwuchs ziehe es immer weniger in die Selbstständigkeit. „Vollblutmediziner, die ihr Leben ganz in den Dienst der Patienten stellen, gibt es kaum noch“, sagt Sichau, der auch die hiesige Bereitschaftsdienstzentrale leitet. „Viele junge Ärzte streben eine geregelte Arbeit an, damit genug Zeit für Familie und Hobbys bleibt.“ Viele fänden es attraktiver, beispielsweise einer Tätigkeit als Arbeitsmediziner in der Industrie nachzugehen, als für eine eigene Praxis verantwortlich zu sein. Ein Trend, den auch Sichau spürt. Mit Blick auf das eigene fortschreitende Alter und steigende Patientenzahlen – Bobenheim-Roxheim hat in den letzten Jahren an Einwohnern zugelegt, außerdem nimmt aufgrund des demografischen Wandels der Anteil älterer Menschen zu – will der Wormser weitere Ärzte einstellen. Doch das ist gar nicht so einfach, nicht nur aus den oben genannten Gründen. Für jeden angestellten Kollegen muss Sichau einen Antrag bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) stellen. Die schreibt vor, wie viele Mediziner in einer Region niedergelassen und tätig sein dürfen. Weil laut KV bei Allgemeinmedizinern im Bereich Frankenthal, zu dem Bobenheim-Roxheim zählt, Überversorgung herrscht, gibt es derzeit einen Niederlassungsstopp. „Kaum eine Arbeit ist so stark reglementiert wie die von Ärzten“, meint Sichau. Dennoch sei Allgemeinmediziner sein Traumberuf, weil man mit allen Krankheitsbildern konfrontiert werde und einen engen Kontakt zu den Patienten habe. „Oft sind ganze Familien bei mir in Behandlung.“ Seit 2001 praktiziert Sichau in Bobenheim-Roxheim. Sein Wunsch: eine Patientenversorgung rund um die Uhr. Sobald der Mediziner weitere Mitstreiter gefunden hat – ein Kollege komme bereits in einigen Monaten als Teilzeitkraft hinzu – soll die Praxis Kernöffnungszeiten von 7 bis 19 Uhr haben und Anlaufstelle sein, wenn der ärztliche Bereitschaftsdienst nicht mehr oder noch nicht greift. Doch zunächst stemmt Jörg Sichau die Arbeit wie in der alten Zweiraum-Praxis in der Haardtstraße alleine mit seiner Frau Ingrid, die den Empfang managt, und einer Arzthelferin. Auch in diesem Bereich soll das Team künftig wachsen. Platz genug hat Sichau, der aus dem internistisch-radiologischen Bereich kommt und auch Diabetologie, Chirotherapie und Schilddrüsendiagnostik anbietet, im neuen, 250 Quadratmeter großen Domizil, das zuvor eine Bank beherbergte. Vom Kurpfalzplatz aus gelangt man barrierefrei in den rund 100 Quadratmeter großen Empfangsbereich, der mit Hochglanztresen, Sesseln, Kaffeebar und großem Fernseher wie eine Bar oder Lounge aussieht. Im hinteren Bereich schließen sich vier Behandlungsräume an. Alle Zimmer zieren Kunstobjekte, die geistig Behinderte aus dem Atelier Blau der Wormser Lebenshilfe angefertigt haben. Auf dem Esstisch steht frisches Obst, auch eine großzügige Kinderspielecke gibt es. „Unser Wartezimmer soll ein Treffpunkt sein, in dem die Patienten unterhalten werden und sich entspannen können.“ (gnk)