Dannstadt-Schauernheim
Weiter Brot nach alter Tradition: Die Bäckerei Burdan besteht fort
Ursprünglich hatte Marvin Hüls 2019 nur als Aushilfe in der Bäckerei der Eltern seiner Freundin arbeiten wollen. Der Speyerer plante, das Abitur zu machen und hätte vermutlich einen ganz anderen Weg eingeschlagen. „Aber dann kam Corona“, erzählt der 23-Jährige. Homeschooling sei so gar nichts für ihn gewesen, und so habe er sich entschieden, das Gymnasium nach der zwölften Klasse mit dem Fachabitur zu verlassen und eine Ausbildung zum Bäcker anzufangen.
Die Gesellenprüfung legte er Anfang 2022 ab. Seit diesem Januar hat er auch seinen Meister in der Tasche und ist dabei, die Bäckerei Stück für Stück zu übernehmen. Einen radikalen Schnitt wird es nicht geben, da Frithjof Burdan und seine Frau Katharina vorerst weiter in der Bäckerei mitarbeiten, auch wenn sie ihre Arbeitszeit bereits reduziert haben. „Wenn Not am Mann ist, bin ich gerne bereit einzuspringen“, versichert der 67-jährige Bäcker und Konditor.
Da Tochter Paula ein Lehramtsstudium begonnen hat und keine Ambitionen zeigte, den Betrieb zu übernehmen, hatte Burdan wenig Hoffnung, dass das 1928 von seinem Großvater Karl Spanier gegründete Geschäft fortbestehen würde. „Ich habe mich schon darauf vorbereitet, einem Großen zu übergeben oder ganz zu zu machen“, sagt er. Jetzt ist er glücklich, dass die Bäckerei weiterhin in Familienhand bleiben wird. Dass er mit seinem Schwiegersohn einen Nachfolger gefunden hat, bezeichnet er als „Fügung Gottes“ und „einen Sechser im Lotto“.
Burdans Tochter ist mittlerweile nicht nur mit Marvin Hüls verheiratet, das Paar hat auch gerade erst das zweite Kind bekommen. Und da der 23-Jährige schon seine Ausbildung in der Dannstadter Bäckerei absolviert hat, ist er ohnehin längst fest mit dem Betrieb und dessen Philosophie verbunden. Und zu dieser Philosophie gehört, dass das Brot nach alter Bäckertradition in einem dreistufigen Verfahren gebacken wird – vom anfrischsauren über den grundsauren bis zum vollsauren Teig.
„Es ist einfach das Optimale, besser geht’s nicht“, ist Frithjof Burdan überzeugt. Die Großindustrie mache alles ein bisschen schneller, und das schmecke man. Auch Marvin Hüls möchte an dem zeitaufwendigeren Verfahren festhalten. „Es ist einfach eine Qualität, die ich sehr zu schätzen gelernt habe“, sagt er. Und darin sieht er auch den Vorteil der Traditionsbäckerei gegenüber den großen Ketten und den Brotangeboten in Supermärkten.
Die Konkurrenz sei enorm, aber Hüls ist sicher, dass es auch künftig einen Kundenkreis geben wird, der Qualität wertschätzt und nicht nur auf den Preis schaut. „Es ist wichtig, dass man nicht einfach aufgibt“, erklärt der 23-Jährige. Und so möchte er langfristig noch präsenter auf Märkten sein. „Unser Plan ist, noch einen Marktwagen anzuschaffen“, sagt er. Bislang ist die Bäckerei regelmäßig auf den Märkten in Ludwigshafen und Friesenheim vertreten. Hüls’ Wunsch wäre, dass auch noch Speyer dazu käme.
Aktuell stehen neben dem bisherigen Chef Burdan und Nachfolger Hüls fünf Mitarbeitende in der Bäckerei. Im Verkauf sind mit den Aushilfskräften acht Personen tätig. Die Menge an Broten, die täglich über die Ladentheke gehen, variiert zwischen 300 und 500. Brötchen sind es an manchen Tagen 2000 Stück, an anderen Tagen wird das Doppelte verkauft. Dazu gibt es noch hausgemachte Kuchen. Das gehe nur, wenn man mit vollem Herzen dabei sei, sagt Frithjof Burdan. „Wenn man nicht liebt, was man tut, sollte man etwas anderes machen.“
Bislang hat der Bäckermeister noch immer Auszubildende gefunden, doch eine so große Nachfrage nach Lehrstellen wie früher gebe es nicht mehr. Auch Marvin Hüls hat beobachtet, dass in seiner Berufsschulklasse viel weniger Bäckerlehrlinge waren als in früheren Zeiten. Und noch weniger hätten die Ausbildung auch abgeschlossen, berichtet der 23-Jährige.
An die Arbeitszeit mitten in der Nacht, die viele abschreckt, hat er sich längst gewöhnt. Zu Gunsten der Freizeitgestaltung mit seiner Familie verzichtet er zudem auf den Mittagsschlaf und geht dafür lieber früh schlafen – meist zur gleichen Zeit wie seine zweieinhalbjährige Tochter. Und da sie und ihr neu geborener Bruder glücklicherweise ruhig schlafen, kann ihr Vater dann nachts mit Elan die vielen guten Brote backen, die bei den Kunden so beliebt sind.