Rhein-Pfalz Kreis Wohngruppe nicht spruchreif

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Dannstadt-Schauernheim. Wer möchte in der Untergasse 34 im Ortsteil Schauernheim Jugendliche stationär unterbringen? Welche Jugendlichen und wozu? Diese Fragen waren aufgetaucht, nachdem der Ortsgemeinderat Dannstadt-Schauernheim im März grünes Licht für ein solches Vorhaben gegeben hatte. RHEINPFALZ-Recherchen haben ergeben: Die Evangelische Heimstiftung Pfalz erwägt, dort eine Wohngruppe unterzubringen. Doch sicher ist das noch nicht.

Aus den Unterlagen der Dannstadt-Schauernheimer Gemeindeverwaltung ging lediglich hervor, dass in der ehemaligen Pension eventuell eine stationäre Wohngruppe für maximal zwölf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 18 Jahren untergebracht werden soll. Fragen der Ratsmitglieder nach dem Träger einer solchen Einrichtung und Angaben zu den Kindern und Jugendlichen konnten die Vertreter der Verwaltung nicht beantworten. Sie wiesen darauf hin, dass der Rat ausschließlich über den baurechtlichen Aspekt zu befinden habe (wir berichteten). Auf Nachfrage bei der Kreisverwaltung in Ludwigshafen, die über die Bauvoranfrage entscheidet, hat sich herausgestellt, dass die Evangelische Heimstiftung Pfalz Interesse an der zum Verkauf stehenden Immobilie bekundet hat. Das bestätigt der stellvertretende Geschäftsführer Michael Beck im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Wir suchen derzeit nach einem neuen Quartier für eine Wohngruppe in Schifferstadt, weil sich die Unterkunft dort in einem schlechten Zustand befindet“, erläutert er. Insgesamt ist die Evangelische Heimstiftung Träger von sieben solcher Gruppen und neben Schifferstadt auch in Ludwigshafen, Neustadt und Speyer aktiv. Betreiber ist Beck zufolge das Jugenddorf Haßloch. In der Gruppe, die möglicherweise nach Schauernheim umzieht, seien Kinder und Jugendliche untergebracht, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr zu Hause leben können. Als Beispiele nennt er Misshandlung durch die Eltern beziehungsweise Vernachlässigung, sprich, Kindeswohlgefährdungen. Das Ziel der Wohngruppe bestehe darin, den Betroffenen ein möglichst familienanaloges Leben und die Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen. „Dazu erstellen wir bei der Aufnahme in eine Wohngruppe ein Gutachten, in welchen Belangen sie Hilfe benötigen. Dann entwickeln wir ein individuelles Betreuungsprogramm“, erklärt Beck. Selbstverständlich handle es sich bei den Jugendlichen, die aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen, bisweilen nicht um Chorknaben, „aber es sind auch keine Schwerkriminellen“. Derartige Hilfsprojekte biete die Evangelische Heimstiftung schon seit Jahrzehnten an vielen Standorten an, zu Vorfällen oder sogar bedrohlichen Situationen für die Nachbarn sei es noch nie gekommen. „Es geht für die Kinder und Jugendlichen ja nicht zuletzt auch darum, von ihrem Umfeld akzeptiert zu werden und sich entsprechend zu verhalten“, hebt er hervor. Darüber hinaus sind sie nach seinen Angaben tagsüber in der Regel in der Schule, absolvieren eine Ausbildung oder besuchen die Förderwerkstätte in Haßloch. Und es sei stets ein festes Betreuerteam in der Wohngruppe. Ob der Umzug nach Schauernheim tatsächlich erfolgt, ist laut Beck aber noch vollkommen offen. „Wir müssen zunächst klären, ob das Anwesen für unsere Zwecke geeignet ist. Dafür haben wir die Bauvoranfrage gestellt“, erklärt er. Zurzeit stelle der Makler zusätzliche Unterlagen zusammen, die die Kreisverwaltung angefordert habe. Dann bleibe deren Rückmeldung abzuwarten. „Es müssen außerdem noch technische Fragen beantwortet werden, damit wir wissen, was dort noch alles zu tun wäre und ob sich die Wohngruppe wirtschaftlich umsetzen lässt“, fasst er zusammen. Als Beispiel nennt er Sicherheitsvorkehrungen, die vor allem den Brandschutz betreffen. Da noch nichts spruchreif sei, habe die Evangelische Heimstiftung noch keine weiteren Schritte unternommen. „Wir sind noch in einem ganz frühen Stadium“, bekräftigt Beck. Es habe noch keine Verhandlungen gegeben, ja noch nicht einmal Gespräche mit der Eigentümerin. „Sobald sich jedoch abzeichnet, dass wir das Anwesen wirklich kaufen, werden wir uns bei den Nachbarn und den örtlichen Politikern vorstellen, unser Konzept erläutern und Fragen beantworten“, sagt Beck. So handhabe die Evangelische Heimstiftung das immer. „Denn der Erfolg einer Wohngruppe hängt nicht zuletzt davon ab, dass sie von ihrem Umfeld angenommen wird, die Jugendlichen in Not nicht erneut auf Ablehnung stoßen“, erklärt er.

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