Mutterstadt
Wie die Gemeinde günstiges Bauland erschließen will
Im Flächennutzungsplan der Gemeinde ist das Neubaugebiet Südwest schon seit mehreren Jahrzehnten festgeschrieben. Seit etwa drei Jahren werden die Pläne konkreter. Der Grund: Der Wohnungsdruck in Mutterstadt wächst. „Die Wohnungsnot wird immer größer, wir haben enorm viele Anfragen nach Wohnraum und auch nach Grundstücken“, sagt Mutterstadts Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD).
Das Neubaugebiet „Alter Damm“, das 2005 erschlossen wurde, sei fast komplett belegt, sprich bebaut. Die noch freien Flächen seien meist im Besitz von Leuten, die die Grundstücke erst einmal nicht bebauen wollen, weil sie diese zum Beispiel für Kinder oder Enkelkinder gekauft haben. Derweil steigen die Baugrundpreise ins Utopische, für Normalverdiener oder junge Familien sei ein Grundstück in der Kommune kaum noch erschwinglich, meint der Bürgermeister. Die Preise für erschlossenes Bauland werden nach seiner Auskunft je nach Lage im Ort zwischen 340 bis 1000 Euro pro Quadratmeter gehandelt.
Ansturm auf Bauland
Mit einer Erschließung eines weiteren Neubaugebiets im Südwesten möchte die Gemeinde gegensteuern. Doch seit das bekannt ist, sind einige Immobilien- und Baufirmen, aber auch Privatleute auf „Einkaufstour“ gegangen, in der Hoffnung, dass die Grundstücke bald Bauland werden. Wie der Bürgermeister in der jüngsten Gemeinderatssitzung berichtete, habe die Verwaltung in einem Fall schon von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen müssen. Doch das sei immer auch mit Anwaltskosten oder – wenn es kein Einverständnis gebe – mit juristischen Auseinandersetzungen verbunden.
„Nun ist es so, dass die Gemeinde, macht sie ihr Vorkaufsrecht geltend, auch den Preis zahlen muss, den die Vertragsparteien ausgehandelt haben“, erläutert der Bürgermeister weiter. Im besagten Fall waren es 150 Euro pro Quadratmeter unerschlossene Ackerfläche. Das sei auch die Obergrenze gewesen, die sich die Gemeinde für den Ankauf von Flächen in dem Gebiet gesetzt hat. Mehr sei für die Kommune nicht rentabel.
Und das aus folgenden Gründen: Zum Grundstückspreis addieren sich noch die Grunderwerbsteuer sowie die Notar- und die Erschließungskosten. Zudem gehen bei der sogenannten Baulandumlegung 35 bis 40 Prozent der Flächen für öffentliche Räume wie Straßen, Plätze oder Freiflächen verloren. All das würde sich schon jetzt zu einem geschätzten Grundstückpreis für das Bauland von rund 600 Euro pro Quadratmeter summieren.
„Wir wollen aber als Gemeinde möglichst vielen das Bauen ermöglichen – und das sozial ausgewogen“, erläutert Hans-Dieter Schneider weiter. So sollen Geschossbauten entstehen, aber auch die Wünsche aus dem Gemeinderat sollen umsetzbar bleiben, wie altersgemischtes Wohnen oder jungen Familien Bauland zu günstigeren Preisen anzubieten, als derzeit auf dem Immobilienmarkt verlangt werden. Sozialer Wohnungsbau, wie ihn zum Beispiel der Kreiswohnungsverband für die Kreiskommunen tätigt, sei aber schon mit diesen Einstiegspreisen gar nicht mehr möglich.
„Wahnwitzige Preise“
Bekomme nun ein Ackerflächenbesitzer ein Angebot für mehr als 150 Euro pro Quadratmeter, werde die Kommune nicht ihr Vorkaufsrecht in Anspruch nehmen. Auf der anderen Seite: „Bekommen wir nicht genug Flächen von Grundstücksbesitzern verkauft,, werden wir das Baugebiet nicht erschließen“, sagt er. Das sei das Risiko von allen, die derzeit dort teuer Ackerland kauften. „Es kann nicht in unserem Interesse sein, dass schon jetzt bei Bauerwartungsland wahnwitzige Preise verlangt werden“, sagt Hans-Dieter Schneider deutlich. Um die genannten politischen Ziele umsetzen zu können, benötigt die Gemeinde etwa sieben Hektar.
Was aktuell hinzukommt: Es sei möglich, dass aufgrund der steigenden Zinsen und sehr hohen Baupreise das Neubaugebiet in zwei Teilen erschlossen werde. Auch das ist ein Risiko für alle, die dort schon jetzt Ackerflächen kaufen in der Hoffnung, dass diese Bauland werden.
Gemeinde informiert
Darüber möchte die Gemeinde alle Ackerflächenbesitzer in einem Brief informieren, in der Hoffnung, genügend Flächen für 150 Euro pro Quadratmeter kaufen zu können. „Einige haben schon Kaufangebote bekommen und selbst gar nicht gewusst, dass wir planen, das Areal zu erschließen“, berichtet der Bürgermeister. Auch darum soll dieser Info-Brief versandt werden.
Die Gemeinderat war sich in der Sache einig und beauftragte die Bauabteilung, die Grundeigentümer anzuschreiben.