Rhein-Pfalz Kreis „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

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Im Februar 2013 hatte der alte Gemeinderat den gleichen Beschluss gefasst, er wurde aber nicht umgesetzt, weil einzelne Beschicker anschließend dagegen waren. Jetzt, so Bürgermeister Michael Müller (SPD), werde die Entscheidung auch umgesetzt. Demnach findet künftig am vierten Wochenende im September eine Kerwe auf dem Parkplatz vor dem Rathaus und der Sparkasse statt, und auf diesen Platz bewegt sich der Umzug zu – im jährlichen Wechsel von Bobenheim und Roxheim aus (wir berichteten am Donnerstag). Die Zustimmung des Ortskartells hat sich die Verwaltung eingeholt, und auch die beiden Kirchengemeinden haben laut Müller nichts dagegen. Sie wollen dennoch an ihren bisherigen Terminen für den „Pälzer Owend“ und die Wasserprozession festhalten. Zum Teil unklar ist, wie jene Teilnehmer auf die Neuerung reagieren, die bisher im Zentrum der beiden Ortsteile oder an der Umzugsstrecke in Bobenheim die Kerwegäste bewirtet haben. Darauf hob Michael Remmele (CDU) in seiner Gegenrede ab. „Viele wollen dann nicht mehr mitmachen“, sagte er. „Die Kerwe soll in der Hand der Verein bleiben.“ Wenn es um Einsparungen gehe, dann könne die Gemeinde ja ihr Engagement für die beiden Feste herunterfahren. Auch Klaus Graber (CDU) wandte sich gegen eine Verordnung von oben herab. Die beiden Feste seien ganz und gar nicht „kurz vor dem Abnippeln“. Grabers Hauptargument für die Beibehaltung der Tradition: Der Ursprung einer Kerwe sei die Weihe einer Kirche, und davon gebe es in Bobenheim-Roxheim nun mal zwei katholische, ja sogar noch eine dritte evangelische. Es sei also geradezu paradox, Kirchweihfeste zusammenlegen zu wollen. Die Mehrheit der Ratsmitglieder sieht das anders. Rainer Schiffmann (SPD) stellte fest: „Die beiden Kerwen dümpeln seit Jahren vor sich hin.“ Die tragende Säule, die örtliche Gastronomie, sei so gut wie nicht mehr vorhanden, und am kirchlichen Ursprung als Begründung festzuhalten, sei auch fragwürdig. Das zeige der mangelnde Zuspruch der Gottesdienste zur Kerweeröffnung. Die Besucher seien doch fast nur noch abkommandierte Mitglieder von Vereinen. Simone Lobocki (FWG) befand, dass Versuche, die Kerwen mit Zusatzveranstaltungen zu beleben, nur einen vorübergehenden Effekt gehabt hätten. Ja zur Fusion sagte auch Manfred Schärf (Wir Bürger). Er wies allerdings darauf hin, dass dann die den Rathausparkplatz teilenden Grünstreifen entfernt werden müssten. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagte Sylvia Lobocki (CDU), überzeugt von der Richtigkeit der Kerwefusion. Allerdings werde nicht die gesamte Fraktion mit Ja stimmen. 45 Jahre nach dem politischen Zusammenschluss von Bobenheim und Roxheim sei es an der Zeit, so Bürgermeister Müller, auch eine kulturelle Fusion zu vollziehen. Der zentrale Festplatz finde beim Caritasverband großen Gefallen, sodass niemand befürchten müsse, dass es wegen des Kerwetrubels Ärger mit der Leitung des neuen Pflegeheims geben wird. Mit 16 Stimmen wurde die Fusion schließlich beschlossen. Vier Ratsmitglieder durften wegen möglicher Sonderinteressen beziehungsweise wegen ihrer persönlichen Nähe zu bisherigen Kerwebeschickern nicht mit abstimmen. (ww)

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