Land und Leute RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenendkolumne Überraschungspakete, Gummibäume und Tränen

Überraschungspaket vor dem Rathaus.
Überraschungspaket vor dem Rathaus.

Was den Rhein-Pfalz-Kreis in dieser Woche beschäftigt hat. Kurioses, Abseitiges – und nicht ganz ernst Gemeintes aus den Dörfern.

Schilderklau: Hä? I

Die bösen Buben im Rhein-Pfalz-Kreis versuchen derzeit, sich gegenseitig zu übertrumpfen mit Aktionen, die uns in der Redaktion kopfschüttelnd und ratlos zurücklassen. Die erste Reaktion ist in der Regel typisch pfälzisch: Hä? So auch zu Beginn der Woche, als wir vom Diebstahl der Ortseingangsschilder in Fußgönheim erfuhren. Doch die Geschichte hat allem Anschein nach noch mal ein relativ glimpfliches Ende gefunden. Denn am Freitag meldete Ortsbürgermeister Jochen Schubert (FWG) den Fund eines Pakets vor dem Fußgönheimer Rathaus. Besser gesagt: ein Ensemble aus Schokolade, Sekt, Paket und Entschuldigungsbrief. In letzterem schreiben die Delinquenten, dass es ein Scherz von Fußliebhabern gewesen sei, der seinen Anfang im Sozialen Netzwerk Instagram genommen habe. Allerdings hat die Fußliebhaber nach Lektüre des RHEINPFALZ-Artikels zu dem Diebstahl offenbar das schlechte Gewissen geplagt. Es sei ihnen nicht bewusst gewesen, dass sie solch einen großen Schaden anrichten. Man hoffe, dass es Schubert mit Humor nehme und als Ehrung sehe. So weit wird es wohl nicht kommen. Aber immerhin weiß man jetzt wieder, in welchen Ort man fährt, wenn man nach Fußgönheim kommt.

Gummibaum: Hä? II

Hä? Diese Reaktion zeigten wir noch einmal Mitte der Woche, als uns ein Kollege ein Foto schickte, darauf ein Baum, dessen Stamm über und über mit Kaugummis beklebt ist. Und dieser Baum ist nur einer von acht, die im Wald zwischen Mutterstadt und Limburgerhof stehen und durch unbekannte Wiederkäuer zu Gummibäumen wurden. Wir wollen hier die Rindviecher nicht beleidigen, aber für den Quatsch muss man schon sehr viel käuen. Uns bleibt da die Spucke weg. Wir spüren ein leichtes Ziehen in den Kaumuskeln und verfallen ins Grübeln. Was ist das Motiv? Umweltaktivisten schließen wir aus. Die kleben sich selbst fest. Außerdem lieben sie Bäume. Es sind auch keine Klebefallen für böse Borkenkäfer oder anderes Getier. Im Gegenteil, der Förster ist empört. Kaugummi ist Kunststoff und baut sich nicht ab, sagt er. Das war mal anders. Erstaunlicherweise pappt die künstliche Klebemasse nämlich nun dort, wo der Kaugummi ursprünglich herkommt. Bereits vor 9000 Jahren sollen Menschen Harz gekaut haben. Die Ägypter bissen auf Weihrauch herum, die Griechen auf Mastix, das ist das Harz der Pistazie, und die Maya auf Chicle, dem Baumsaft des im Regenwald wachsenden Sapotillabaums. 1857 wurde das Kaugummikauen kommerziell. Der Amerikaner Thomas Adams kam auf die Idee, Kaugummis aus Chicle zu produzieren: Sie wurden ein Verkaufsschlager. Kurz darauf stieg William Wrigley Jr. aus Chicago ins Geschäft ein. Doch das ist Geschichte. Heute ist Kaugummi gar nicht mehr natürlich. Und deshalb muss er von den Bäumen. DNA-Abdrücke der Wiederkäuer im Mutterstadter Wald sind genommen. Die Fahnder sind den Rindviechern, tschuldigung, Baumklebern auf der Spur, wie es aus internen Ermittlerkreisen heißt, und wir freuen uns aufs nächste Foto. Dann machen wir Haha! und nicht Hä? Denn es sieht schon doof aus, wenn man Tausende von Kaugummis mühselig vom Baum kratzen muss.

Hoi-Doi’s: Raus mit Applaus

„Ja ja, mer gehn noch net häm“ haben sie gesungen, auf der Bühne der Böhler Hängsching, bei anderen Festen in der Region und auch mal im SWR-Fernsehen. Gegen zwei Uhr nachts haben die Hoi-Doi’s in der Nacht ihres letzten Prunksitzungsauftritts dann aber doch ihre Instrumente eingepackt und sind nach Hause gegangen. Emotional wurde es aber schon lange vorher: „Die ersten Tränchen sind schon davor hinter der Bühne geflossen“, erzählt Schlagzeuger Klaus Hartmann. „Zeit für uns, zu gehen“ hieß das Lied, das die sieben Bandmitglieder eigens für ihre letzten beiden Auftritte geschrieben haben, um sich beim Publikum zu bedanken. Als Abschiedsgeschenk für die Böhler Fasnachtsgemeinde gab es außerdem Anstecker zum Andenken. Aber nicht nur die Hoi-Doi’s, sondern auch ihre Familien und der Verein haben sich Überraschungen zum Abschied ausgedacht. So wurde eigens ein Musikvideo zu „Moskowskaja (Stationen eines russischen Säufers)“ gedreht, das die Handlung des Liedes nacherzählt. Und ein Fotobuch mit Erinnerungen gab’s auch noch. Dass die Zeit jetzt vorbei ist – „ein komisches Gefühl“, sagt Hartmann. In 35 Jahren ist eben doch viel passiert.

Ein schönes Wochenende

wünscht die Landkreisredaktion

Im Luftballonregen: Die Hoi-Doi’s bei einem ihrer letzten beiden Auftritte bei den Böhler Hängsching.
Im Luftballonregen: Die Hoi-Doi’s bei einem ihrer letzten beiden Auftritte bei den Böhler Hängsching.
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