Waldsee / Lissabon Wenn auf einmal der Papst vorbeifährt

Flagge zeigen fürs Bistum Speyer: Emilia Schwake (links) und Elisabeth Bauer.
Flagge zeigen fürs Bistum Speyer: Emilia Schwake (links) und Elisabeth Bauer.

Rund 60 Jugendliche aus dem Bistum Speyer sind aktuell beim Weltjugendtag der katholischen Kirche in Lissabon. Eine von ihnen ist Emilia Schwake aus Waldsee. Die Erlebnisse stimmen die 18-jährige Katholikin optimistisch, dass ihre Kirche trotz aller negativen Schlagzeilen eine Zukunft hat.

Den letzten Weltjugendtag vor vier Jahren in Panama hat Emilia Schwake noch aus der Ferne mitverfolgt. Diesmal ist die junge Frau, die in der Waldseer Pfarrgemeinde die Messdiener leitet, hautnah dabei. „Das hatte ich mir von Anfang an vorgenommen“, sagt sie. Mit Emilia Schwake verbringen auch ihre 17-jährige Schwester und viele weitere junge Menschen aus dem ganzen Bistum Speyer gerade intensive Tage in Portugal, bei denen der Glaube und die Begegnung mit anderen Christen aus aller Welt im Mittelpunkt steht.

Bevor die Pfälzer am Mittwoch in der Lissabon ankamen, waren sie schon sechs Tage bei Gastfamilien in der Kleinstadt Pombal zwei Stunden nördlich der portugiesischen Hauptstadt. Dort habe sich die Gruppe die Möglichkeit zum kulturellen Austausch und zur geistlichen Vorbereitung gehabt, erzählt die Waldseerin. „Es gibt dort noch mehr Leute als in Deutschland, die den Glauben aktiv leben“, ist ihr Eindruck. Auch für die jüngere Generation sei es noch normaler, sonntags in die Kirche zu gehen.

Die „Festas de Bodo“, bei denen an das Vorübergehen einer Heuschreckenplage durch die Anbetung der „Nossa Senhora do Cardal“ erinnert wird, haben mit ihren täglichen Marienprozessionen Eindruck bei den Gästen hinterlassen. Auch bei den täglichen Pilgerwegen konnten die Deutschen Pombal sowie die Distrikthauptstadt Coimbra besser kennenlernen. Am Ende jedes Pilgerweges gab es einen Ansteck-Pin. „Wir haben ganz stark die Gastfreundschaft der Portugiesen genießen dürfen. Am Ende gab es tränenreiche Abschiede“, berichtet Elisabeth Bauer. Die Harthausenerin ist Jugend- und Ministrantenreferentin beim Bistum Speyer und leitet die Reise zum Weltjugendtag zusammen mit Pfarrer Matthias Schmitt. Die Kommunikation mit den Gastfamilien habe trotz Sprachbarrieren funktioniert – dank Google-Übersetzer.

Von Beten bis Sport

Am Dienstag traf die Gruppe aus dem Bistum Speyer dann zum offiziellen Weltjugendtag in Lissabon ein. Gemeinsam mit 600.000 jungen Katholiken aus aller Welt feierten die Pfälzer eine Willkommensmesse. „Es gibt eine riesige Fülle an Programmpunkten“, berichtet Emilia Schwake. Diese reichten von Gebeten über Spiele und Sport bis hin zu Konzerten. „Sehr aufregend“ sei gewesen, als sie am Donnerstag erstmals Papst Franziskus „live“ erleben durfte, berichtet die Waldseerin. Das Kirchenoberhaupt sei mit dem Papamobil durch die Menge gefahren worden. „Meine Schwester stand in der ersten Reihe, ich in der zweiten oder dritten“, erzählt die 18-Jährige. Der Papst habe trotz der zuletzt besorgniserregenden Nachrichten über seine Gesundheit einen fitten Eindruck gemacht. „Ich glaube, es war schön für ihn zu sehen, dass so viele junge Leute da waren“, sagt Emilia Schwake. Auch ihr habe das Erlebnis Optimismus gegeben, dass es eine Zukunft für die Kirche gebe. „Man merkt ja, dass in Deutschland immer weniger Leute in die Kirche kommen“, hat sie auch im heimischen Waldsee beobachtet.

Neben den morgendlichen Katechesen auf Deutsch mag die junge Frau vor allem, einfach in die Atmosphäre der Stadt einzutauchen. Mittlerweile hat sich die Gruppe auch eine Deutschlandfahne besorgt. „Man wird einfach so angesprochen, unterhält sich und tauscht zum Beispiel Armbänder in den Landesfarben aus“, erzählt sie. Nun ist bei Emilia Schwake, Elisabeth Bauer und den anderen Katholiken aus dem Bistum Speyer die Vorfreude groß auf die Abschlussvigil mit dem Papst am Samstagabend, nach der die Gruppe gemeinsam mit tausenden anderen jungen Gläubigen auf einem Feld übernachtet. Im Anschluss wird die Pilgergruppe noch einige Tage am Meer verbringen, wo die Erfahrungen und Ereignisse gesammelt und sortiert werden können. „Ich bin gespannt, wie sich die Erfahrung auf die Teilnehmer auswirkt“, sagt Elisabeth Bauer. „Ich hoffe, dass jeder etwas für sich findet.“

Begeisterter Empfang: Papst Franziskus.
Begeisterter Empfang: Papst Franziskus.
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