Neuhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Welttag zur Prävention gegen das Ertrinken: Was die Retter der DLRG Neuhofen so erleben

Auch vom Wasser aus behalten die DLRG`ler an einen Sommertag an der Schlicht alles im Auge.
Auch vom Wasser aus behalten die DLRG`ler an einen Sommertag an der Schlicht alles im Auge.

Heute ist der Welttag der Prävention gegen das Ertrinken. Wir haben aus diesem Anlass die Rettungsschwimmer der Ortsgruppe Neuhofen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) an der Schlicht bei Neuhofen besucht und erfahren, dass die meisten gefährlichen Situationen vermeidbar wären.

Es ist ein warmer Sommertag und es herrscht Hochbetrieb im Wasser und am Ufer. „Es wäre schon viel geholfen, wenn sich alle an die Baderegeln halten würden“, sagt Frank Markgraf. Er ist der stellvertretende Leiter der Ortsgruppe Neuhofen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Neben ihm – am Strand des Badeweihers – steht Jürgen Hoffmann. Beide sind ausgebildete Rettungsschwimmer und haben mehrere Zusatzausbildungen, die alle für das Retten von Ertrinkenden in stehenden und fließenden Gewässern qualifizieren. Vor der Rettungswache sitzen weitere DLRG-Retter, auch wenn sie nicht im Dienstplan eingeteilt sind, der die Mindestbesetzung regelt.

Jedes Jahr ertrinken der DLRG zufolge weltweit fast eine Viertelmillion Menschen. Der von den Vereinten Nationen eingeführte Welttag der Prävention gegen das Ertrinken (World Drowning Prevention Day) erinnert am 25. Juli an die auf diese Weise Verstorbenen. Größere Anstrengungen der Staaten werden angemahnt, um die Zahl der Opfer zu verringern.

Schwimmkurse ausgebucht

Weil Prävention so wichtig ist, ist sie auch immer Teil der DLRG-Arbeit der Ortsgruppe Neuhofen. Die Schwimmkurse sind ausgebucht. 150 Teilnehmer werden unterrichtet, auf der aktuellen Warteliste stehen weitere rund 100 Menschen, fast ausschließlich Kinder.

Das Schwimmenlernen in der Schule oder regelmäßiges Schulschwimmen wird immer seltener. „Es gibt kaum noch Leute, die das betreuen können und es gibt auch immer weniger Zeit im Stundenplan“, stellt Markgraf fest. Der Trend zum Spaßbad sei nicht hilfreich: Da werde nur geplanscht und nicht geschwommen.

Die Baderegeln wurden früher in der Schule vermittelt. Die versteht jedes Kind: Geh nur ins Wasser, wenn Du Dich fit fühlst und kühle Dich vorher ab. Nie mit vollem oder ganz leerem Magen ins Wasser. Als Nichtschwimmer nur bis zum Bauch ins Wasser. Nur bei echter Gefahr um Hilfe rufen. Die eigene Kraft und Ausdauer nicht überschätzen. Nicht schwimmen, wo Schiffe und Boote fahren.

„Es gibt zu viele Nichtschwimmer und schlechte Schwimmer“, sagt Markgraf. Die sind dann oft auch mit ungeeigneten Schwimmhilfen unterwegs. „Wer mit Schwimmärmeln von der Badeinsel springt und die Arme hochhält, rutscht durch die Ärmel und geht direkt unter – und das passiert öfter“, sagt der Rettungsschwimmer. Oft sind es ältere Geschwister, die auf mehrere jüngere Kinder aufpassen sollen. Doch auch Erwachsene sind überfordert, wenn ein Kind in Gefahr gerät und dann die anderen Kinder Angst bekommen, von der Luftmatratze rutschen und auch Hilfe brauchen. Und wenn jemand ertrinkt, wird das oft nicht bemerkt.

Viele uneinsichtig

„Kinder ertrinken lautlos. In der Hälfte der Fälle sind die Eltern in Hör- und Sichtweite, in zehn Prozent der Fälle stehen die Eltern daneben und bemerken das Ertrinken nicht“, sagt Markgraf. Badende auf Gefahren aufmerksam machen, um Schlimmeres zu vermeiden, ist natürlich sinnvoll – aber es ist erschreckend, was dann oft zurückkommt. „Die Leute sind uneinsichtig, machen sich über uns lustig oder werden sogar beleidigend“, erzählt Markgraf. Ein älteres Paar wollte partout nicht einsehen, warum es bei Gewitter nicht rausschwimmen sollte, erzählt der Rettungsschwimmer. Der Kopf des Schwimmers sei der höchste Punkt auf der Wasserfläche und ziehe Blitze an. „Das war dem Paar aber egal.“

„Was willsch'n Du mit doine komische Badehoos“, das hat sich Jürgen Hoffmann kürzlich anhören müssen. Er ist der Bootsreferent und wird jetzt eine Runde drehen, mit an Bord sind zwei junge Rettungsschwimmerinnen, die erfolgreich ihre Ausbildung hinter sich haben. Mit dem Boot müssen die Retter raus, wenn jemand seine Ausdauer überschätzt und es zum Beispiel von der künstlichen Insel nicht mehr zurückschafft oder einen Krampf bekommt. „Selbst Triathleten haben eine Boje dabei, aber untrainierte Leute schwimmen einfach so raus“, sagt Markgraf.

Die DLRG-Ortsgruppe Neuhofen wurde 1964 gegründet und ist seither ganzjährig aktiv mit Unterricht und Schwimmer- und Rettungsschwimmer-Ausbildungen. Kinder können ab fünf Jahre beginnen mit dem Kleinkindschwimmkurs „Seepferdchen“ und dann die Schwimmabzeichen „Piraten“, „Delfine“, „Haie“ machen. Die Kinder bleiben so lange in den Kursen, bis sie nach Beurteilung der Kursleiter das Kursziel erreicht haben. „Wir empfehlen direkt nach der Geburt des Kindes die Aufnahme auf die Warteliste“, heißt es auf der Website der DLRG Neuhofen. Wegen der großen Nachfrage werden derzeit keine Kinder von anderen Ortschaften für die Warteliste angenommen.

Kontakt

DLRG Ortsgruppe Neuhofen, im Internet www.neuhofen.dlrg.de

Passen gut auf: Jürgen Hoffmann (links) und Frank Markgraf von der DLRG Neuhofen beim Einsatz.
Passen gut auf: Jürgen Hoffmann (links) und Frank Markgraf von der DLRG Neuhofen beim Einsatz.
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