Rhein-Pfalz Kreis Wo Ochs und Esel spucken

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Dannstadt-Schauernheim. Puh, ist das heiß. Für einen Schwimmbadbesuch ist leider keine Zeit, aber mal kurz die Arme ins kühle Nass tauchen – das wäre schon wunderbar. Zum Glück gibt es die Dorfbrunnen. Damit jeder, dem die Haut glüht, Linderung findet, stellen wir in einer Serie die Erfrischungsquellen im Kreis und ihre Geschichte vor. Heute sind wir in Dannstadt. Zisch – da prickelt’s doch schon beim Lesen.

Planschen ist erlaubt – „ja, sogar ausdrücklich gewollt“, sagt Verbandsbürgermeister Stefan Veth (CDU). Wer an heißen Tagen Abkühlung sucht, ist am Ochs- und Eselbrunnen in Dannstadt also herzlich willkommen. Entstanden ist er mit dem Zentrum Alte Schule, 1995 wurde er eingeweiht. Während nun die Arme so im Wasser baumeln und die Augen zwischen den beiden Tierköpfen hin und her wandern, stellt sich unwillkürlich die Frage, warum ausgerechnet Ochs und Esel sich so hingebungsvoll anspucken. Als die Hände wieder trocken sind, der Geist abgekühlt ist, geht es an die Recherche. Wir stoßen auf Ruprecht Vollmar. Er war von 1953 bis 1973 Lehrer an der Dannstadter Volksschule und hat im Ort gewohnt. Er hat sich ganz der Geschichte der beiden Ortsteile verschrieben. Aus seiner Feder stammen die Geschichten und Sagen aus Dannstadt und Schauernheim. Gesammelt hat sie der Kultur- und Heimatkreis Dannstadter Höhe (KHK) in einer 243 Seiten starken Ringmappe. Und darin findet sich auch die Erklärung für Ochs und Esel. Die Dannstadter sind demnach allesamt Rindviecher – aus Sicht ihrer Nachbarn versteht sich. So waren die Bauern des Dorfs früher reich an Vieh. „Mit Fahrochsen bestellten sie ihre Äcker. Kam ein Bauer mit seinen Zugochsen angefahren, wurde gern gespottet: ,Drei Ochse – zwää ziehgen unn ääner hockt druff’“, erzählt Vollmar, wie die Dannstadter zu ihrem Uznamen kamen. Es war aber nicht allein der Neid der Nachbarn. Auch in ihrer Sturheit, was den Bau einer Eisenbahntrasse anbelangte, erinnerten die Dorfbewohner an Ochsen: Sie wollten nicht, dass die Ludwigsbahn ihre Felder zerschneidet, Lokomotiven die Rinder aufschrecken. „Der verhandelnde Eisenbahner musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.“ So wurde die Ludwigsbahntrasse in den 1840er Jahren auf der Ostseite um die Dannstadter Gemarkung herumgebaut. Schifferstadt wurde Eisenbahnknotenpunkt und entwickelte sich rasch zu einer Stadt. Später fuhr zwar doch noch ein Lokalbähnchen nach Dannstadt, aber die Linie wurde nicht lange bedient – heute erreicht man den Ort nur umständlich mit dem Bus. „Diese Ochsen“, mögen die Schauernheimer deshalb zuweilen denken, die unter der gleichen Nahverkehrsanbindung leiden. Dabei sind sie mit ihrem Spitznamen keineswegs besser dran. Esel werden sie genannt, weil sich die Müller im Ort früher viele Lasttiere hielten. Es gibt aber noch eine weniger harmlose Geschichte. Ruprecht Vollmar berichtet: „Einmal fand ein Schauernheimer im Feld einen Kürbis. Er staunte nicht schlecht über das große gelbe Ding. So etwas hatte er noch nie in seinem Leben gesehen. Aufgeregt lief er zum Bürgermeister und bald wusste das ganze Dorf davon.“ Keiner aber erkannte, was das „Wunderding“ tatsächlich war und so geht die Geschichte peinlich für die Schauernheimer aus. Sie kamen nämlich zu dem Schluss, dass es sich um ein Ei handeln müsse. Der Bürgermeister begann, es auszubrüten. Sein Freund folgte. Doch der war so schwer, dass die reife Frucht platzte. Zum Vorschein kam ein Eselchen. „Er hat einen Esel ausgebrütet“, schrien die Dorfbewohner. Mussten aber ihren Irrtum bald erkennen, als ein Müller mit der Eselmutter heraneilte – das Kleine hatte sich nur auf dem Feld verirrt. Warum die Schauernheimer Esel genannt werden, danach braucht wohl keiner mehr zu fragen. Das runde Ding im Brunnen – zwischen Ochs und Esel – ist übrigens der Kürbis. Gestaltet hat die Figuren Bildhauer Gernot Rumpf. Sie schwitzen schon wieder bei so viel Geschichte? Dann folgen Sie uns zur katholischen Kirche. Dort im Hof plätschert der St-Michaels-Brunnen. Erschaffen hat ihn der Speyerer Künstler Georg Günther Zeuner. Das Besondere: Der Achtgötterstein unter der Bronzestatue des Erzengels. Er ist eine Nachbildung des Originals, das 1825 bei Arbeiten an der Kirche gefunden wurde und heute im Historischen Museum der Pfalz in Speyer zu bewundern ist. Abgebildet sind acht römische Gottheiten. Weniger Stein, mehr Natur bietet der Queckbrunnen, der gerade noch auf Dannstadter Gemarkung liegt. Ihn wollen wir, wo es ums Erquicken geht, nicht unerwähnt lassen, denn genau daher hat die Quelle ihren Namen. Ob das Wasser Trinkqualität hat? Bürgermeister Stefan Veth ist sich da nicht ganz sicher. Aber kühlende Tropfen auf die Stirn träufeln oder das Taschentuch anfeuchten – das sei sicher unbedenklich. Auch wenn es scheint, dass das Wasser in der Sandsteineinfassung steht, wird es doch regelmäßig mit Frischwasser aus der Erde durchmischt. Soweit zu Dannstadt. Schauernheim lässt sich nur heiß ertragen. Der Sagenbrunnen ist versiegt. Das hat jetzt nichts damit zu tun, dass in diesem Ortsteil Esel wohnen. „Die Anlage war anfällig, und irgendwann hat es sich nicht mehr gelohnt, sie zu reparieren“, sagt Veth. Als Verbandsbürgermeister stellt er quasi die neutrale Verbindung zwischen Langohren und Rindviechern dar. Heute sind beide Dörfer aber ohnehin zu einer Gemeinde verschmolzen. Und zu den Brunnenfesten bei Ochs und Esel gesellen sich längst Bürger aus beiden Teilen. Sicherlich, zuweilen werden sich Dannstadter und Schauernheimer heute noch frotzeln. Das erhält die Freundschaft – und wem die Diskussion zu heiß wird, der kann ja den Kopf zwischen Ochs und Esel stecken – ins kühle Nass.

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