Land und Leute Wochenendkolumne: Von schmerzlicher Erinnerung
Schöner Schmerz
Partnerschaften mit anderen Gemeinden sind wunderbar, man kann andere Kulturen hautnah erleben. Das sind tolle, bleibende Erinnerungen – meistens zumindest. Manchmal ist es aber auch schmerzhaft, was den Erinnerungswert vielleicht noch einmal erhöht. So prozentual … und das in zweifacher Hinsicht. So geschehen im Jahr 2002, als die Gemeinden Mutterstadt und Praszka in Zentralpolen ihre Partnerschaft besiegelten. Eine etwa 40-köpfige Delegation machte sich auf den Weg gen Osten, dort bekam sie die volle Ladung polnischer Gastfreundschaft zu spüren. Wie Staatsgäste wurden die Mutterstadter hofiert, inklusive eines brausenden Festes am Abend … mit – na klar – Wodka. Ein Getränk, das unter anderem in Polen gebrannt und pur getrunken wird. Und auch pur schmeckt! Das Nationalgetränk, das die Praszkaer ausschenken, hat einen samtig weichen Geschmack mit einer leichten Vanillenote – also: Suchtpotenzial. Vor allem, wenn es gerade so gemütlich ist. Wie die RHEINPFALZ aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, wurde das damals einigen Personen aus der deutschen Delegation zum Verhängnis. Sie hörten nicht auf den gut gemeinten Rat des damaligen polnischen Bürgermeisters, Ryszard Karaszewski: Wodka ja, gern auch viel, aber NUR Wodka und Wasser, bitte! Oder mit anderen Worten: Wodka und Bier – das schmerzt Dir! Jene Personen, die diesen Rat überhörten, soll man drei Tage lang nicht mehr gesehen haben. Ihr Leid schrieb sich tief in die Annalen der deutsch-polnischen Partnerschaft ein. Hach ja, solche Geschichten sind das Fundament langer Freundschaften.
wünscht Doreen Reber